"Volk der Sardinen" traf sich auf der zentralen Piazza San Giovanni

Antipopulistische Sardinen demonstrierten in Rom

Sonntag, 15. Dezember 2019 | 04:50 Uhr

Zehntausende Menschen sind am Samstag in Rom gegen den Rechtspopulismus auf die Straße gegangen. Das “Volk der Sardinen”, die vor wenigen Wochen in Bologna gegründete Anti-Populisten-Bewegung, versammelte sich auf der in Rom zu seiner ersten Kundgebung in der italienischen Hauptstadt.

Als “Antikörper gegen den Populismus” bezeichneten sich die Demonstranten, die mit Sardinen aus Karton in der Hand und Plakaten Slogans gegen Rassismus und Antisemitismus skandierten. Auf der vor der Lateranbasilika aufgestellten Bühne wechselten sich einige Gründer der im November in Bologna spontan entstandenen Bewegung als Redner ab und verlasen Auszüge aus der italienischen Verfassung.

“Wir wollen eng wie Sardinen zusammenrücken, um zu verhindern, dass Populismus in Italien noch mehr Fuß fasst. Auf Hass und Intoleranz reagieren wir mit Kampf gegen Diskriminierung, mit Beteiligung auf den Plätzen, mit Kreativität und Fantasie”, betonte Mattia Santori, Gründer der Bewegung, in einer Ansprache auf der Bühne der Piazza San Giovanni, einem traditionellen Kundgebungsort der Gewerkschaften und italienischen Linken. Santori meinte, die Bewegung habe ihr Ziel erreicht. “Wir wollten die Piazza San Giovanni füllen und wir haben es geschafft”, sagte er.

Keine Parteisymbole, keine Fahnen: Die “Sardinen” schwenkten ihre selbst gebastelte Fische aus Karton oder Blech, setzten auf Witze gegen die rechtspopulistische Lega und sangen die italienische Nationalhymne sowie das Partisanenlied “Bella ciao”. Junge und ältere Demonstranten, Römer und aus verschiedenen italienischen Städten angereiste Teilnehmer beteiligten sich an der Kundgebung.

Santori stellte die politischen Ziele der Bewegung vor. Priorität sei die Abschaffung der von Ex-Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini im Parlament durchgesetzten “Sicherheitspakete”, die schwere Strafen für Rettungsschiffe vorsehen, die ohne Genehmigung einen italienischen Hafen anlaufen. Die Bewegung forderte, dass Regierungsvertreter nur über offizielle Kommunikationskanäle ihre Mitteilungen veröffentlichen und keine Propaganda in Sozialnetzwerken betreiben. Politik müsse im Umgang mit Sozialmedien transparent sein. Politik dürfe nicht mit Marketingmethoden betrieben werden, forderte Santori.

Zu den Redner auf der Bühne zählte auch der Arzt von Lampedusa, Pietro Bartolo, der mit seinem Slogan “Bleiben wir menschlich” bekannt geworden ist. Er verkündete einen Appell gegen Ausländerfeindlichkeit und für die Flüchtlingsaufnahme in Italien.

Zu den Organisatoren gehörten auch Migranten, die die Parole der Lega, “Die Italiener zuerst”, entschieden ablehnen. Einer von ihnen ist der 44-jährige, aus Kenia stammende Journalist Stephen Ogongo, der seit 25 Jahren ohne italienische Staatsbürgerschaft in Rom lebt. Er zählt zu den Anführern der Sardinen in der Hauptstadt.

Die Kundgebung in Rom gilt als “Reifeprüfung” für die Bewegung, die seit ihrer Gründung Mitte November bereits 113 Flash Mobs in verschiedenen italienischen Städten organisiert hat. Laut Santoni wird nach der Demonstration in der Hauptstadt für die “Sardinen” die “Phase zwei” beginnen. “In der ersten Phase wollten wir sehen, wie viele Menschen sich uns anschließen. In Phase zwei wollen wir überlegen, wie wir diese Energien, die wir hervorgerufen haben, verwenden können, um eine Politik vorzuschlagen, die seriös, aber auch attraktiv sein kann”, meinte Santori.

Am Sonntag ist ein Treffen der Aktivisten verschiedener Städte geplant, um eine Struktur und eine Strategie zu bestimmen. “Wir wollen dabei ein Dutzend Punkte festlegen, um unsere Identität zu strukturieren und uns vor Instrumentalisierung durch andere Gruppierungen zu schützen”, meinte der 32-jährige Santori.

Überraschend ist für den in Wirtschaftswissenschaften promovierten Sporttrainer der Erfolg der “Sardinen” im Ausland. Viele Auslandsitaliener versammelten sich am Samstag in Brüssel, Paris und Wien, um ihre Ablehnung gegenüber Populismus und Rassismus auszudrücken.

