Regisseur Zalone übernahm auch die Hauptrolle

“Der Vollposten”-Regisseur Zalone hat immer Angst

Freitag, 16. September 2016 | 17:01 Uhr

Mit “Der Vollposten. Avanti Beamti” hat der italienische Komiker Checco Zalone einen veritablen Kinohit in seiner Heimat gelandet, der mehr Tickets verkauft hat als der siebente “Star Wars”-Film. Vor dem Österreichstart am 23. September sprach die APA mit dem 39-Jährigen über seine Angst, seine Zeit des Hungerns und die Frage, warum Norweger depressiv sind.

APA: Haben Sie eine Erklärung, weshalb “Der Vollposten” beinahe ein Sechstel der Italiener ins Kino gelockt hat?

Checco Zalone: Es wäre natürlich einfach zu sagen, dass die Italiener einfach ein Volk von Ignoranten sind (lacht). Aber ich weiß es ernsthaft nicht. Man kann da die Soziologie bemühen – aber ob das weit führt? Ich kann nur sagen, dass meine Beziehung zu den Italienern eine besondere ist: Ich bin kaum im Fernsehen zu sehen, tauche nicht in den Klatschblättern auf und mache keine Werbung. Wenn sie mich also sehen wollen, müssen sie ins Kino gehen.

APA: Die Themen von “Der Vollposten” sind die Situation im heutigen Europa und die soziale Lage in Italien. Hatten Sie nie Angst, dass das keine Themen für eine Komödie sein könnten?

Zalone: Ich habe eigentlich immer Angst. Aber im Endeffekt stellt unser Film eine kleine Geschichte dar, die aus großen Diskussionen zwischen dem Regisseur Gennaro Nunziante und mir entstanden ist. Wir zeigen eine kleine Welt, die eines Provinzbeamten, der sich der großen weiten Welt öffnet. Dieser Gegensatz zwischen einem Mann, der um das beschauliche Refugium seines Arbeitsplatzes kämpft und einer Frau, die die Welt retten will, hat mir gefallen. Im Kern erzählen wir aber eine einfache Story, mit der sich viele identifizieren können. Insofern hatte ich keine Bedenken, dass sie zumindest in Italien funktioniert. Jetzt schauen wir mal, ob es auch in Österreich klappt – mir wurde gesagt, die beiden Völker seien sich ziemlich ähnlich.

APA: Man hat den Eindruck, Italiener sind ein Volk, das zur Selbstironie neigt…

Zalone: Wir haben nun wirklich unzählige Fehler – aber zumindest die Fähigkeit, das zu erkennen. Die große italienische Komödie hat immer die durchschnittlichen Menschen als Thema gehabt und der Gesellschaft den Spiegel vorgehalten. Also eine Qualität haben wir immerhin (lacht).

APA: Was war der Ausgangspunkt für Ihr Projekt?

Zalone: Das war ein Nachrichtenbeitrag, der von dem Italiener gehandelt hat, der in Ny-Olesund auf Spitzbergen die dortigen Wissenschafter vor den Eisbären beschützen muss und sie darin unterrichtet. Das war das erste Bild, das ich im Kopf hatte: Ich, der gegen einen Eisbären kämpft.

APA: Wie sehen Sie die Lage Italiens im Allgemeinen. Ist die Situation eher die einer Lähmung, oder gibt es unter der Regierung Renzi auch so etwas wie eine Aufbruchsstimmung?

Zalone: Es gibt in Italien seit 30 Jahren diesen Reformismus, ohne dass etwas passiert. Es gibt etwa die Provinzen, wie man sie auch im Film sieht und die man abschaffen sollte. Aber es ändert sich nichts. Leider schaffen wir es nicht wirklich, etwas in Gang zu setzen.

APA: Und weshalb Norwegen als Gegenpol im Film?

Zalone: Ich habe nach etwas gesucht, das von der italienischen Mentalität so weit entfernt wie möglich ist. Da haben wir uns Norwegen eigentlich ausgedacht. Aber als wir dann das erste Mal in Bergen waren, haben wir erst gemerkt, dass das dort wirklich so rennt! Die sind dort viel strikter, halten sich an die Gesetze, hupen nicht, stellen sich immer brav in der Schlange an – kein Wunder, dass die Hälfte der Bevölkerung Depressionen hat!

APA: Sie sind ja nicht nur Schauspieler und Komiker, sondern auch Musiker. Sich auf eines zu konzentrieren hat Sie nie gereizt?

Zalone: Ich war viele Jahre ausschließlich Musiker auf der untersten Stufe und habe auf Hochzeiten und Taufen gesungen mit meiner Jazzcombo. Ich wäre fast verhungert. Aber ich habe mit den Leuten während des Konzerts ein bisschen gesprochen – und die wollten mich irgendwann nur noch reden hören und nicht mehr spielen. Immerhin gibt es heute zwei, drei Evergreens von mir, die die Leute erkennen. Und ich fühle mich dann wie Paul McCartney. Das genügt.

Das Gespräch führte Martin Fichter-Wöß/APA

Von: apa

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