In Papst Franziskus sieht Van der Bellen einen "Gesinnungsgenossen"

Bundespräsident Van der Bellen trifft Papst Franziskus

Montag, 13. November 2017 | 08:23 Uhr

Vorfreude ist die schönste Freude. Also reist Bundespräsident Alexander van der Bellen am Mittwoch frohgemut nach Rom, wo er am Donnerstag vom Papst empfangen wird. “Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Franziskus”, ließ Van der Bellen im Vorfeld wissen. “Ich schätze die Stellungnahmen des Papstes zu Fragen der Flüchtlingsbewegung, der Migration und der sozialen Gerechtigkeit.”

Zwar bezeichnet sich der 73-jährige Van der Bellen selbst als Agnostiker, doch trifft er mit Franziskus (80) gewissermaßen einen Gesinnungsgenossen. In der Tat liegt das aus Argentinien stammende Kirchenoberhaupt bei Themen wie “Flüchtlinge, Klimawandel und Europa”, die laut Präsidentschaftskanzlei im Vatikan auf dem Programm stehen, mit dem österreichischen Ex-Grünen-Chef eher auf einer Wellenlänge als mit manchem Christdemokraten.

So hatte Franziskus in den vergangenen Monaten des Öfteren vor den Gefahren von Diskriminierung und Ausländerfeindlichkeit in christlichen Ländern gegenüber Migranten gewarnt. Er wurde auch nicht müde, Solidarität mit Flüchtlingen einzufordern und die Abschottungspolitik Europas zu geißeln. So verglich er Flüchtlingscamps mit NS-Konzentrationslagern und erntete dafür auch Kritik.

Im Gespräch mit Vertretern katholischer Universitäten aus der ganzen Welt regte er Anfang November Initiativen an, um die Zwangsauswanderung aus Ländern in Not verhindern zu können. “Man muss auch das Recht aller Menschen garantieren, nicht auswandern zu müssen”, sagte der Papst. Katholische Universitäten sollten dank ihres internationalen akademischen Netzes die Anerkennung von Studientiteln von Migranten fördern. Dies nütze den Gesellschaften, die die Migranten aufnehmen wollen.

Der Papst urgierte zudem Studien über die tieferen Ursachen von Zwangsmigrationen mit dem Ziel, langfristige Lösungen zu finden. Wichtig sei der Beitrag der Universitäten im Bereich Bildung, Forschung und Förderung von sozialer Fairness. Katholische Universitäten sollten ihre Studenten zu einer tiefgründigen Bewertung des Migrationsphänomens anregen, riet der Papst. Dies solle in einer Perspektive von Gerechtigkeit, globaler Verantwortung und Respekt der kulturellen Vielfalt erfolgen.

Der ehemalige Universitätsprofessor Van der Bellen äußerte seinerseits bereits kurz nach seiner Angelobung im Jänner den Wunsch nach einem Treffen mit dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, das er als “herausragende, beeindruckende Persönlichkeit” bezeichnete. Im Bundespräsidentschaftswahlkampf hatte Van der Bellen mit Verweis auf Franziskus “rigoros” bestritten, dass die FPÖ seines Gegenkandidaten Norbert Hofer eine “christliche” Politik vertrete.

“Sie müssen sich nur die letzte Rede von Papst Franziskus anschauen. Er spricht da dezidiert von den Werten des Humanismus, von den Werten, die Europa ausmachen, nämlich die Begegnung der Kulturen, die der Papst vertritt und die ich auch, stelle ich zu meinem Vergnügen fest, vertrete”, sagte er im Mai 2016 in der ORF-Sendung “Wahlfahrt” mit Blick auf die Dankesrede des Papstes bei der Verleihung des Karlspreises.

