97-jähriger Veteran hatte sie 1944 fotografiert

76 Jahre nach Weltkrieg: Ex-US-Soldat sucht “Kinder” in Italien

Donnerstag, 10. Juni 2021 | 12:35 Uhr

76 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sucht ein ehemaliger US-Soldat, der in Italien 1944 gegen die nationalsozialistischen Truppen gekämpft hatte, Kinder von damals, die er während seiner Zeit im Mittelmeerland fotografiert hatte. Drei davon hat er bereits im Dezember wiedergefunden.

Die Geschichte des Ex-Soldaten Martin Adler wird im Buch “I bambini del soldato Martin” (“Die Kinder des Soldaten Martin”) des italienischen Journalisten Matteo Incerti erzählt. Das Buch erscheint am 17. Juni und enthält circa 100 Fotos, die der heute 97-jährige Adler während seiner Zeit in Italien geschossen hatte. Sein Ziel ist jetzt, die Kinder wiederzufinden, die er fotografiert hatte.

ANSA/ PER GENTILE CONCESSIONE DI MATTEO INCERTI

“Ich habe ein Bild von Kindern in den Hügeln von Florenz. Ich habe Menschen in Neapel, in Belluno, in Venedig und in den Dolomiten in Trentino-Südtirol abgebildet. Ich hoffe, dass ich jetzt jemand von diesen Personen noch finden kann”, betonte der Mann laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. Er hofft, dass sich nach der Veröffentlichung des Buches Menschen melden, die sich in seinen Bildern erkennen.

Adler ist in Italien im vergangenen Dezember berühmt geworden, als er drei Geschwister wiedergefunden hatte, die er in einem Haus am Apennin in Norditalien fotografiert hatte. Adler hatte im Internet ein Bild gepostet, auf dem er lächelnd mit den drei Kindern zu sehen ist. Nach einiger Suche konnte er die drei Geschwister Bruno, Mafalda und Giuliana Naldi per Videokonferenz kennenlernen. Die drei sind 83, 81 und 79 Jahre alt und leben nahe Bologna.

Der in New York geborene Adler, der aus einer ungarischen Familie stammt, zog als 20-Jähriger mit der 85th Infantry Division Custermen nach Italien, wo er in den Jahren 1944-1945 kämpfte. “Mit einem anderen Soldaten drangen wir in ein Haus am Apennin auf der Suche nach deutschen Soldaten ein und hörten Geräusche aus einem Korb kommen. Wir wollten schon schießen, doch plötzlich tauchte eine Frau auf, die laut ‘Bambini, Bambini’ schrie. In dem Korb waren drei entzückende Kinder versteckt, ein Bub und zwei Mädchen. Zum Glück haben wir nicht geschossen. Ich hätte mir das nie verziehen”, sagte Adler.

Der US-Soldat bat die Mutter, die Kinder fotografieren zu dürfen. “Die Frau gab mir zu verstehen, dass die Kinder nicht auf so etwas vorbereitet waren. In wenigen Minuten wurden ihnen ihre besten Kleider angezogen und wir durften sie fotografieren. Dieses Ereignis war ein Lichtblick im Kriegsinferno”, erzählte Adler.

Im November 1944 wurde Adler verletzt und in Neapel ins Spital eingeliefert. Im März 1945 beteiligte er sich dann an der Befreiung Italiens von der NS-Besatzung und kehrte in seine Heimat zurück. Sein Wunsch ist es jetzt, nach Ende der Coronavirus-Pandemie wieder nach Italien zu kommen.

Von: apa

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