Paar aus Italien in Quarantäne

Coronavirus nun auch in Österreich – Elf Tote in Italien

Mittwoch, 26. Februar 2020 | 01:00 Uhr

Das Coronavirus ist in Österreich angekommen: In Tirol hat sich am Dienstag bei einem aus Italien stammenden Paar der Verdacht bestätigt. Die Infizierten befinden sich in Quarantäne. In Italien selbst stieg die Zahl der Todesopfer auf elf. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sagte nach einem Krisentreffen mit Amtskollegen in Rom, dass es keine Schließung der Grenze zu Italien geben werde.

Am frühen Abend wurden ein Hotel nahe der Innenstadt von Innsbruck – der Arbeitsplatz der Frau – und die Wohnstätte der Italienerin in der Landeshauptstadt behördlich gesperrt. Dies geschehe, um mögliche Kontaktpersonen zu eruieren “und alle notwendigen Abklärungen vorzunehmen”, hieß es von Landesseite. “Die Sicherheit und die Vorsorge sind nun unser oberstes Gebot. Die Behörden sind in enger Abstimmung mit den Gesundheitseinrichtungen sowie der Arbeitsstätte der Frau”, sagte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP).

“Wir wollen in den nächsten Tagen und Wochen eng mit Italien zusammenarbeiten, um eine Begrenzung der Infektionen zu erreichen. Eine Grenzschließung haben wir ausgeschlossen, weil diese Maßnahme nicht angebracht wäre”, sagte Anschober nach einem Treffen mit mehreren europäischen Amtskollegen in Rom. Er wies darauf hin, dass die jüngsten Infektionsfälle in Tirol, der Schweiz und Frankreich einen Bezug zur Lombardei hätten. “Es war zu befürchten, dass es auch in Österreich zu Infektionsfällen kommen würde. In den beiden Fällen in Tirol gibt es einen klaren Bezug mit der Lombardei. Man kann keinen Glassturz über Österreich errichten.”

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) berichtete, dass um 19.00 Uhr im Innenministerium neuerlich der Einsatzstab aller zuständigen Akteure zusammengetreten sei. Es bestehe weiterhin kein Grund zur Panik. “Nun treten die lange vorbereiteten Maßnahmen in Kraft und werden sorgfältig abgearbeitet, um auch weiterhin die Sicherheit der Österreicherinnen und Österreicher zu gewährleisten”, sagte er.

Neben Österreich meldeten am Dienstag weitere Staaten einen ersten Infektionsfall. In der Schweiz wurde der erste Fall im Tessin festgestellt, einem an drei Seiten von der Lombarbei umschlossenen Kanton. Der erste kroatische Fall wurde bei einem Mann diagnostiziert, der sich am Wochenende in Mailand aufgehalten hatte. Auch in Algerien wurde erstmals Coronavirus festgestellt, und zwar bei einem in der Vorwoche eingereisten Italiener.

In Italien wurden am Dienstag vier weitere Todesfälle gemeldet, drei in der Region Lombardei und einer in Venetien. Die Tote in Venetien war eine 76-jährige Frau aus Treviso. In der Lombardei starben drei Personen über 80 Jahren. Damit sind mittlerweile elf Menschen in Italien am Coronavirus gestorben, die Zahl der Infizierten kletterte auf 322.

Erstmals wurde auch eine Erkrankung südlich von Rom registriert. Eine Frau auf Sizilien sei positiv getestet worden, teilt die Regionalverwaltung mit. Die italienischen Gesundheitsbehörden bestätigten am Dienstagabend auch die Infektion eines 31-jährigen Südtirolers, der sich in der Lombardei aufgehalten hatte. Frankreich meldete zwei weitere Verdachtsfälle. Dabei handelte es sich um eine junge Chinesin und einen Franzosen, der zuvor in der Lombardei gewesen war.

Auch in anderen Teilen der Welt nahmen die Furcht vor einer unkontrollierten Ausbreitung des Erregers zu. Die US-Regierung will 2,5 Milliarden Dollar (2,31 Mrd. Euro) zur Bekämpfung der Epidemie bereitstellen. In China, wo der Ursprung der Ansteckungswelle liegt, stieg die Zahl der Virus-Toten am Dienstag um 71 auf 2.663 an. Den Behörden wurden 508 neue Infektionen gemeldet. Damit sind in der Volksrepublik knapp 77.700 Menschen erkrankt.

