"Da muss ich auch hin!"

Ruiniert Instagram Naturparadiese?

Freitag, 19. Oktober 2018 | 07:40 Uhr

Selbst an den entlegensten Ecken der Welt darf heute eines nicht fehlen: der inszenierte Schnappschuss, der später in sozialen Medien landet. Manch Instagram-tauglicher Ort erlangt so ungeahnte Popularität – nicht immer mit positiven Folgen.

Türkisblau und kristallklar glitzert der See, Fischerboote schaukeln an der Oberfläche, die Bergkette spiegelt sich im Wasser. Ein atemberaubender Anblick ist der Pragser Wildsee (Italienisch: Lago di Braies), eine Oase inmitten der Südtiroler Alpen. Obwohl zwischen Bergen versteckt, ist der See kein Geheimtipp. Schuld daran ist die Foto-Plattform Instagram. Dort finden sich unter dem Schlagwort #lagodibraies um die 150.000 Fotos der Szenerie. Und jeden Tag werden es mehr.

“Da muss ich auch hin!”, lauten die Kommentare unter vielen Fotos. Orte wie der Pragser Wildsee werden zu kleinen Berühmtheiten, manche sogar zu regelrechten Instagram-Wallfahrtsorten. Plötzlich in den sozialen Medien bekannt geworden, können die Destinationen dem Ansturm allerdings nicht immer standhalten. Als ein italienischer Blogger vergangenes Jahr einen Post über das Verzascatal in der Schweiz veröffentlichte, erlebte das Dorf eine kaum zu bewältigende Besucherwelle. Lokale Medien berichteten von kilometerlangen Staus, wild parkenden Fahrzeugen und Müllbergen. Anrainer waren genervt.

Solche Blogger oder Influencer, auf Deutsch etwa “Meinungsmacher”, haben über soziale Medien eine enorme Reichweite. Was sie veröffentlichen, machen andere nach. Das kann den Tourismus ankurbeln, aber auch negative Folgen haben.

“Die Orte haben wenig Kontrolle darüber, welche Inhalte in den sozialen Medien landen”, sagt Laura Jäger, Referentin bei TourismWatch, einem Informationsdienst, hinter dem das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt steckt und der sich für nachhaltigen Tourismus starkmacht. “Reisende müssen sich bewusst machen, wie sich ihr Verhalten in den sozialen Medien auf die Zielgebiete und Menschen vor Ort auswirken kann, und verantwortungsvoll damit umgehen.”

Bei sommerlichen Temperaturen am Sandstrand ist davon oft nichts zu spüren. Wohin man blickt, schießen Menschen Fotos, inszenieren sich oder die Landschaft für den perfekten Urlaubsschnappschuss. Das Ferienhaus-Portal Holidu kürte diesen Sommer die beliebtesten Instagram-Strände. Auf Platz eins in Italien: die Scala dei Turchi auf Sizilien. “Wir bemerken dieses Phänomen”, bestätigt ein Sprecher des Tourismusverbands von Realmonte, der Gemeinde des Strandes. Unglücklich scheint er darüber nicht: “Instagram, Facebook und andere soziale Medien haben den Ort bekannter gemacht und den Tourismus weiter wachsen lassen.”

Was hinter der Smartphone-Linse passiert, zeigen die Fotos der Instagram-Idyllen allerdings nicht. Schadet es am Ende der Schönheit eines Ortes, wenn er für Fotos ausgeschlachtet wird? Die italienische Fotografin und Reise-Bloggerin Sara Melotti nutzt für ihre Fotos zwar selber Instagram, geht aber kritisch mit dem Netzwerk um. “Instagram ruiniert diese Orte komplett”, sagt sie. “Es hat sich ein neuer, junger Massentourismus entwickelt. Junge Leute reisen, um Fotos für die sozialen Medien zu machen. Nur um zu zeigen: Ich war hier.” Melotti kennt nach eigenen Worten Influencer, die mit einem Stundenplan verreisen. Darauf vermerkt: an welchem Instagram-Spot man wann ein Foto schießen wird.

Die 30-jährige Reisebloggerin vermerkt auf Instagram mittlerweile nicht mehr den genauen Standort ihrer Fotos. Sie will nicht, dass mit den Orten passiert, was sie selbst schon zu oft auf Reisen gesehen hat. Auf Bali gebe es einen Tempel, der vor einigen Jahren komplett unbekannt war. “Heute stehen die Touristen schon um 4.00 Uhr an, um ein Foto im Sonnenaufgang zu schießen.”

