Südtirol ist gelbe Zone

Coronavirus: Vier Regionen in Italien zur “roten Zone” erklärt

Mittwoch, 04. November 2020 | 23:05 Uhr
Update

Vier italienische Regionen – Lombardei, Piemont, Aostatal und Kalabrien – sind von der Regierung aufgrund hoher Infektionszahlen zur “roten Zone” erklärt worden, in denen ab Freitag strenge Restriktionen eingeführt werden, die bis zum 3. Dezember in Kraft bleiben werden. Dies berichtete der italienische Regierungschef Giuseppe Conte bei einer Pressekonferenz am Mittwochabend.

Conte stellte die neuen Maßnahmen vor, die am Freitag und nicht schon am Donnerstag in Kraft treten werden, wie zuvor angekündigt worden war. Dabei verteidigte Conte seinen Beschluss, das Prinzip von drei Risikozonen einzuführen. Mit regional gezielten Maßnahmen wolle die Regierung Italien einen gesamtstaatlichen Lockdown wie im März und April ersparen.

In den roten Zonen mit sehr hohem Corona-Risiko gehen die Verbote am weitesten. So dürfen Bürger nur aus beruflichen und aus dringenden gesundheitlichen Gründen das Haus, sowie ihr Wohnort verlassen. Die Bürger dürfen auch nicht in andere Regionen reisen. Geschäfte werden ganz geschlossen bleiben. Ausgenommen sind unter anderem Lebensmittelläden, Apotheken, Zeitungskioske und Friseure. Lokale bleiben geschlossen, erlaubt sind lediglich Liefer- und Take Away-Dienste bis 22 Uhr. Außerdem sollen auch einige jüngere Schüler nur per Internet lernen.

Eingeführt werden auch orange und gelbe Regionen, in denen die Maßnahmen weniger restriktiv sind. Zu den “gelben” Regionen zählt auch – etwas überraschend – Trentino Südtirol, weil Rom aufgrund alter Zahlen vom 25. Oktober entschieden hat. In Südtirol gilt damit das Landesgesetz und die Landesverordnung.

Italienweit gilt eine nächtliche Ausgangssperre von 22.00 Uhr bis 5.00 Uhr. Museen, Ausstellungen und Bibliotheken werden geschlossen. Homeoffice wird ausgedehnt. Zur Festlegung der Zonen wurden circa 20 Kriterien berücksichtigt, darunter die Infektionszahlen. Außerdem soll die Belastung und Qualität des Gesundheitssystems eine Rolle spielen.

Der “Lockdown light”, der von der Regierung Conte angesichts der zunehmenden Infektionszahlen beschlossen wurde, löste Proteste unter den Regionen aus. Während der Präsident Kampaniens Vincenzo De Luca einen kompletten Stillstand wie im März und April forderte, um die Infektionszahlen drastisch zu drücken, beurteilen andere Regionenchefs wie der friaulische Präsident Massimiliano Fedriga die Maßnahmen als zu streng und für die Wirtschaft fatal. “Die neuen Maßnahmen werden enorme negative Auswirkungen haben”, warnte Fedriga.

Der angesehene Virologe Andrea Crisanti befürchtet, dass die Regionen die täglich veröffentlichte Zahl zur Epidemie verschönern könnten, um nicht als rote Zone mit Lockdown-Pflicht eingestuft zu werden. In Italien ist die Zahl der Coronavirus-Neuinfektionen laut Gesundheitsministerium am Mittwoch gegenüber dem Vortag von 28.244 auf 30.550 gestiegen. Auch gab es 352 Todesfälle, einen weniger als am Vortag. Die Zahl der verstorbenen Infizierten in Italien seit Beginn der Pandemie im Februar stieg somit auf 39.764.

Premier Conte kündigte die Ergreifung von Stützungsmaßnahmen zur Förderung der vom neuen Lockdown am stärksten betroffenen Unternehmen und Berufsgruppen an. Das neue Hilfspaket sollte am Freitag vom Ministerrat verabschiedet werden.

Von: apa

Bezirk: Bozen