Regierung startet europäische Ausschreibung für den Erwerb

Coronavirus: Italien will drei Millionen Schulbänke kaufen

Dienstag, 21. Juli 2020 | 09:35 Uhr

Die italienische Regierung kämpft gegen die Zeit, um nach der mehrmonatigen Coronavirus-Pause am 14. September die Wiedereröffnung der Schulen zu ermöglichen. Ab Herbst sollen die Schüler auf Einzelbänken in den Klassen sitzen. So startet Italien jetzt eine europäische Ausschreibung für den Erwerb von drei Millionen Schulbänken, die Hälfte davon sollen Einzelbänke sein.

Das Unternehmen, das den Auftrag erhält, muss die Bänke bis zum 31. August liefern, kündigte die Regierung in Rom an. Diskutiert wird über die hohen Kosten. Man schätzt, dass jede Einzelbank bis zu 300 Euro kosten wird. Der Konsumentenschutzverband Codacons reichte im Parlament einen Antrag ein, um festzustellen, ob angesichts der sinkenden Zahl von Coronavirus-Infektionsfällen die vorgesehenen Ausgaben für die Bänke wirklich notwendig seien.

Seit dem 5. März sind die Schulen in Italien geschlossen. Bis zum Ende des Schuljahres Mitte Juni wurde lediglich Fernunterricht angeboten. Auch Kindergärten sollen im September neu starten und zwar mit mehr Personal, versicherte Bildungsministerin Lucia Azzolina. “Kinder haben in der Zeit des Lockdowns gelitten. Es ist wichtig, dass die Schulen mit voller Sicherheit wieder öffnen können”, sagte die Ministerin.

Die Zahl der Kinder pro Klasse soll reduziert werden, geht aus Plänen der Regierung hervor. Viele Klassenzimmer könnten zu klein werden, die Schulen müssen daher zusätzliche Räume finden. Die Suche nach zusätzlichen Räumen für Klassen mit maximal 15 Kindern sei voll im Gange, erklärte Azzolina. Wegen der Platznot in den Schulen könnte der Unterricht auch in Kinos, Theatern und Museen stattfinden, meinte die Ministerin. Ihr Vorschlag löste rege Diskussionen aus.

Die Regierung denkt auch an einen gestaffelten Ein- und Austritt in den Schulen. Der Austausch unter den Klassen soll stark eingeschränkt werden. Auf umstrittene Pläne, wie Plexiglas-Wände um die Schulbänke aufzustellen, hat die Regierung von Premier Giuseppe Conte inzwischen verzichtet. So werden Kinder auch keinen Mundschutz tragen müssen. Schulkantinen sollen wieder öffnen. Fernunterricht wird weiterhin aufrechterhalten, aber nur für ältere Schüler.

Die italienischen Schulen, die am 5. März nach Ausbruch der Coronavirus-Epidemie geschlossen worden waren, sollen am 14. September wieder öffnen. Einzige Ausnahme ist Südtirol, wo der Unterricht bereits am 7. September beginnen wird. Südtirol hält am eigenen Schulkalender fest.

Von: apa