In Turin und Mailand kam es zu Ausschreitungen

Ausufernder Protest gegen Mini-Lockdown in Italien

Dienstag, 27. Oktober 2020 | 12:06 Uhr

In Italien wächst der Protest gegen den “Mini-Lockdown”, den die Regierung seit Montag verhängt hat. Zahllose Menschen gingen am Montagabend in verschiedenen Städten auf die Straße, um gegen die Schließung der Lokale um 18 Uhr, sowie gegen die Dichtmachung von Kinos, Theatern und Konzerthallen zu protestieren. In Mailand und Turin kam es zu Ausschreitungen, mehrere Menschen wurden festgenommen.

In Turin wurden 15 Personen festgenommen, die Schaufenster eingeschlagen und im Stadtzentrum Geschäfte geplündert hatten. Vermummte Demonstranten bewarfen die Polizei mit Knallkörpern und anderen Gegenständen, die Sicherheitskräfte reagierten mit Tränengas. Ein Journalist wurde verletzt.

In Mailand wurde der Sitz der Region Lombardei mit Steinen, Flaschen und Knallkörpern beworfen. Ein Polizist wurde verletzt, zwei Demonstranten wurden festgenommen, berichteten italienische Medien. Im lombardischen Cremona gingen Restaurantinhaber mit Topfdeckeln auf die Straße, die sie aus Protest gegen die Einschränkungen der Gastronomie vor dem Sitz der Präfektur liegen ließen.

Tausende Demonstranten versammelten sich auf der Piazza del Plebiscito, dem Hauptplatz Neapels, und defilierten bis zum Sitz der Region Kampanien, um gegen ein nächtliches Ausgangsverbot von 23 Uhr bis 5 Uhr zu protestieren. Ein Demonstrant wurde festgenommen. Einige Restaurantinhaber trugen bei der Demonstration einen Sarg als Symbol für die “tote” Gastronomie in der Stadt. Am Freitagabend war es zu gewaltsamen Protesten in der Vesuvstadt gekommen.

Tausende Lokal-, Shopinhaber und Kleinunternehmer beteiligten sich am Montagabend im Stadtzentrum von Triest an einer Demonstration gegen die Anti-Covid-Maßnahmen. Einige Demonstranten warfen Rauchbomben gegen den Sitz der Präfektur. Getroffen wurden dabei einige Polizisten. Der Präsident der Region Friaul, Massimiliano Fedriga, und der Bürgermeister von Triest, Roberto Dipiazza, verurteilten die gewaltsamen Aktionen während einer friedlichen Demonstration. Zu Protesten kam es auch in mehreren Städten auf Sizilien, wo am Montag eine nächtliche Ausgangssperre in Kraft getreten ist.

Das Innenministerium in Rom warnte vor gewaltsamen Ausschreitungen. Bürgerdemonstrationen gegen die restriktiven Maßnahmen könnten von rechtsextremistischen, oder anarchistischen Gruppen unterwandert werden. Gewalt werde die Regierung nicht erdulden, hieß es.

Premier Giuseppe Conte hatte bei einer Pressekonferenz am Sonntag weitere restriktive Maßnahmen vorgestellt, die am Montag in Kraft getreten sind. Von Montag an müssen Bars und Restaurants ab 18.00 Uhr schließen. Maximal vier Personen dürfen an einem Tisch in Lokalen sitzen. Take-Away Dienste sind weiterhin vorgesehen. Kinos, Theater, Spielhallen, Clubs, öffentliche Sportstätten und Schwimmbäder werden ganz dichtgemacht.

Die Maßnahmen spalten jedoch die Regierungskoalition. Der Gründer der mitregierenden Partei “Italia Viva” und Expremier Matteo Renzi übte Kritik am Regierungsbeschluss, ab dieser Woche Kinos und Theater zu schließen. Es bestünde keine Ansteckungsgefahr in Kinos, Opernhäusern und Theatern, die sich streng an die Schutzvorkehrungen halten, bemängelte Renzi. Seine Parteikollegin, Landwirtschaftsministerin Teresa Bellanova, äußerte Kritik wegen des Beschlusses, Restaurants um 18 Uhr zu schließen, womit die Gastronomie stark beeinträchtigt werde. Kulturminister Dario Franceschini verteidigte die Regierungsmaßnahmen, die den Kulturbereich zu schweren Opfern zwingen. Die Schließung sei absolut notwendig, um die Epidemiekurve unter Kontrolle zu bringen und sei lediglich eine temporäre Maßnahme.

