Bartoli wirft sich bei ihrem szenischen Staatsopern-Debüt ins (bunte) Zeug

Cecilia Bartoli bei szenischem Staatsopern-Debüt umjubelt

Montag, 04. Juli 2022 | 05:10 Uhr

Die sommerliche Extrawoche in der Wiener Staatsoper hat am Sonntag ihren unterhaltsamen Höhepunkt erreicht: Rossinis “Il Turco in Italia” als Gastspiel der Oper von Monte Carlo präsentierte sich Starvehikel für Cecilia Bartoli. Flockig, locker, jedoch ohne allzu mitreißenden Zug ist dieses Herzstück der “Rossinimania” benannten Residenz der Monegassen unter ihrer künftigen künstlerischen Leiterin Cecilia Bartoli. Und diese feierte damit ihr szenisches Debüt im Haus am Ring.

Aber nicht nur das persönliche Debüt der 56-Jährigen, das am Sonntagabend von der versammelten Fangemeinde frenetisch gefeiert wurde, ist der Carte blanche zu verdanken, die Staatsopern-Chef Bogdan Roščić Bartoli gegeben hat. Die Italienerin in Wien brachte mit dem Türken in Italien auch ein Werk an den Ring, das hier einzig 1962 bei einem Gastspiel gegeben wurde, sich aber nicht im Repertoire befindet.

Warum dies so ist, wurde am Abend allerdings auch deutlich. Jean-Louis Grinda lässt sich bei seiner Inszenierung Zeit, die Spielfreude vom Stapel zu lassen. Erweckt das Setting in der Hinterbühne eines Theaters in ihrer Statik anfangs den Eindruck eines semikonzertanten Abends, bricht der Monegasse dies zusehends auf, setzt auf charmante Einfälle. Der Dichter Prosdocimo (Giovanni Romeo) leitet gleich Prospero samt Albazar (David Astorga) als seinem Ariel das Geschehen, dessen Figuren mittels Laufband ein- und ausfahren.

Und doch stellen die beiden Stars Bartoli und Ildebrando D’Arcangelo als flirtendes Paar Fiorilla und Selim den Kern dieses Abends. Dass die beiden eher im 2. Frühling sind, macht man mit Charme wett, sind beide doch legendäre Bühnentiere. Da schwingt Bartoli zum Bauchtanz die Hüften oder raucht D’Arcangelo Shisha, während Gianluca Capuano am Pult der Musiciens du Prince-Monaco den Sängern ganz die Bühne überlässt.

Am Ende bleibt dennoch zu konstatierten, dass dieser “Turco in Italia” vermutlich kein neuerliches Rossini-Fieber in Wien auslöst wie anno 1822, als der Komponist an der Donau gefeiert wurde. Aber für den Spaß an einer sommerlich-leichten Inszenierung vor dem Saisonende, dafür reicht’s.

Von: apa

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