Druck auf die Regierung in Rom für eine stärkere Lockerung der Vorsichtsmaßnahmen

Italiens Regionen fordern mehr Freiheit

Samstag, 09. Mai 2020 | 11:30 Uhr

Viele italienische Regionen wollen Südtirols Beispiel in der Coronakrise folgen und machen Druck auf die Regierung in Rom für eine stärkere Lockerung der Vorsichtsmaßnahmen. So fordern sie, dass Kleinhandel, Tourismus und Gastronomie, die erst am 1. Juni neu starten sollen, früher öffnen können. Die Regionen plädieren für ein geografisch gestaffeltes Vorgehen.

Einige Regionen wie Südtirol haben einzelne Vorschriften bereits im Alleingang gelockert. Dank seiner Autonomie erlaubt Südtirol sofort dem gesamten Einzelhandel, allen Produktionstätigkeiten von Industrie, Handwerk und Handel sowie Sozialdiensten, ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen. Am Montag folgen sämtliche Dienstleistungen, darunter auch Friseure und Schönheitspfleger, aber auch die Gastronomie, der Kunst-, Kultur- und Museumsbetrieb samt Bibliotheken und Jugendzentren.

Nachdem in Kärntens Nachbarregion Friaul Julisch Venetien am Freitag erstmals seit dem 8. März keine Covid-19-Todesfälle gemeldet worden waren, drängte der Präsident der Region, Massimiliano Fedriga, die Regierung zu einer sofortigen Wiedereröffnung des Kleinhandels. Ab dem 18. Mai sollten Regionen frei beschließen können, alle Produktionstätigkeiten wieder aufzunehmen, forderte Fedriga.

Die Regionen wollen von ihrer Autonomie Gebrauch machen, um sich den Regeln der Regierung zu widersetzen, die erst am 1. Juni einen Neustart von Kleinhandel, Tourismus und Gastronomie erlauben und die Lockerung der Vorsichtsmaßnahmen von der Entwicklung der Pandemiekurve abhängig machen will. So erlauben die Abruzzen Friseuren und Schönheitssalons die Arbeit schon ab 18. Mai. Die Regionalpräsidenten argumentieren, dass es in Italien große Zonen gebe, in denen kaum Neuinfektionen registriert würden.

Der Präsident der Toskana, Enrico Rossi, forderte für kleine Einzelhändler die Genehmigung zur schnellen Öffnung. Venetiens Präsident Luca Zaia betonte, dass seine Region schon vor dem 18. Mai zum Neustart bereit sei. Dies sei vor allem für den Tourismus wichtig. An diesem Tag sollen weitere Lockerungsmaßnahmen ergriffen werden – Museen, Archive und Bibliotheken sollen wieder zugänglich sein. Der Konsumentenschutzverband Codacons rief die Regierung zum sofortigen Neustart von Handwerkershops und Gastronomie auf.

Inzwischen feilt die Regierung noch am milliardenschweren Hilfspaket zur Stützung der von der Krise am stärksten betroffenen Sektoren. Das Hilfspaket enthält unter anderem 1,5 Milliarden Euro zur Stärkung des lokalen Gesundheitssystems. 2,1 Milliarden Euro werden der Neuorganisierung des Systems der Intensivtherapien dienen, damit italien-weit strukturell 3.625 Bettplätze garantiert werden können. Das sind 70 Prozent mehr als in der Zeit vor der Pandemie. Der Bonus für berufstätige Eltern für Babysitting-Kosten soll 1.200 Euro betragen. 150 Millionen Euro werden für das Medien- und Verlagswesen und für Museen zur Verfügung gestellt.

Von: apa

Kommentare

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5 Kommentare auf "Italiens Regionen fordern mehr Freiheit"


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offnzirkus
offnzirkus
Tratscher
20 Tage 5 h
Boccia erwägt mit 18. mai noch einmal zögerliche lockerungen zuzulassen. Wenn der sich selber reden hören würde dann käme ihm das grausen. Wenn die regionen, vor allem südtirol, sich nicht wehren würden dann stünden wir auch noch ende juni im totalen lockdown. Jeden tag wird am sogenannten hilfspaket hin und hergezerrt, ein bisschen ausgebessert da, ein wenig dort und ständig angekündigt wie stark es ist dieses verfluchte hilfspaket. Derweil verzweifeln familien und betriebe, arbeiter, die immer noch auf das geld vom lohnausgleich warten und sich kaum das notwendigste leisten können. Das nenne ich eine reife leistung, herr Conte. Wenn sie… Weiterlesen »
Neumi
Neumi
Kinig
20 Tage 8 h

Dieses in ganz Italien gleich vorgehen war kurzfristig notwendig, als die Verteilung noch nicht klar war, hätte aber schon vor Wochen beendet werden müssen. Es ist nun halt mal nicht so, als ob die Lage in ganz Italien gleich wäre. Und irgend jemand wird den Wiederaufbau in den am stärksten betroffenen Regionen finanzieren müssen.

Guenni
Guenni
Universalgelehrter
20 Tage 7 h

Das wird schwierig. Glaube nicht, dass sich Rom das Heft des Handelns so einfach aus der Hand nehmen lässt.

kaisernero
kaisernero
Superredner
20 Tage 5 h

zwoa loch punkte wos mi biag
1. “””milliardenschweren Hilfspaket”””……
2. “””pandemie kurve”””

Nobodyisperfect
Nobodyisperfect
Tratscher
19 Tage 16 h

„Bonus Babysitting Covid-19“ ich glaube Conte dreht jetzt völlig durch, ich hoffe jemand erlöst uns von diesem Virus. Wenn sich nur einer von unseren Politikern die Mühe über den Ablauf des Gesuchsverfahren erkundigt hätte, dann würde sofern der Hausverstand vorhanden ist, verstehen dass keine oder nur sehr wenige davon Gebrauch machen können. Es ist schon traurig genug die Familie in eine solche solche Situation zu bringen, aber jetzt solche Unterstützung anzubieten ist eine Schande. Leute, Familien steht auf, wehrt Euch, die Politik die ihr gewählt hat steht nicht auf Eurer Seite.

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