Inzwischen ist am Dienstagnachmittag eine Ministerratssitzung geplant, bei der die Regierung Stützungsmaßnahmen für die vom “Mini-Lockdown” am stärksten betroffenen Sektoren beschließen will. Sie will damit vor allem der Gastronomie, der Kultur, der Freizeitindustrie, sowie dem Sportbereich unter die Arme greifen. “Wir rechnen mit Hilfen für 350.000 Betriebe”, kündigte Vize-Wirtschaftsminister Antonio Misiani an. Der Handelsverband Confcommercio bezifferte die Verluste in Zusammenhang mit den neuen Restriktionen auf 17,5 Milliarden Euro.

Von: apa

Kommentare

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32 Kommentare auf "Ausufernder Protest gegen Mini-Lockdown in Italien"


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nero09
nero09
Tratscher
1 Monat 2 Tage

im märz hat die regierung bereits vor dem lockdown sehr großzügig mit geld herum geworfen, deshalb war die akzeptanz für den lockdown viel größer.
bis jetzt hat man uns aber immer gesagt, dass sich der staat keinen zweiten lockdown leisten kann und trotzdem läuft jetzt alles darauf hinaus. es ist klar, dass sich jetzt die akzeptanz dafür in grenzen hällt.

Lana77
Lana77
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Es Problem isch dass viele olm nou afn versprochenen Geld fen Frühjohr wortn ! Die Regierung hot zwor olm ausserposaunt wieviel sie Geld für wos a olles locker mochn, ober gsechn hobn die wenigsten bis iats eppes dorfun 🤣

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

@nero09…du bist dir aber schon darüber im Klaren, dass sich nicht nur der Staat keinen 2. Lockdown leisten kann, sondern auch die Bevölkerung. Die “Voraussetzungen” für einen 2L sind nicht vom “Staat”, sondern von den Einheimischen, Urlaubern, Gästen auf diversen Veranstaltungen/Festen, ausländischen Arbeitnehmern, Ein- und Durchreisenden etc. “geschaffen” worden…..

elvira
elvira
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

naja großzügig???

Tantemitzi
Tantemitzi
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

vielleicht weil se koan Anspruch kop hom? i kenn so einige, de is Geld SOFORT krieg hom. Wenn die letzten Steuererklärungen dementsprechend worn, noa hot man nix krieg …. do Stoot werd holt dovon ausgion, dass wenn guit vodient hosch, noa hosch eppas af die Seite gitun. Is Problem isch, dass sel lai mehr die Wenigsten tion. Es werd von der Hand in den Mund gelebt und zudem no auf großem Fuß …und wenn noa amol a Problem auftaucht noa funktionierts olls nimma im eigenen Geldbeutel.

bislhausverstond
1 Monat 2 Tage

@tantemitzi: also des isch iaz a senf…meine freindin isch alleinerziehend mit 2 kindor, uanor 16 johr und lehrling, do zwoate 11 johr. Sie im frühjohr übor 3 monat im lohnausgleich und iaz wiedor. Dor betrieb hotn net vorgstreckt, die letzte rate hotse no net krig, üborn summor hobnse miasn zu dritt von lehrlingsgeholt von bua lebn und die ratn af unbestimmte zeit auschiebn

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Überall in Europa hatten die Menschen in den vergangenen 7 Monaten die Wahl zwischen Eigenverantwortung und Einhaltung verhältnismäßig moderater Schutzmaßnahmen (AHA-Regel) und einem drohenden 2. Lockdown. Offensichtlich haben sie den blumigen Worten einiger PolitikerInnen geglaubt, dass man sich einen 2. Lockdown “nicht leisten” könne und darin einen Freibrief für weiter ungezügeltes “Partyleben” und “maskenfreies Feiern” gesehen. Damit haben sie sich und Alle ! aber auch (un) wissentlich in die Gefahr eines 2. Lockdowns begeben, den sich zwar niemand leisten kann und will, aber als Damoklesschwert über Allen schwebt.

Kinig
1 Monat 2 Tage

So viel blödsinn in einen post 😂😂😂😂

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

@Mistermah…ich wünsche mir, dir und deinen 👍 Drückern sowie allen 👎Drückern auf meinen Kommentar, dass ihr Recht behaltet. Die Worte lese ich wohl, allein mir fehlt der Glaube daran. Bleibt alle gesund und optimistisch.

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

@Mistermah..deinen “Blödsinn” habe ich “überlesen” 🤣

Savonarola
1 Monat 2 Tage

sie schreien “libertà, libertà”. Wir rufen seit nunmehr 100 Jahren nach Freiheit!

Martinus
Martinus
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage

@Savonarola
Wer denn wir?

Savonarola
1 Monat 2 Tage

@Martinus

wir hier

genau
genau
Kinig
1 Monat 2 Tage

@Martinus
Ja das frage ich mich auf.
Wen meinst du mit wir?

Du und dein Hund?