Für solche Orte, die sich besonders gut für Fotos eignen, gibt es mittlerweile sogar ein Fachwort: Instagramability. Eine britische Studie des Ferienhaus-Versicherers Schofields Insurance ergab 2017, dass 40 Prozent der 18- bis 33-Jährigen ihre Reiseziele nach deren “Instagramability” aussuchen. Auch die Trolltunga in Norwegen ist so ein Ort – über 110.000 Beiträge unter dem Hashtag #trolltunga. Zwischen 2009 und 2014 stieg die Besucherzahl laut “National Geographic” von 500 auf 40.000.

Die Felszunge, die sich über dem Ringedalsvatnet-See erstreckt, ist berühmt für ein Motiv: Eine Person sitzt ganz vorn auf der Zunge, daneben der See, die Berge, keine Menschenseele. Der Inbegriff von Idylle. Außer, der Mensch an der Spitze würde die Selfie-Kamera aktivieren: Dann wären ziemlich viele Menschen im Hintergrund zu sehen, die Schlange stehen für dieses eine Foto, das es schon so oft auf Instagram gab.

Von: dpa

Bezirk: Pustertal

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

34 Kommentare auf "Ruiniert Instagram Naturparadiese?"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
knedlfanni
knedlfanni
Tratscher
29 Tage 16 h

Ich glaube nicht Istagram di Naturparadiese ruiniert, sondern MENSCHEN!! die eigenen tourismusvereine und WERBUNG ohne ende!! pragser wildsee, WILDsee, wo ist dieser see noch wild? ich als einheimische meide diese orte, könnte heulen, wenn ich diese ausverkaufte heimat sehe, und dann werben mit naturparadies, genau- in prags gehts ja schlimmer zu wie an der adria!! weitere beispiele: dolomiten generell, lago sorapis, drei zinnen, gröden… nur weiter so!! ah ja und wir brauchen mehr tourismus, weil ja davon ALLE profitieren😌😂

typisch
typisch
Universalgelehrter
29 Tage 11 h

also da muss ich nicht mehr hin

schreibt...
schreibt...
Tratscher
29 Tage 9 h

@knedlfanni Doch doch WILD! Wild und unkontrolliert umherirrende Wesen! 😉

jack
jack
Superredner
28 Tage 18 h

Stimmt wir leben davon
also klappe🤫

Mistermah
Mistermah
Kinig
28 Tage 8 h

@jack 
ich lebe sicher nicht davon, im gegenteil, also streiche das wir und sprich für dich.

Ewa
Ewa
Superredner
29 Tage 16 h

Ich glaube eher der Film “un passo dal cielo” und die IDM die immer weiter Werbung macht sind schuld, dass verschiedene Orte im Massentourismus versinken.
Immer mehr Werbung bringt halt immer mehr Gäste.
Und jetzt ist es zu spät.

flakka
flakka
Grünschnabel
29 Tage 10 h

Aso sig is a. wieso wert in dem artikel sel net erwähnt? dass genau der film der auslöser für den ausartenden massenturismus bei dem see wor?
mir hoben gäste selber erzählt, zum schamen, so a schlechte organisation, sein sie von südtirol net gwehnt.
IDM mocht mega viel werbung und nor wert zb.gschrieben…iez hoben ins die amerikaner entdeckt. genau, nochdem se sem soflt werbung gemocht hoben.
Find des a bissele realitätsverzerrt.

Ewa
Ewa
Superredner
29 Tage 8 h

@flakka
Hier kommen so viele tausende Gäste alle Tage mittlerweile, dass keine Organisation mehr möglich ist.

jack
jack
Superredner
28 Tage 18 h

lieber mehr als zuwenig meine liebe😉

jack
jack
Superredner
28 Tage 17 h

@Ewa
es blerrt wegn 2 munat im johr😆
mir kenn zum gost net sogn kemmt im april odo im oktober weil sebm hobmo kuane leit, also es isch holt amo juli august urlaubszeit und sebm liebe gäste kemmt und losst is geld do 😉
obo Südtirol isch das Land der ewigen blerrer und sumprer ,weils ins zu guet geat isch jedo lei am fehler suechn und blerrn.
zum schamen mit selche landsleute

sonoio
sonoio
Superredner
28 Tage 12 h

@jack 
zum schamen sein die geldgeilen landsleute wie du!! hosch wohrscheinlich a fetts hotel stian! 