Vor seiner Reise nach Rom lobte Van der Bellen, dass der im März 2013 gewählte Papst während seiner bisherigen Amtszeit zahlreiche Akzente gesetzt habe, die weit über die katholische Kirche hinaus Beachtung gefunden haben. “Persönlich beeindruckt mich auch sein bescheidenes Auftreten.” Erfreulich sei auch der Einsatz des Heiligen Stuhls für den Klima- und Umweltschutz, und damit verbunden für das Pariser Übereinkommen und dessen Umsetzung. “Mit seiner Enzyklika ‘Laudato si’ etwa hat Papst Franziskus ein kraftvolles Bekenntnis zum Klima- und Umweltschutz unter besonderer Berücksichtigung der sozialen Entwicklung formuliert.”

Van der Bellen begrüßte auch den Aufruf des Papstes, die Todesstrafe unter allen Umständen und eindeutig auszuschließen. “Die Todesstrafe steht im Gegensatz zur menschlichen Würde. Der Einsatz für ihre weltweite Abschaffung ist für Österreich und die EU von höchster Priorität”, hielt der Bundespräsident fest. “Auch beim Kampf gegen den Menschenhandel, beim Dialog der Religionen und Kulturen sowie bei der Friedenspolitik besteht traditionell eine gute Zusammenarbeit mit dem Heiligen Stuhl.”

Es handle sich dabei um “sehr wichtige Signale für uns, unabhängig, ob man der katholischen Religionsgemeinschaft angehört oder nicht”, so Van der Bellen. Das zeige sich auch beim Einsatz des Heiligen Stuhls für das Zustandekommen des Vertrags zum Verbot von Nuklearwaffen. Am Wochenende fand im Vatikan eine Anti-Atom-Konferenz mit Vertretern der Militärallianz NATO und der Vereinten Nationen statt.

In Begleitung seiner Ehefrau Doris Schmidauer wird Van der Bellen am Donnerstag um 10.00 Uhr im Vatikan von Franziskus zur Audienz empfangen. Im Anschluss an die Papstaudienz findet ein Austausch mit dem vatikanischen Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin statt. Danach fährt der Bundespräsident zum Päpstlichen Institut “Collegio Teutonico di Santa Maria dell’Anima”, das vom Österreicher Franz-Xaver Brandmayr geleitet wird.

Rektor Brandmayr wird eine Führung durch den größtenteils im 14. Jahrhundert errichteten Komplex leiten, der den Sitz der deutschsprachigen katholischen Gemeinde in Rom und das zugehörige Priesterkolleg umfasst. Am Nachmittag folgen Führungen durch den Petersdom, die Sixtinische Kapelle und die Vatikan-Bibliothek, wo die Austriaca im Mittelpunkt stehen.

Am frühen Donnerstagabend kommt Van der Bellen dann zum Sitz der mit dem Vatikan eng kooperierenden katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio in Trastevere. Er trifft dort mit dem Leiter der laut Kathpress stark in der Flüchtlingspolitik engagierten Gemeinschaft, Marco Impagliazzo, sowie mit Gründer Andrea Riccardi und Generalsekretär Cesare Zucconi zusammen. Dabei soll es auch zu einer Begegnung mit Flüchtlingen kommen, die von der Gemeinschaft betreut werden.

Am Freitag steht für den Bundespräsidenten der Souveräne Malteser Ritterorden im Fokus. Bei seinem offiziellen Besuch wird Van der Bellen von Großkanzler Albrecht Freiherr von Boeselager in der Magistralvilla des Ordens auf der Piazza di Cavalieri di Malta begrüßt. Boeselager wird dabei die humanitären Aktivitäten präsentieren. Um 12.00 Uhr steht ein Gespräch mit dem Statthalter des Großmeisters Fra Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto auf dem Programm.

Dieser ist derzeit das temporäre Oberhaupt des Malteserordens, nachdem Großmeister Matthew Festing im Jänner 2017 – nach einem Konflikt mit dem Papst um die von Festing durchgeführte Absetzung von Großkanzler Albrecht von Boeselager – zurückgetreten war. Der Orden will Van der Bellen vor allem seine internationalen humanitären Aktivitäten vorstellen.

Von: apa

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