Die Verbreitung des Virus in Italien hat offenbar zu massiven Preiserhöhungen für Hygienemasken und Desinfektionsmittel geführt. Deswegen werde eine Untersuchung eingeleitet, sagte die stellvertretende Mailänder Chefanklägerin Tiziana Siciliano zu Reuters. “Der Preis für Atemschutzmasken im Internet ist von einem Cent auf zehn Euro gestiegen, und eine Ein-Liter-Flasche Desinfektionsmittel, die vorige Woche um sieben Euro im Handel war, kostete gestern bis zu 39 Euro.”

Auch ein am Montagabend in Spanien publik gewordener Fall hat einen italienischen Bezug. Ein italienischer Arzt erkrankte während seines Urlaubs auf der Ferieninsel Teneriffa. Sein Hotel wurde am Dienstag abgeriegelt. Alle rund 1.000 Urlauber – darunter laut Außenministerium ein Paar aus Österreich – und die Angestellten des Hotels sollen auf eine mögliche Ansteckung untersucht werden.

In Großbritannien rief Gesundheitsminister Matt Hancock Rückkehrer aus Norditalien zu einer befristeten Isolation auf, falls sie grippeähnliche Symptome aufwiesen. Die EU-Kommission und das Europäische Parlament wies seine Mitarbeiter an, für 14 Tage zu Hause zu bleiben, falls sie in betroffenen Gebieten in Norditalien waren.

Die US-Regierung forderte vom Kongress 2,5 Milliarden Dollar zur Bekämpfung des Virus, darunter mehr als eine Milliarde für die Entwicklung eines Impfstoffes. Die Demokratin Nita Lowey, Vorsitzende des Bewilligungsausschusses des Repräsentantenhauses, wertete den Finanzierungsantrag als “völlig unzureichend”. Gleichwohl erklärte Präsident Donald Trump am Rande eines Staatsbesuchs in Indien, sein Land sei gut auf die Epidemie vorbereitet.

In China wurde mit sofortiger Wirkung Handel und Konsum von Wildtieren verboten. Der Ursprung des Virus wird in einem Tiermarkt in der Millionenmetropole Wuhan – dem Epizentrum der Epidemie – vermutet, auf dem auch Wildtiere verkauft worden sein sollen. Wissenschafter gehen davon aus, dass das neue Coronavirus von Tieren an den Menschen weitergegeben wurde.

Nach Kurseinbrüchen an Börsen weltweit wegen der Epidemie hielten auch am Dienstag die schlechten Nachrichten für Investoren an. Vietnams Textilindustrie stellt sich auf einen starken Dämpfer durch die Folgen des Coronavirus ein. Der Branchenverband sagte gravierende Materialengpässe ab dem zweiten Quartal voraus. Die japanische Regierung rief Unternehmen dazu auf, den Beschäftigten nach Möglichkeit Heimarbeit und Schichtarbeit zu empfehlen.

In Taiwan billigte das Parlament ein Konjunkturpaket über umgerechnet 1,8 Milliarden Euro, das die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus abfedern soll. Das Kreditkartenunternehmen Mastercard korrigierte seine Umsatzprognose für das erste Quartal nach unten. Grund sei, das sich die Epidemie auf Reisen und E-Commerce auswirke.

Im Iran stieg die Zahl der Virus-Opfer um zwei auf 16. Die Zahl der Infizierten, darunter Vize-Gesundheitsminister Iraj Harirchi, stieg auf 95. Damit sind im Iran weltweit die meisten Erkrankten nach China registriert worden. Die Türkei stellte deswegen alle 132 Menschen an Bord eines aus dem Iran kommenden Flugzeugs für 14 Tage unter Quarantäne. Passagiere und Besatzung würden nun in einem eigens vorbereiteten Krankenhaus in Ankara isoliert und auf das neuartige Virus getestet, teilte Gesundheitsminister Fahrettin Koca mit.

Von: Reuters

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