Mistermah
Mistermah
Kinig
28 Tage 8 h

@jack
ich zünde eine kerze für dich an ,,,

jack
jack
Superredner
28 Tage 6 h

@sonoio
worum wasch du sell?🤔
kenn mir ins?😉

jack
jack
Superredner
28 Tage 6 h

@Mistermah
na danke bin nou wolauf😚

jack
jack
Superredner
28 Tage 6 h

@sonoio
leber zuviel als zuwenig geld.
🤣🤣

Mauler
Mauler
Tratscher
29 Tage 14 h

Daidai Instagram!
Do sein schun gonz ondere Faktoren!
Mir welln jo jedes Johr mehr Touris, greaßere Hotels, iberol a Soalbohn aui, zu jeder Schupfe a Autobahn usw!
Net wundern

1litermuelch
1litermuelch
Tratscher
29 Tage 9 h

Waret awia vorsichtig wos do gschrieben werd. Pa ins geat kuane bohn af gipfel aui, hingegen matterhorn und zugspitze schon 🙈
I soget, kolfen isch lei, wenn dei 💩mit den social-media ingaling amol aufhert.

wieland
wieland
Neuling
29 Tage 13 h

Wos i persönlich a letz find isch, wia italienische Ortsnomen durch Instagram mehr und mehr zum Standard wearn. Italienische Nomen guat und recht, obo mittlerweile kemmen sogor die Deitschen nimmer noch “Südtirol”, sondern noch “Trentino-Alto Adige”.

Die Leit kennen lei in Lago Di Braies, die Tre Cime, in Lago di Carezza odo San Giovanni in Ranui in Santa Maddalena in Val di Funes. Wo Villnöss isch woass va die Touristen koaner. Wenn des so weiter geat, sein die historischen Nomen wirklich bol Geschichte. Do hot obo vor ollem a die Tourismuswerbung drun Schuld.

schreibt...
schreibt...
Tratscher
29 Tage 9 h

@wieland Da tragen aber die ganzen Navis auch viel dazu bei. Bei einigen findet man tatsächlich fast ausschließlich nur italienische Ortsnamen!

wieland
wieland
Neuling
29 Tage 7 h

@schreibt… Hem hosch wohrscheinlich a recht, jo! Zumindest af Google Maps konn man noch die deitschen Nomen suachn, obo die Suchergebnisse und die Navigation scholtet ober meistens af die italienischen um. Mi wunderts dass des net mehr a Thema isch ba ins, wobei sich sunscht viele wegn jeder Kloanigkeit aufregen.

Name
Name
Neuling
29 Tage 16 h

Die Geiste die ich rief…

diamant
diamant
Neuling
29 Tage 13 h

hat mit Instagram schon gar NICHTS zu tun. nimmersattes GIERIGES Südtirol würde ich sagen………….und so was nennt man Lebensqualität………….

werner66
werner66
Superredner
29 Tage 14 h

Der größte Blödsinn der letzten Jahre war die Einstufung großer Teile Südtirols zum Welt-Naturerbe.
Jetzt zertrampeln ganze Heerscharen von Tagestouristen die Landschaft. Man kann nur hoffen, dass dieser Schwachsinn, der von einer unglaublichen Dummheit und Einfalt der Verantwortlichen zeugt, aufgrund dieser Touristenmassen wieder rückgängig gemacht wird.

axel123
axel123
Neuling
29 Tage 14 h

Tourismus ist wichtig keine Frage. Aber muss es immer mehr sein? Traurige Entwicklung der letzten Jahre an gewissen Orten. Noch dazu sind mittlerweile viele der dadurch benötigten Jobs für viele Einheimische zu “schlecht”. Aber hauptsache weiterhin extrem Werbung machen, Filme drehen usw. denn wir brauchen ja trotz Vollbeschäftigung NOCH mehr Arbeitsplätze. Und einen Rummelplatz vor der Haustür.