Fotos und Videos auf sozialen Medien von der Kundgebung bei der Wiener Staatsoper zeigten eine rege Beteiligung an der Demonstration am Samstagnachmittag. Zahlen der Polizei zur Teilnahme lagen zunächst nicht vor.

Nur eine Handvoll Studenten hat die Welle der Sardinen Mitte November in Gang gesetzt. Vier Freunde aus Bologna, darunter Santori, riefen Bekannte zur Mobilisierung gegen Lega-Chef Matteo Salvini auf, der in der norditalienischen Region Emilia Romagna den Wahlkampf für die Regionalwahlen am 26. Jänner 2020 startete. Die Bewegung schreibt sich nicht nur den Kampf gegen Populismus auf die Fahnen. Sie hat auch eine ökologische und sozialrechtliche Dimension.

Salvini reagierte gelassen auf die Großkundgebung in Rom. Es sei zwar unüblich, dass man gegen eine Oppositionspartei demonstriere, aber jegliche demokratische Demonstration sei willkommen, sagte der Ex-Innenminister.

Von: apa

Kommentare

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39 Kommentare auf "Antipopulistische Sardinen demonstrierten in Rom"


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65xzensiert
65xzensiert
Tratscher
1 Monat 13 Tage

Für die Agenda der Regierung auf die Straße zu gehen und die Aufblähung des Happenings in den Systemmedien erinnert an Nordkorea.

Früher ging man auf die Straße, um gegen die Politik zu demonstrieren.

Costa
Costa
Superredner
1 Monat 13 Tage

Für welche Teile des Regierungsprogramms gehen die Demonstranten auf die Straße? Keins!

Rechner
Rechner
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

@costa ich würde auch für keine Partei auf die Straße gehen. Sauber ist keine einzige.
Am wenigsten die des Retters.
Das Problem ist es gibt nur noch extrem Rechts oder extreme Links. Alles andere ist komplett verschwunden.

65xzensiert
65xzensiert
Tratscher
1 Monat 13 Tage

@costa

Die derzeitige Regierung in Italien vertritt die EU- und UNO- Agenda, deren Programme lauten:
Resettlementprogramm, Replacement- Migration, Migrationspakt, Flüchtlingspakt und vieles andere mehr, und alles ist schon am Laufen.

Diese paar Sardinen werden gesteuert und medial aufgepäppelt.

falschauer
1 Monat 13 Tage

also hast du null verstanden!… die sardinen gehen gegen jegliche derzeitigen politiker auf die straße, weil sie alle egal ob rechts oder links versager sind….das ist jedoch nicht nur ein italienisches problem sondern ein europäisches, ein weltweites!!….gewaltätige verbale attacken, lügen, nicht eingehaltene versprechungen, schwarzmalerei, bürger in angst versetzen, rassismus, fremdenhass usw usw, haben in der politik nichts verloren…..politiker sollten lösungen präsentieren, diese umsetzen und zum wohle des volkes arbeiten, von welchem sie bezahlt werden

Costa
Costa
Superredner
1 Monat 13 Tage

@Rechner
Gehen nicht für eine Partei (welche?) auf die Straße, sondern gegen eine populistische, hasserfüllte Art öffentlich Politik zu machen.

Costa
Costa
Superredner
1 Monat 13 Tage

@65xzensiert
Und voilà: die Verschwörungstheorie zum Sonntag.

Rechner
Rechner
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

@65xzensiert zähle mal dein und deiner Nachbarn Kinder. Dann erkennst du das Problem.

Jiminy
Jiminy
Superredner
1 Monat 13 Tage

@Costa
geh Costa rege dich nicht auf, sehe es pisitiv, die meisten hier im Forum haben halt eine blühende Fantasie… 😉😁

denkbar
denkbar
Kinig
1 Monat 13 Tage

Die haben wohl alle den Geschichtsunterricht geschwänzt, die Südtiroler die einen Faschisten hochleben lassen.
Gut, dass viele andere Menschen NEIN zum Faschismus sagen. Diktatoren brauchen immer nur jene, die selbst nicht denken können, nichts auf die Reihe kriegen und einen brauchen der für sie entscheidet.

aristoteles
aristoteles
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

gilt auch für kommunisten

Future
Future
Grünschnabel
1 Monat 13 Tage

In der Tat, erschreckend wie die Menschen immer wieder die Realität und Fakten ausblenden sobald man sie mit einem kleinen Stück Kuchen lockt.

falschauer
1 Monat 13 Tage

@aristoteles pardon hast du einiges verschlafen….??…die pci wurde 1991 aufgelöst und kp in anderen ländern sind weit unter 5% und bedeutungslos, hingegen rechtangehauchte hassprediger und angstmacher gibts wie ameisen, das ist die realität!!! aufwachen!!!

george
george
Superredner
1 Monat 13 Tage

@Future von welchem Kuchen reden Sie denn? Drücken Sie sich bitte klarer aus!

george
george
Superredner
1 Monat 13 Tage

@falschauer : Der Aristoteles plärrer.i immer denselben Schmarrn von vorgestern!

zombie1969
zombie1969
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

35.000 demonstrieren gegen ihn. Mehr als 10 Millionen wählen ihn… 

Zugspitze947
Zugspitze947
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

zombi =und irren sich trotzdem ! Denn Salvini ist ein HETZER und hat von Wirtschaft und sereiöser Politik NULL Ahnung 🙁

falschauer
1 Monat 13 Tage

@Zugspitze947 diesbezüglich hast du einmal recht!

