Die Borsa Italiano leidet unter dem Coronavirus

Coronavirus schickt Börsenkurse in Europa auf Talfahrt

Montag, 24. Februar 2020 | 17:07 Uhr

Die Ausbreitung des Coronavirus in Italien mit mehreren Toten hat die europäischen Börsen am Montag auf Talfahrt geschickt. In Mailand brachen die Kurse sogar um knapp fünf Prozent ein. Die Börsen in Wien, London, Frankfurt, Madrid und Zürich stürzten am Vormittag um bis zu vier Prozent ab. An den US-Börsen verlor der Dow-Jones-Aktienindex zum Handelsauftakt rund 3 Prozent.

Zuvor hatten bereits die Börsen in Asien im Minus geschlossen. Das Börsenbarometer in Seoul stürzte bis Handelsschluss um 3,9 Prozent ab. Die Behörden in Südkorea hatten zuvor einen Anstieg der Coronavirus-Infektionen gemeldet. Der Hang Seng Index an der Börse in Hongkong fiel um 1,8 Prozent. Die Börse in Shanghai schloss dagegen um lediglich 0,3 Prozent niedriger.

Die Anleger hätten realisiert, dass es zu früh gewesen sei, negative Folgen der Epidemie in China auf die Wirtschaft als vernachlässigbar abzutun, erklärte der Analyst Milan Cutkovic von AxiTrader. “Die Investoren, die dachten, ihre Anlagen in den USA oder in Europa seien vor der Angst vor dem Coronavirus sicher, müssen jetzt umplanen”, sagte auch Analyst Jasper Lawler von der London Capital Group. Ipek Ozkardeskaya von der Swissquote Bank erklärte, es sei “sicher”, dass die Störung der Wirtschaft sich in sinkenden Unternehmensgewinnen und fallenden Wachstumszahlen zeigen werde.

An der Börse in Frankfurt am Main litten vor allem vom Tourismus abhängige Unternehmen wie die AUA-Muttergesellschaft Lufthansa. Ihr Aktienkurs stürzte am Vormittag um mehr als sieben Prozent ab. Auch die Papiere der Automobilhersteller und -zulieferer gaben stark nach; sie machen einen großen Teil ihrer Umsätze in China und haben dort auch Fabriken.

Die Konjunkturängste drückten auch auf die Ölpreise. Denn werden die Wirtschaftsaktivität und die Reisetätigkeit ausgebremst, fällt das ohnehin schon bestehende Überangebot am Ölmarkt noch größer aus, erklärt Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank. Gefragt waren hingegen die als sichere Häfen geltenden Anlagen. Staatsanleihen legten kräftig zu, ihre Renditen fielen im Gegenzug. Der Goldpreis stieg auf ein Siebenjahreshoch, näherte sich der Marke von 1.700 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) und erreichte in Euro umgerechnet sogar einen Rekord von 1.561 Euro.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte bereits seine Wachstumsprognose für China und laut Unicredit-Chefvolkswirt Erik Nielsen dürfte die Wirtschaft des Landes im ersten Quartal nur noch um 3 Prozent wachsen, nach rund 6 Prozent Ende 2019. Angesichts der zuletzt stark gestiegenen Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft werde dies entsprechende Auswirkungen auf die globale Konjunktur haben, so der Experte.

Stockt die Produktion in chinesischen Fabriken länger, weil sie wegen des Virus geschlossen bleiben, geraten auch deren Kunden in Bedrängnis. Apple etwa kassierte wegen des Coronavirus erst jüngst seine Umsatzprognose für das laufende Quartal wegen Lieferengpässen bei iPhones. Am Montag warnte auch der britische Mischkonzern AB Foods vor Auswirkungen auf seine Textilkette Primark. In Deutschland rechnen laut BDI unter anderem die Branchen Elektro, Automobil, Pharma und Papier mit Engpässen bei Lieferungen aus Fernost.

Ein zusätzliches Problem ist laut Experte Nielsen, dass Notenbanken nicht auf solche Angebotsschocks reagieren können. Die Geldhüter können zwar bei einer trägen Nachfrage versuchen, etwa mit Billiggeld die Kauflaune von Unternehmen und Konsumenten anzukurbeln. Gibt es aber schlicht wenig oder nichts zu kaufen, nutzt das nichts.

Wird weniger produziert, muss auch weniger transportiert werden. Das bekommen als erstes Logistikkonzerne und Fluggesellschaften zu spüren. Ihre Aktien zählten neben den Papieren deutscher Autobauer zum Wochenstart zu den größten Verlierern. Für den deutschen Leitindex DAX ging es bis zum Nachmittag insgesamt um knapp 4 Prozent abwärts. Auch im Rest Europas sowie in Asien ging es bergab und an den US-Börsen verlor der Dow-Jones-Aktienindex zum Handelsauftakt rund 3 Prozent.

Unter Druck gerieten auch Papiere der Luxusbranche, weil hier ein großer Teil des Umsatzes auf Käufen von Touristen basiert. Die Luxusgüter-Branche rechnet laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) wegen des Coronavirus mit Belastungen bei Umsatz und Gewinn in Milliardenhöhe.

Von: APA/dpa/ag.