Conte will Italien weitgehend herunterfahren

Conte schließt nicht lebenswichtige Produktion in Italien

Sonntag, 22. März 2020 | 09:16 Uhr

Die italienische Regierung lässt im Zuge der Coronavirus-Pandemie alle nicht lebensnotwendigen Produktionsaktivitäten schließen. Davon seien unter anderem Supermärkte, Banken, Post und Apotheken ausgeschlossen, sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte am Samstagabend. Die bis 3. April geltende Verordnung tritt am Montag in Kraft.

Conte sprach von der “größten Herausforderung nach dem Zweiten Weltkrieg”. “Wir haben beschlossen, jede produktive Tätigkeit zu schließen, die nicht entscheidend und unerlässlich dafür ist, uns essenzielle Güter und Dienstleistungen zu garantieren.”

Dies sei “ein notwendiges Opfer” im Kampf gegen die Epidemie und zur Rettung von Menschenleben, schrieb der italienische Wirtschaftsminister Roberto Gualtieri auf Facebook. “Wir werden Arbeitnehmer und Unternehmer unterstützen, damit die Wirtschaft neu starten kann. Zusammen werden wir es schaffen”, versicherte Gualtieri.

Vom Produktionsstopp ausgenommen sind die Lebensmittel- und Pharmaproduktion, die Logistik- und Transportbranche und der Mediensektor. Auch die Landwirtschaft sowie die Ölproduktion bleiben aktiv. Von der Maßnahme betroffen sind vor allem breite Sektoren der öffentlichen Verwaltung.

Unterdessen bemüht sich die italienische Regierung auch, das schwer belastete Gesundheitssystem in der Lombardei zu unterstützen. Die Aufforderung des Zivilschutzes an Italiens Ärzte, sich freiwillig einer Taskforce zur Unterstützung des im Kampf gegen das Coronavirus besonders betroffenen lombardischen Gesundheitssystems anzuschließen, stößt nicht auf taube Ohren. 7.220 Formulare italienischer Ärzte, die der Taskforce beitreten wollen, sind bereits beim Zivilschutz eingetroffen, wie die italienische Regierung berichtete. “Das ist eine unglaubliche Antwort”, schrieb Regionenminister Francesco Boccia auf Facebook.

Das italienische Gesundheitssystem bekommt indes auch aus dem Ausland Hilfe. Kuba hat am Sonntag ein Ärzteteam nach Italien geschickt, das die italienischen Kollegen bei ihrem Kampf gegen das Coronavirus unterstützen soll. Die 52 Ärzte und Krankenpfleger sollten in der Lombardei, dem aktuellen Brennpunkt der Coronavirus-Krise, eingesetzt werden, teilte das Gesundheitsministerium in Havanna mit.

Das Land hatte am Samstag an nur einem Tag fast 800 Tote vermeldet und damit so viele wie nie seit dem Ausbruch des Virus im Land. Bisher starben 4.825 Menschen, teilte der Zivilschutz in Rom mit. Das sind 793 mehr als am Vortag. Besonders stark betroffen ist die nördliche Region Lombardei, wo das Virus Ende Februar ausgebrochen war und die Krankenhäuser mittlerweile vor dem Kollaps stehen.

Italien ist das Land mit den meisten offiziell gemeldeten Toten wegen des Coronavirus auf der Welt. Die Regierung hatte daher erst am Freitag die Ausgangssperren verschärft, die seit dem 10. März landesweit gelten. Allerdings forderten Regionalpolitiker im Norden weitere Maßnahmen, auch weil sich einige Menschen immer noch nicht an die Auflagen halten. In der Lombardei war der Ausbruch vor einem Monat bemerkt worden. Bisher waren zum Beispiel viele Fabriken und Büros noch geöffnet, in die die Menschen zur Arbeit gingen.

Von: APA/dpa