Sein Anwalt will gegen das Urteil in Berufung gehen

Diffamierung eines Professors: Muss Grillo in den Knast?

Dienstag, 15. September 2015 | 07:53 Uhr

Mailand – Beppe Grillo – Komiker und Anführer der Fünf-Sterne-Bewegung – ist wegen Diffamierung eines Universitätsprofessors zu einem Jahr Knast verurteilt worden.

Sein Anwalt kündigte bereits an, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Grillo ist für seine derben Sprüche, die oft unter die Gürtellinie gehen, bekannt. Bei einer Atom-Kundgebung im Mai 2011 hatte er den Universitätsprofessor Franco Battaglia mit scharfen Worten attackiert.

Er warf dem Professor vor, im Fernsehen erklärt zu haben, dass beim Supergau in Tschernobyl niemand gestorben sei. „Ich gebe dir einen Tritt in den Hintern und ich werfe dich aus dem Fernsehen, ich zeige dich an und bringe dich in den Knast“, hatte Grillo laut Medienberichten gesagt.

Battaglia erklärte in der darauf folgenden Gerichtsverhandlung, dass aufgrund dieser verbalen Attacke sein Fahrzeug beschädigt wurde, nachdem er einen Drohanruf erhalten hatte. Beppe Grillo wurde deshalb auch zu einer Geldstrafe von 1.250 Euro verurteilt. Wegen der Diffamierung des Universitätsprofessors muss er sogar 50.000 Euro zahlen.

Der M5S-Chef sieht sich im Recht und stellt sich in seinem Blog auf eine Stufe mit Mandela und Italiens Ex-Präsident Sandro Pertini. Auch er werde ins Gefängnis gehen für eine Sache, die er für gerecht halte, so Grillo.

2009 kündigte der damalige Regierungschef Silvio Berlusconi an, die Kernkraft in Italien vorantreiben zu wollen. Nach der Katastrophe in Fukushima im März 2011 wurde die Sache auf Eis gelegt. In einem Referendum im selben Jahr sprachen sich über 90 Prozent der Italiener gegen den Bau von Atomkraftwerken aus.

Von: ©lu