Calimero
Calimero
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

“ Mini Lockdown „ wie süß 🧚🏿‍♂️

genau
genau
Kinig
1 Monat 2 Tage

Noch ganz klein🙂

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Superredner
1 Monat 2 Tage

Vielleicht ein Lockdown Light: Viel weniger ungesund und dickmachend als ein herkömmlicher Lockdown. Komisch im Nachgeschmack. Gefällt vor allem Frauen.
Oder auch zu empfehlen:
Lockdown Zero: Wie Lockdown Light nur irgendwie moderner und cooler. Wird auch von Männern gut gefunden.
Cherry-Lockdown: Wie herkömmlicher Lockdown nur mit absolut grässlichem Kirschgeschmack.
Rum-Lockdown: Ähnlich wie ein herkömmlicher Lockdown nur mit vorherigem Besuch in einem Spirituosenladen. Genießer fügen noch einen Spritzer Zitrone dazu und erhalten so einen “Lockdown Libre”.
https://www.der-postillon.com/2020/10/lockdown-light-lockdown-zero-lockdown.html

genau
genau
Kinig
1 Monat 2 Tage

@Hustinettenbaer

😄😄

genau
genau
Kinig
1 Monat 2 Tage

@Hustinettenbaer

Ich bin für einen Lockdown Deluxe!
Lockdown Deluxe: Kinder müssen in Schule und Kindergarten. Erwachsene dürfen aber nicht arbeiten – bei vollem Lohnausgleich. Gleichzeitig haben alle Kneipen, Restaurants, Kinos und andere Vergnügungsetablissements schon vormittags geöffnet. Herrlich! Einziges Manko: Nur solange machbar, bis alle Ressourcen des Landes aufgezehrt sind.

Oder ein Openup:
Openup: Gegenteil von Lockdown. Alle Maßnahmen entfallen. Die Idee dahinter: Mittelfristig reduzieren die Menschen ihre Kontakte automatisch, wenn genug davon gestorben sind.

ITler
ITler
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Protestieren/demonstrieren ist in Ordnung aber Zerstörung fremden Eigentums ist keines Falls zu tolerieren. Plünderungen erst recht nicht!

Jiminy
Jiminy
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

ich frage mich nur wo das Militär bleibt? Daumen drehen in der Kaserne…??

Norbi
Norbi
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Friedlich demonstrieren finde  ich ok dabei wird auf etwas aufmerksam gemacht was wir Bürger nicht richtig finden. Was aber hier abgeht ist schlichtweg eine sauerei das hat mit demonstrieren nichts mehr zu sondern ist blinde Zerstörungswut und der schaden was angerichtet wird darf dann vom Bürger wieder bezahlt werden. Sollte Aktionen sollen und müssen auf das schärfte bestraft werden

Nette
Nette
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage

Tjo wenn i nix mehr zu verlieren hon und olles (meine Existenz) verloren hon und koane Unterstüzung mehr erwarten konn, gibsch du mir donn epas wenn i zu dir kim und gonz nett und höflich frog?

Nette
Nette
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage

„Noch was, der Schaden der angerichtet wird, darf vom Bürger bezahlt werden und muss aufs schärfste bestraft werden.“

Dem Bürger kann man viel zumuten, aber wenn die Grundbedürfnisse nicht mehr gegeben sind kannst ruhig nach schärferen Strafen verlangen. Es interessiert deinen Mitbürger nicht mehr.

rapunzel191
rapunzel191
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Italien kriegt echt ein problem mit seinen Bürgern 🤔

halihalo
halihalo
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage

bei einer Schließung der Gastronomie um 18 Uhr ist das vileicht nicht anders zu erwarten…viele arbeiten nicht mehr…und bei manchen geht es vileicht um die Existenz…
und das alles zum zweiten Mal

exegate
exegate
Neuling
1 Monat 2 Tage

am meisten zu denken geben die verkrüppelten Faschistenhorden, die da mitmischen… Quo vadis?

bislhausverstond
1 Monat 2 Tage

I konn des schun verstian, do geats iaz nimma um die sperrstunde, sondorn um existenzn…und wenn irgndwonn no do hungor ins spiel kimp, noar follt sowieso jede hemmschwelle

DoRiada
DoRiada
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage

Schützen ognschickn und a Ruih isch!

Gievkeks
Gievkeks
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Ich kenne keinen persönlich, der demonstriert hat. Darum weiß ich, dass es die Demos gar nicht gegeben hat.

#Querdenken

bislhausverstond
1 Monat 2 Tage

Des wor vorauszusegn und wearn tuts lei schlimmer…. Konn des olls nochvollziachn, sobold meine existenz (unverschuldet) afn spiel steat, gea i a af die barrikadn….ins sem konn mi des virus noar amol….nb: i bin KUAN corona-leugner

arturocalle
arturocalle
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage

Der Untergang Italiens geht wieder einen Schritt weiter.

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