Spiegel
Spiegel
Tratscher
1 Monat 13 Tage

Ja nicht mal 0,0000001 Prozent protestieren aber alle hören……

Blitz
Blitz
Universalgelehrter
1 Monat 13 Tage

@Spiegel wia bei einer Sekte; olle folgen blindlings .

Costa
Costa
Superredner
1 Monat 12 Tage

@Spiegel
Also, ganz langsam:
2+2=4
und
35000 Demonstranten sind 0,06% der ca. 60 Mio Italiener.
Wo kommt denn die genannte Zahl her???

Zugspitze947
Zugspitze947
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

falschauer =Danke ,vielleicht doch etwas öfter 😉

Zugspitze947
Zugspitze947
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

Protestieren können sowieso nur mindestens 15 Jährige und Greise auch nicht ! Also sind es höchstens 50 Millionenn von denen man die Prozente rechnen sollte 🙂

Frettchen
Frettchen
Neuling
1 Monat 13 Tage

Die Sardinen sind ja nur Wähler der linken Parteien zusammengefasst

falschauer
1 Monat 13 Tage

informiere dich doch bevor du solchen stumpfsinn schreibst….liest du italienische zeitungen bzw sind die rai programme für dich ein begriff…???

Makke
Makke
Grünschnabel
1 Monat 13 Tage

Dou kenn nö söfl viel Leit af die Strouße gieh. Ba die negschtn Wahlen hobm se gegen in Salvini keine Chance

Costa
Costa
Superredner
1 Monat 13 Tage

Naja, bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt.

Karl
Karl
Superredner
1 Monat 13 Tage

Die Italiener suchen zum X-ten Mal den neuen Messias :-))) Nachdem sie damals Berlusconi auf den Leim gingen, kam kurz die Lügenmaschine Renzi & Co ,  dann kam der Komiker  Grillo , gefolgt von Salvini  und nun kommen schwärmen die Sardinen aus bereits umgeben von den Pinguinen. Programme für die Zukunft  haben weder die Sardinen  noch die Pinguine  und Italien hätte gerade das nötig.  Die Sardinen sind nur gegen Salvini ,sonst nichts und die Pinguine sind  auch in der Nahrungskette  die natürlichen Gegner der kleinen Fische die in großen Schwärmen auftreten und meist doch bis auf den letzten Fisch gefressen werden. Armes Italien

falschauer
1 Monat 13 Tage

ich kann dich beruhigen, das ist nicht nur ein italienisches, sondern ein weltweites problem….die heutigen politiker sind nur mehr ein schatten von jenen der vergangenheit und diese waren auch nicht immer das gelbe vom ei

Spiegel
Spiegel
Tratscher
1 Monat 13 Tage

Die grössten Populisten sind die SARDINEN. Vergesst nicht das dir Linken= Kommunisten mehr Menschenleben aufs Konto haben als andre. Pol Pot, Stalin Lenin usw usw usw. Man brauch nur nach Venezuela schauen da waren/sind auch Linke an der Regierung und wie geht es dem Staat? Samt den Ölreserven schlecht und das sagt alles……….

Costa
Costa
Superredner
1 Monat 12 Tage

Leicht vom Thema abgedriftet?

Spiegel
Spiegel
Tratscher
1 Monat 12 Tage

@Costa nein genau auf den Punkt gebracht!

Costa
Costa
Superredner
1 Monat 12 Tage

@Spiegel
Schön, geht das für die %-Rechnungen oben auch?

MarkusKoell
MarkusKoell
Tratscher
1 Monat 13 Tage

Wieviel Bewegungen bzw. Parteien wollen die Italiener noch gründen 😂
Liebe Italiener Qualität nicht Quantität 😉

amme
amme
Superredner
1 Monat 13 Tage

bold kimp der Benito wenns so weiter geat

Solbei
Solbei
Superredner
1 Monat 13 Tage

Sardinenfische schmeckn mir net😷😷😷😷

Rider
Rider
Tratscher
1 Monat 13 Tage

Olls träumer

Psycho
Psycho
Grünschnabel
1 Monat 12 Tage

Alles dreht sich langsam auf die rechte Seite….Die Bürger hören in den Medien nichts anderes als negative Schlagzeilen über Einwanderer…Wen wunderts?
Vor allem in den Städten.

mandorr
mandorr
Tratscher
1 Monat 11 Tage

Keine Macht den Populisten

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