Bezirksvorsteher Markus Figl wünscht sich eine Lösung wie in Mailand

Citymaut in Wien – In vielen italienischen Städten Realität

Mittwoch, 25. Juli 2018 | 08:47 Uhr

Während in Wien die Debatte über Citymaut und mögliche Einfahrtsbeschränkungen zur Innenstadt im Gange ist, sperren immer mehr italienische Städte und Gemeinden ihren Stadtkern für den Verkehr oder schränken ihn zu bestimmten Tageszeiten ein. Italien ist europaweit das Land mit den meisten verkehrsbeschränkten Zonen.

Angestoßen hat die Debatte in Wien Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne). Sie brachte Ende Mai die Idee einer Citymaut ab der Stadtgrenze für Einpendler in die Hauptstadt aufs Tapet, um den einströmenden Autoverkehr zu dezimieren. Die Idee stieß in Niederösterreich und Burgenland auf Ablehnung, auch die Wiener SPÖ als Koalitionspartner zeigte sich skeptisch. Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) begrüßte den Vorschlag indes und verwies auf italienische Städte, wo sich das Modell bewährt habe.

Wie sieht es in Italien nun tatsächlich aus? Im südlichen Nachbarland gibt es in nahezu allen Metropolen und touristisch bedeutenden Städten verkehrsberuhigte Sektoren, die als “Zone a traffico limitato” (ZTL) ausgewiesen sind. Die Zonen, die mit einem Fahrverbotsschild gekennzeichnet sind, dienen zur Bekämpfung von Staus und Umweltverschmutzung. Mit der Einführung einer Citymaut lösen immer mehr italienische Städte aber auch ihre Geldprobleme. Den Kommunen fehlen Einnahmen und Mautsysteme bringen Geld, zum Teil auch dank der saftigen Strafen wegen unerlaubten Einfahrens ins Zentrum.

Die Dimension einer ZTL wird von jeder Gemeinde bestimmt. Begrenzt wird sie durch eine Reihe von “Einfahrtstoren”, die von Computersystemen überwacht werden. Sie registrieren automatisch die Nummernschilder aller durchfahrenden Fahrzeuge. In vielen Städten sind Mopeds und Motorräder von der Regelung ausgenommen. Es gibt auch oft Ausnahmen für Reisende mit Behinderung. In kleineren Gemeinden wird die Zufahrt durch die Polizei kontrolliert.

Oft schlecht ausgeschildert, gingen die italienischen ZTL seit ihrer Einführung mehrfach als “Touristenfalle” durch internationale Medien. Denn die Einfahrt in die ZTL ohne Einfahrtgenehmigung kann teuer zu stehen kommen: Die Höhe der Strafe schwankt zwischen 81 und 326 Euro. Wenn man ohne Genehmigung in eine ZTL einfährt und dort auch parkt, zahlt man gleich doppelt.

Der Versuch, Autofahrer aus den Zentren der Stadt zu drängen, ist in Mailand gelungen. Hier sind die Einfahrtsbeschränkungen besonders streng. Der Citymaut-Bereich entspricht dem Innenstadtkern. Eine solche Lösung wiederum wünscht sich der Bezirksvorsteher der Wiener Innenstadt, Markus Figl (ÖVP). Er hat unlängst die Verkehrskommission des Bezirks damit beauftragt, Konzepte für Zufahrtsbeschränkungen für die City zu erarbeiten. In Mailand muss diese Gebühr online, per SMS, bei Bankautomaten oder an den Parkometern gezahlt und dann eigens mit dem Nummernschild aktiviert werden. Sie kostet fünf Euro pro Tag. Die Verkehrseinschränkungen gelten wochentags von 7.30 bis 19.30 Uhr. Alternativ zu den Maut- und Parkgebühren in der Innenstadt ist für viele Pendler das Parken außerhalb des Rings und die Weiterfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kostengünstiger geworden, was stark zur Reduzierung des Verkehrs in der Mailänder Innenstadt beigetragen hat.

Die verkehrsberuhigte Zone (ZTL) von Rom erstreckt sich über 4,2 Quadratkilometer und besteht aus drei verschiedenen Bereichen. Sie dient dazu, das immense historische und archäologische Erbe der Ewigen Stadt vor dem städtischen Verkehr zu schützen und die Luftverschmutzung einzudämmen. Für den allgemeinen Verkehr ist die ZTL-Zone montags bis freitags von 6.30 bis 18.00 Uhr nicht zugänglich, samstags von 14.00 bis 18.00 Uhr. Feiertage sind ausgenommen. Im August ist die verkehrsberuhigte Zone des historischen Zentrums nicht aktiv. Motorräder, Mopeds und Elektrofahrzeuge sind in dieser Zone erlaubt. Es gibt auch eine spezielle Genehmigung für alle Einwohner, einige Arbeitnehmer, Taxis und bewegungsbehinderte Menschen.

Motorisiert reisende Touristen, die in einem Hotel innerhalb einer ZTL-Zone übernachten, müssen sich beim Hotel über zeitweilige Einfahrtsgenehmigungen informieren. Die Gültigkeit der Genehmigung kann von Stadt zu Stadt variieren. In den meisten Fällen muss das Fahrzeug während des Aufenthalts im privaten Hotel-Parkhaus oder außerhalb der ZTL abgestellt werden. Streng sind in Rom auch die Regeln für touristische Busse. Seit 2014 können Busse mit Einstufung Euro 1, Euro 2, Euro 3 ohne eingebauten Filter nicht mehr in das Stadtzentrum einfahren.

In Bologna wurden auf 820 Hektar der Stadtfläche sogenannte Umweltinseln und zusätzliche Tempo-30-Zonen eingerichtet. Die historische Innenstadt darf von Sonntag bis Freitag in der Zeit von 7.00 bis 20.00 Uhr nur von Fahrzeugen mit entsprechender Ausnahmegenehmigung befahren werden.

Die Einhaltung der ZTL-Zone wird überwacht mit Kameras und durch Zugangstarife für Ausnahmeregelungen. Intelligente Verkehrsampeln, ein zusätzlicher Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der Radwege haben in den vergangenen Jahren zu einer Verbesserung der Verkehrslage in der Stadt beigetragen.

Trotz der starken Verkehrseinschränkungen bleiben die Italiener ihrem Privatfahrzeug treu. Mit 51 Millionen Fahrzeugen für insgesamt 60 Millionen Einwohner zählt Italien zu den am stärksten motorisierten Ländern der Welt. Laut den aktuellen Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat besitzen 625 von 1.000 Italienern ein Auto.

Von: apa

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Grünschnabel
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