Staenkerer
29 Tage 15 h

guten vorsatz werbung gmocht für des lond,
das an jedm de schönheit isch bekonnt,

mit freude gsech den touristenstrom,
der kurbelt insern wohlstand un,

mit frust erst in stau auf de stoße überstien,
nor schiebn se di unter de laubn her und hin,

voll stress euachsch ruhe aufn berg
dor wommls a, man jede sproche heart

mit wehmut stellsch fest, sie hobn olles schun gfundn
jede lock zugemüllt und jedn steig derschuntn!

voll sehnsucht drahnasch des radl gern wieder zrugg zu der schien zeit
als im landl no plotz wor für de eigenen leit!

voll zorn dasan werbung gemocht hot fürs lond
das ollen de schönheit isch bekonnt …

xXx
xXx
Superredner
29 Tage 6 h
Wild, Urig, Geheim… diese Atribute hat dieser See längst verspielt. Es ist 20 Jahre her, als ich das erste mal dort war, ein Traum und diesen Sommer wollte ich wiedermal dort hin, ein Alptraum 😭 Stau ohne Ende, überall wird kreuz und quer geparkt, das man kaum einen Platz zum Wenden gefunden hat. Irgendwann kam ich doch wieder raus und hab den Shuttle genommen (sorry ich war unwissend und hab nicht gleich daran gedacht) Am See ging es zu wie auf einem Markt, kein freies Plätzchien egal ob Strand, Wald oder auf den Felsen, Chaos und geschrei….Erholung? Soll ich lachen… Weiterlesen »
jack
jack
Superredner
28 Tage 17 h

ja selber blöd wenn im August dohin bisch.
also bist gleich dumm wie alle andern😁😁😂

ando
ando
Universalgelehrter
29 Tage 16 h

lago di san candido..ähmmmm braies🤣

Arno
Arno
Grünschnabel
29 Tage 8 h

Schuld ist Un passo dal celo, und die Provinz Bozen die die Serie jedes Jahr mit sehr viel Geld finanziert.

zuviel Tourismus ist nicht gut!

nickistda
nickistda
Neuling
29 Tage 12 h

Instagram hot drmit gornichts zutian, mir verkaft insere schiane Londschoft uanfoch lai mea!! Dia gonzen Londstroßen sein olm nu (Oktober) iberfillt mit Touristen, dass mon nitamol mea zur Orbet kimp. Iberoll mochn sie Stroßen zui un Lift aui, dass jeder Lalli iberoll zuikimp…

mmhm_sel_schu
mmhm_sel_schu
Grünschnabel
29 Tage 10 h

Wiso sagen alle das Instagram und Facebook keine Schuld hat!? Seht euch doch mal um, jeder macht von seim !!Essen!! fotos und stellt sie online!? was soll das bringen? Das ich zeigen kann was ich esse? Wiso gibt es dann keine vorher nachher fotos, wäre genau das selbe. Schaut euch mal bewusst um was die Sozialen medien anrichten. Und natürlich sehen die Menschen die schönen Fotos und wollen auch dort hin. Diese Werbung kommt unseren Touristikern noch zugute denn diese kostet nichts.

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
29 Tage 7 h

Die Fotos richten auch nicht mehr Schaden an als jede andere Postkarte oder andere Werbemittel unserer Tourismusvereine.

Die Schuld soltle man schon bei den Besuchern suchen. Falls überhaupt, dann kann man die Schuld denen geben, welche das Ganze überhaupt erst zu einer Touristenattraktion gemacht haben.

Bracken
Bracken
Neuling
29 Tage 4 h

Irgendwenn werd wol a genua sein mit de touristen?! Mega verkehr olm somstigs,dassman kaum mehr irgendwo hinfohrn brauch.
De kemmen fürs foto mochn und donn seinse wiedr weck.
Obr olm fest weitr werbung und filme mochn.

Gredner
Gredner
Superredner
28 Tage 23 h

Wir sollten ausnahmsweise mal was von den Amis lernen: Eintritt verlangen. Für den Yosemite National Park zahlt man z.B 35$ pro PKW, und der Jahrespass kostet 70 US$

Für die Drei Zinnen von Auronzo her zahlt man ebenfalls 35 €.

Genauso sollten wir für die Sellapässe, den Pragser Wildsee oder andere Orte 40 € verlangen. Das wäre ein akzeptabler Preis für Tagestouristen. Und Einheimische, die öfter über die Pässe müssen, können sich die 80 € für die Jahrekarte auch leisten.

wpDiscuz