Reproduktionswert sank von 1,7 auf 1,4

Corona – Trotz Neuinfektions-Rekord Hoffnung auf Besserung in Italien

Samstag, 14. November 2020 | 07:35 Uhr

Trotz eines neuen Höchststandes der Corona- Neuinfektionen in Italien scheinen die Maßnahmen der Regierung zu wirken. Laut Gesundheitsministerium sank der Reproduktionswert von 1,7 auf 1,4, teilte der Experte der Behörde, Giovanni Rezza, am Freitagabend mit. Der R-Wert zeigt an, wie viele Menschen eine infizierte Person im Schnitt ansteckt. Besorgniserregend sei jedoch der Anstieg der Zahlen der Covid-19-Patienten in Krankenhäusern und auf Intensivstationen.

Unterdessen verzeichnete Italien am Freitag einen neuen Höchstwert von knapp 41.000 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden. In dieser Zeit starben 550 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19. Insgesamt wurden in Italien damit etwas mehr 1,1 Millionen Fälle nachgewiesen. Mehr als 44 000 Menschen starben bereits mit dem Coronavirus. Aktuell liegen etwa 3200 Corona-Patienten den Angaben zufolge auf der Intensivstation.

Regierungschef Giuseppe Conte hatte sich zuvor optimistisch geäußert, dass der R-Wert sinken werde. “Ich vertraue darauf, dass sich der landesweite Reproduktionswert (…) heute vermindert haben wird”, sagte er bei einer Veranstaltung des italienischen Gewerkschaftsbundes (CGIL). Das würde bedeuten, dass die Maßnahmen, die im Kampf gegen die Pandemie getroffen wurden, Wirkung gezeigt hätten. Zudem deutete er weitere Veränderungen für einzelne Regionen an.

Am Abend wurde bekannt, dass Kampanien in Süditalien und die Toskana zu Roten Zonen werden, wie Italiens Gesundheitsminister Roberto Speranza auf Facebook schrieb. Zudem würden die nördlicher gelegenen Regionen Emilia-Romagna und Friaul-Julisch Venetien sowie die Marken im Osten des Landes in die Kategorie der mittleren Risiko-Zonen (orange) eingeteilt. “Es gibt keinen anderen Weg, um die Zahl der Todesfälle zu reduzieren und die Ansteckungen zu verringern”, schrieb Speranza in seinem Post.

Die Regierung in Rom hatte das Land mit rund 60 Millionen Einwohnern in der vergangenen Woche in drei Zonen eingeteilt – gelb, orange und rot. Für den überwiegenden Teil der italienischen Regionen gelten strenge Beschränkungen. In den sieben Roten Zonen, in denen etwa Bozen-Südtirol und die wirtschaftsstarke Lombardei liegen, herrscht gewissermaßen ein Lockdown. Hier müssen die Menschen weitgehend zu Hause bleiben, außer um etwa zur Arbeit oder zum Arzt zu gehen.

In der mittleren Risikozone (orange), zu der die Insel Sizilien oder Umbrien in Mittelitalien gehören, sind Einkaufszentren, Bars und Museen geschlossen. Die Menschen dürfen ihre Region nur unter Angabe von bestimmten Gründen verlassen. Die Hauptstadt Rom, die zu Latium gehört, zählt zur Gelben Zone. Hier sind Bars und Geschäfte noch mit Einschränkungen geöffnet. Es herrscht jedoch eine Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr.

Unterdessen hatten die Regionen Emilia-Romagna, Friaul-Julisch Venetien und Venetien selbst weitere Verschärfungen erlassen, wie die Zeitung “Corriere della Sera” berichtete. Beispielsweise sollen dort in Supermärkten in den ersten zwei Stunden nach Öffnung nur Menschen über 65 Jahren einkaufen dürfen.

Von: dpa