Stunk auf Capri

Anacaprexit: Anacapri hat genug von Capri

Montag, 27. Juni 2016 | 09:49 Uhr

Capri – Der per Referendum gewünschte Austritt der Briten, Brexit, hält die Hauptstädte Europas in Atem und sorgt für rauchende Köpfe. In einem viel kleineren Maßstab trifft das auch auf eine andere, weltweit berühmte Insel im Golf von Neapel zu.

Seit jeher teilen sich zwei Gemeinden, Capri und Anacapri, die wunderschöne Insel, die der Urlaubstraum vieler Touristen ist. Das Zusammenleben der beiden Gemeinden war nicht immer ganz leicht, aber nun hat der Bürgermeister des kleineren Anacapri seinem Kollegen von Capri die Rute ins Fenster gestellt und ihm mittels Brief wissen lassen, dass man mit Capri nichts mehr zu tun haben und sich „abspalten“ will.

Die Posse nahm ihren Anfang, als der Bürgermeister von Capri einseitig eine Reihe von Verkehrsregelungen beschloss, welche auch die Straßen betreffen, die zu Anacapri hochsteigen. Die neue Regelung sah zu bestimmten Uhrzeiten ein komplettes Verkehrsverbot sowohl für die Autos als auch die Touristenbusse vor. Diese Verordnung erzürnte das ungefragte und benachteiligte Anacapri welches, um dem Verkehrschaos Herr zu werden, im Gegenzug eine Reihe von Einbahnstraßen vorschlug. Aber Capri blieb hart und so kam es zum Eklat.

Der Brief, in dem die Gemeinde Anacapri der Gemeinde Capri jegliche Zusammenarbeit aufkündigte, wurde, um dem „Exit“ mehr Gewicht zu verleihen, nicht nur dem Bürgermeister von Capri, sondern auch dem Präfekten, dem Präsidenten der Region Kampanien und dem Bürgermeister von Neapel zugestellt.

Seither herrscht auf der Insel Eiszeit und man spricht scherzhaft vom „Anacaprexit“. Trotzdem machen es gemeinsame Einrichtungen wie Krankenhaus und Hafen notwendig, dass früher oder später wieder miteinander geredet werden muss.

Die Neapolitaner vergleichen die Situation auf der Insel mit jener, wie wenn zwei Frauen sich die gleiche Küche teilen müssten.

Von: ©ka

Bezirk: Bozen