Rechtsanwalt: "Schettino zahlt für die Schulden vieler anderer"

“Costa Concordia”-Kapitän verbrachte Nacht in Haft

Samstag, 13. Mai 2017 | 10:20 Uhr

Mehr als fünf Jahre nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffes “Costa Concordia” vor der toskanischen Insel Giglio mit 32 Toten hat Ex-Kapitän Francesco Schettino seine erste Nacht im Gefängnis verbracht. Sofort nach der Verkündung des rechtskräftigen Urteils von 16 Jahren Haft durch das Oberste Gericht am Freitagabend trat der 56-Jährige seine Strafe im Rebibbia-Gefängnis in Rom an.

“Ich bin sehr verbittert, denn Schettino zahlt für die Fehler vieler anderen”, sagte der Anwalt des Kapitäns, Donato Laino. Er wolle die Urteilsbegründung prüfen. Danach könnte der Gang zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte möglich sein. “Schettino hat seine Haft mit Würde angetreten. Er respektiert die Entscheidung der Justiz. Er hat bisher viele Kämpfe, nicht aber den Krieg um die Wahrheit verloren, den er noch weiterführen wird”, sagte Laino.

Das Oberste Gericht in Rom hatte am Freitagabend die erst- und zweitinstanzlichen Strafen von 16 Jahren bestätigt, zu denen Schettino 2015 und 2016 verurteilt worden war. Die Richter hatten damit die Forderung der Staatsanwaltschaft von Florenz abgelehnt, die 27 Jahre Haft für Schettino empfohlen hatte. Die Rechtsanwälte der Familien der Todesopfer begrüßten das Urteil. Es sei an der Zeit, dass Schettino für sein Verhalten in der Unglücksnacht bezahle, sagten sie.

Schettino, der nach dem Unglück im Jänner 2012 einige Tage in Untersuchungshaft und fast sechs Monate unter Hausarrest verbracht hatte, wurden mehrfache fahrlässige Tötung, das vorzeitige Verlassen des Schiffes während der Evakuierung, die Verursachung von Umweltschäden und falsche Angaben an die Behörden vorgeworfen. Der Ex-Kapitän war nach der Havarie in Italien heftig kritisiert und als “Kapitän Feigling” verspottet worden.

Die “Costa Concordia” hatte im Jänner 2012 vor der Insel Giglio einen Felsen gerammt und war gekentert. 32 der mehr als 4.200 Menschen an Bord kamen ums Leben. An Bord befanden sich auch 77 Österreicher, die sich alle retten konnten – unter ihnen der Salzburger Bürgermeister Heinz Schaden.

Von: apa