Sie setzen ihr Leben aufs Spiel

6.000 Flüchtlinge an einem Tag im Mittelmeer gerettet

Dienstag, 04. Oktober 2016 | 22:57 Uhr

Die Zahl der Flüchtlinge, die die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer wagen, steigt wieder dramatisch. An einem einzigen Tag sind am Montag mehr als 6.000 Menschen aus Seenot gerettet worden, das teilte die italienische Küstenwache mit. Neun Leichen wurden geborgen, sieben davon befanden sich an Bord eines einzigen Bootes. Am Dienstag kamen wieder 200 Bootsflüchtlinge in Sizilien an.

Laut der italienischen Küstenwache wurden vor der libyschen Küste am Montag insgesamt 6.055 Menschen aus Seenot gerettet. Demnach befanden sich die Flüchtlinge auf 32 Gummibooten, fünf Fischerbooten und zwei Flößen. An dem Rettungseinsatz waren drei Schiffe der Küstenwache, zwei der italienischen Marine, je eines der EU-Mission Eunavformed und der Grenzschutzagentur Frontex sowie Schiffe diverser Hilfsorganisationen beteiligt.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen teilte am Dienstag mit, sie allein habe mit ihren drei Rettungsschiffen innerhalb von weniger als sieben Stunden fast 2.000 Menschen von elf Booten gerettet. Viele der Rettungseinsätze seien dramatisch verlaufen, und einige Menschen mussten aufgrund ihres kritischen Gesundheitszustandes sofort auf das italienische Festland gebracht werden. Eine junge Schwangere starb kurz nach ihrer Rettung, noch bevor sie evakuiert werden konnte. “Es ist inakzeptabel, dass die Menschen auch im Jahr 2016 immer noch keine andere Wahl haben, als diese schreckliche, tödliche Reise anzutreten,” kritisierte die NGO am Dienstag in einer Aussendung.

Am Dienstag kamen wieder über 200 Migranten in der sizilianischen Küstenstadt Catania an. Ein Schiff der Hilfsorganisation Save The Children griff die Bootsflüchtlinge am Sonntag im Mittelmeer vor Afrika auf und brachte sie nach Italien. Unter den Geretteten befinden zahlreiche Kinder, die ohne Eltern auf dem Weg nach Europa waren.

Auf einem völlig überladenen Holzboot vor der libyschen Küste kamen unterdessen mindestens 22 Flüchtlinge ums Leben. Wie ein AFP-Fotograf am Dienstag berichtete, waren rund tausend Menschen in dem Boot zusammengepfercht. Der Reporter, der an Bord steigen konnte, zählte dort 22 Tote, allerdings wurden noch weitere Opfer befürchtet. Die meisten von ihnen erstickten in der Enge.

An Bord des überfüllten Fischerbootes herrschte Panik, viele Menschen sprangen aus Verzweiflung ins Wasser, so der Fotograf. Seit dem frühen Dienstagmorgen war das Rettungsboot “Astral” von der spanischen Organisation ProActiva Open Arms im Einsatz, um die Flüchtlinge zu retten, ab dem Abend war dann auch die italienische Küstenwache mit dabei.

Die Internationale Organisation für Migration schätzt, dass rund 132.000 Menschen seit Anfang 2016 in Booten Italien erreicht haben. Der Seeweg zwischen Libyen und Italien ist Hilfsorganisationen zufolge zur wichtigsten Route für Flüchtlinge und Migranten auf dem Weg nach Europa geworden.

Unterdessen steigt offenbar auch die Zahl der neukommenden Flüchtlinge in Griechenland. Von Montag auf Dienstag kamen 280 von der türkischen Küste nach Griechenland, das teilte der griechische Flüchtlingskrisenstab am Dienstagmorgen mit. Innerhalb von vier Tagen kamen damit mehr als 600 Flüchtlinge auf den griechischen Inseln an. Eine Woche zuvor waren es im selben Zeitraum lediglich 90 Menschen.

Auf den griechischen Inseln ist die Lage angespannt. Insgesamt 14.600 Flüchtlinge halten sich auf Lesbos, Chios, Kos, Leros und Samos auf – fast doppelt so viele, wie die Flüchtlingslager der Inseln Aufnahmeplätze haben. Sowohl die Migranten als auch die Inselbewohner protestieren gegen die Zustände vor Ort, immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen und Zusammenstößen zwischen den Menschen. Vor allem auf Chios herrscht Angst vor einer Eskalation der Situation. Dort kommen derzeit die meisten Flüchtlinge an – von Montag auf Dienstag waren es 167. Insgesamt steigt die Zahl der Flüchtlinge auf Chios damit auf mehr als 4.000 Menschen – viermal so viele, wie in den beiden Auffanglagern mit einer Kapazität von 1.000 Stellen Platz finden.

Von: apa