Leonardo Cazzaniga und Laura Taroni töteten mehrere Patienten – VIDEO

„Doktor Tod“ und sein Todesengel zu lebenslang verurteilt

Mittwoch, 05. Oktober 2022 | 08:05 Uhr

Saronno/Rom – Der römische Kassationsgerichtshof das Urteil des Berufungsgerichts bestätigt und den ehemaligen Vizeprimar der Ersten Hilfe des Krankenhauses von Saronno, Leonardo Cazzaniga, zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Seine ehemalige Geliebte hingegen, die Krankenpflegerin Laura Taroni, war wegen der Ermordung ihres Ehemannes Massimo Guerra und ihrer Mutter Maria Rita Clerici bereits im Juli 2021 von einem Gericht zu 30 Jahren Haft verurteilt worden.

Das Höchstgericht sah es als erwiesen an, dass der heute 66-jährige ehemalige Vizeprimar zwischen den Jahren 2011 und 2014 zehn Patienten getötet und seiner damaligen Liebhaberin dabei geholfen hatte, ihren Mann und ihre Mutter aus dem Weg zu räumen.

ANSA/FACEBOOK LAURA TARONI

Die Ermittlungen kamen ins Rollen, nachdem eine Krankenpflegerin, der „horrende Unregelmäßigkeiten“ aufgefallen waren, Anzeige erstattet hatte. Je weiter die Ermittlungen der zuständigen Staatsanwaltschaft von Busto Arsizio voranschritten, desto mehr offenbarte sich den Beamten ein wahrer Sumpf, in dem ein Teil der Verwaltung und des Dienstpersonals des Krankenhauses von Saronno steckte. „Doktor Tod“ Leonardo Cazzaniga, der – so die Staatsanwaltschaft – für sich in Anspruch genommen hatte, über Leben und Tod seiner Patienten zu bestimmen, hatte nicht wenige Mitwisser und Helfer. Eine Ärztin, die nur vorübergehend im Krankenhaus angestellt war und von den „Unregelmäßigkeiten“ in der Abteilung Kenntnis gewonnen hatte, gelang es sogar, auf diese Weise eine Festanstellung zu erpressen. Um sich ihr Schweigen zu erkaufen, wurde eigens für sie ein maßgeschneiderter Wettbewerb geschaffen.

Im Rahmen der Untersuchungen trug die Staatsanwaltschaft von Busto Arsizio wegen Unterlassung der Anzeige einer strafbaren Handlung, der Begünstigung einer Straftat sowie wegen mittelbarer Urkundenfälschung – einigen Patienten waren falsche Diagnosen nichtexistierender Krankheiten bescheinigt worden – mehrere Personen, darunter Ärzte, den Primar der Abteilung sowie zwei Sanitätsdirektoren, ins Ermittlungsregister ein.

Der Art und Weise, mit dem das Paar die Morde verübte, war immer dieselbe. Sie verabreichten ihren Opfern eine Überdosis eines Medikamentencocktails, das aus einer tödlichen Mischung verschiedener Beruhigungsmittel und Psychopharmaka – Chlorpromesin, Midazolam, Morphin, Propofol und Promazin – bestand. Jedes Mal, bevor Leonardo Cazzaniga einen Mord beging, teilte er mit, dass er bei diesem Patienten wörtlich „mein Protokoll“ anwenden würde. Aufgrund dieser Tatsache wurde während der Ermittlungen diese letale Medikamentenmischung als „Cazzaniga-Protokoll“ bezeichnet. Im November 2016 klickten für Leonardo Cazzaniga und Laura Taroni die Handschellen.

Cazzaniga verteidigte sich vor Gericht stets damit, dass er sich zu solchen extremen Verhaltensweisen hinreißen ließ, um das Leiden seiner Patienten zu lindern, weil er ihrem Tod, der aus seiner Sichtweise als unausweichlich galt, Würde verleihen wollte. Laut Ansicht der Staatsanwaltschaft jedoch, der sich auch die Gerichte anschlossen, waren die Taten auf den reinen Allmachtswahn eines Arztes zurückzuführen, der sich für Gott hielt und der den ihm anvertrauten Patienten seine Macht über Leben und Tod spüren lassen wollte.

Zudem ging es bei seiner Beihilfe zum Mord am Mann und an der Mutter seiner damaligen Liebhaberin keinesfalls um das “Lindern von Leiden”, sondern um so handfeste Gründe wie darum, den Mann, der ihrer Beziehung im Weg stand, aus dem Weg zu schaffen und Laura Taroni frühzeitig die Erbschaft zu sichern. Besonders moralisch verwerflich war dabei die Methode, wie der Ehemann von Laura Taroni, Massimo Guerra, aus dem Weg geräumt wurde. Dem damals 45-Jährigen wurde weisgemacht, dass er an einer Krankheit leide, was dem Paar die Möglichkeit eröffnete, ihm eine ganze Reihe von Medikamenten zu verabreichen. Diese schwächten den Mann so sehr, bis der Tod eintrat. Wegen der Ermordung ihres Ehemannes und ihrer Mutter Maria Rita Clerici wurde Laura Taroni im Juli letzten Jahres von einem Berufungsgericht zu 30 Jahren Haft verurteilt.

Während der vielen Gerichtsverhandlungen beteuerte Leonardo Cazzaniga stets, dass er „kein Monster sei“, aber durch alle Instanzen hindurch gelangten die Richter zur Einsicht, dass der ehemalige Vizeprimar in mehrmaliger Tateinheit mit seiner damaligen Geliebten für fast ein Dutzend Morde verantwortlich gewesen war. „Doktor Tod“ und sein Todesengel werden die nächsten Jahrzehnte hinter Gittern verbringen müssen.

Von: ka

Kommentare
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Targa
Targa
Superredner
2 Monate 1 h

Brutal! Traurig! Wie viele Opfer gibt es noch?! Schlimm, wenn so etwas passiert, der Arzt und die Krankenschwester haben das Vertrauen ihrer Patienten ausgenutzt und dieses haben es mit ihrem Leben bezahlt! Kann man einem Mediziner noch vertrauen?!?

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 29 Tage

Grundsätzlich kann man niemanden vertrauen.

Targa
Targa
Superredner
1 Monat 29 Tage

@N. G.
Ja, leider!

H.M
H.M
Tratscher
1 Monat 29 Tage

sehr schwierig,leider

ieztuets
ieztuets
Superredner
2 Monate 2 h

Jo isch des von an “Horrorfilm”… unglaublich wos do obgongen sein mueß!

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