Familienministerin: "Viele Opfer haben Angst, Misshandlungen anzuzeigen"

Coronakrise: Italiens Frauenverbände wegen häuslicher Gewalt besorgt

Mittwoch, 25. März 2020 | 15:30 Uhr

In Zeiten der Ausgangssperre sind italienische Frauenverbände wegen der Gefahr häuslicher Gewalt besorgt. Für einen Eklat sorgte zuletzt der Fall eines im Raum von Padua lebenden Mazedoniers, der unter Hausarrest gestellt wurde, nachdem er am Ende eines Streits seine Frau mit einem Teigholz angegriffen und sie verletzt hatte. Die Frau wurde mit Frakturen ins Spital eingeliefert.

Der Rechtsanwalt Carmen Posillipo berichtete von der Misshandlung einer Mandantin, Mutter von drei Kindern, die von ihrem Ehemann geschlagen wurde. “Wäre nicht mein Schwager gewesen, der im selben Gebäude wohnt, wäre ich jetzt tot”, berichtete ihm die Frau. “Misshandelte Frauen sind in Zeiten der Coronavirus-Krise zweimal Opfer”, schrieb der Anwalt.

Die italienische Familienministerin Elena Bonetti berichtete, dass die Anti-Gewaltzentren für Frauen seit Beginn der Epidemie einen Rückgang bei den täglichen Hilfe-Anrufen um bis zu 50 Prozent gemeldet haben. “Dieser Rückgang ist besorgniserregend: Viele Frauen haben vor allem in diesen Zeiten Angst, Misshandlungen anzuzeigen. Dabei funktionieren die Anti-Gewalt-Hotlines weiter”, sagte Bonetti.

Die italienische Senatorin, Valeria Valente, postete ein Video, um Frauen, die Opfer von Gewalt sind, aufzurufen, trotz Quarantäne sich bei der Polizei zu melden. “Um familiäre Tragödien zu verhindern, müssen viele Strukturen für Frauen wieder geöffnet werden, die wegen der Ausgangssperre schließen mussten”, sagte Valente.

“Die derzeitige Situation des erzwungenen Zuhausebleibens aufgrund der Covid-Epidemie ist der ideale Nährboden für Gewaltvorfälle. Frauen müssen darin bestärkt werden, die Hilfe eines Rechtsbeistandes oder der Ordnungskräfte in Anspruch zu nehmen und ein Gewaltschutzverfahren einzuleiten”, schrieb die Südtiroler Senatorin Julia Unterberger in einer Presseaussendung.

Die Einrichtung neuer Häuser zum Schutz von Frauen sei laut Unterberger der “falsche Weg und vor allem die falsche Botschaft”. “Wenn schon, sollen Strukturen und ein Anti-Gewalttraining für die Täter vorgesehen werden. Die gewaltbetroffenen Frauen müssen hingegen in ihren Wohnungen bleiben dürfen”, so die Parlamentarierin.

Von: apa

Kommentare
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Don Bass
Don Bass
Superredner
2 Monate 1 Tag

War zu erwarten. Der Hausarrest schlägt auf die psychische Gesundheit!

Alle Frauen die der Meinung sind, ihr Partner könnte irgendwann ausrasten: Geht mit ihm zu einer Therapie und holt euch Rat von Fachleuten. Wenn er sich weigert, sucht euch nen anderen.

Andersrum gilt das natürlich genauso.
Ich weiß persönlich von einem Alkoholikerpärchen, wo sie ihn regelmäßig verdrischt. Das ist nicht weniger schlimm.

heinold
heinold
Tratscher
2 Monate 15 h

Da das Halten wilder Tiere
gesetzlich verboten ist und die 
Haustiere mir kein Vergnügen machen
bleibe ich lieber ledig!

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