Explodierende Nahrungsmittelpreise fördern politische Instabilität – VIDEO

Dominoeffekt: Führt Ukrainekrieg zu neuen Migrationswellen aus Nordafrika?

Mittwoch, 13. April 2022 | 08:06 Uhr

Kiew/Rom – Der Krieg in der Ukraine hat auf die Preise für Grundnahrungsmittel verheerende Auswirkungen.

Da die Ukraine und Russland zu den weltweit größten Produzenten und Exporteuren von Mais und Weizen gehören, ziehen infolge des militärischen Angriffs Russlands auf die Ukraine auf den internationalen Märkten auch die Preise für diese beiden Rohstoffe für wichtige Grundnahrungsmittel massiv an.

In vielen Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens, die über die Hälfte ihres Weizenbedarfs importieren müssen, könnte der kriegsbedingte Ausfall für einen gefährlichen Dominoeffekt sorgen. Wie vor zehn Jahren beim sogenannten Arabischen Frühling könnten stark gestiegene Brotpreise politische Instabilität und Hungersnöte auslösen und in deren Folge für Migrationsströme nach Europa sorgen.

APA/APA/Symbolbild/ROBERT JAEGER

Der fortdauernde Konflikt in der Ukraine dürfte Folgen haben, die weit über Europa hinausgehen. Ein Dominoeffekt, den vor allem die Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens betreffen könnte, wird von den Experten besonders gefürchtet. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) zögert nicht, von einer „Katastrophe globalen Ausmaßes“ zu sprechen. Neben den Millionen Menschen, die vor dem Krieg aus der Ukraine flüchten, könnten die indirekten Auswirkungen des Konflikts – durch steigende Lebensmittelpreise verursachte politische Instabilität und Hungersnöte – in naher Zukunft für neue Flüchtlingsströme sorgen.

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Daten der FAO zufolge zog der Lebensmittelpreisindex, der die monatlichen Schwankungen bei den Grundbedarfsartikeln berücksichtigt, im Vergleich zum Februar um weitere 12,6 Prozent an. Dabei war im Februar bereits der höchste Stand seit Anfang 1990 verzeichnet worden. Aufgrund dieser Preisentwicklung sah sich das WFP dazu gezwungen, die Nahrungsmittelrationen für die ärmsten Menschen in Afrika, Jemen und Syrien zu kürzen.

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Als direkte Folge des Kriegs erhöhten sich die Preise von Weizen, Hafer, Gerste, Mais und Sonnenblumenöl bisher im Schnitt um etwa 17 Prozent. Für europäische Haushalte bedeutet dies, dass sie für ihre Lebensmitteleinkäufe, zu denen meist bereits verarbeitete Lebensmittel gehören, jährlich einige Hundert Euro zusätzlich ausgeben müssen. Für Millionen von Menschen in ärmeren Ländern, die ums tägliche Überleben kämpfen und die ihre kärglichen Einkommen fast gänzlich für den Erwerb von Grundnahrungsmitteln verwenden müssen, bedeutet jeder Preisanstieg aber eine existenzbedrohende Belastung.

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„Der erste und der fünftgrößte Getreideexporteur der Welt befinden sich im Krieg. Gemeinsam auf die Ukraine und auf Russland entfallen 30 Prozent des weltweiten Weizens, ein Fünftel des weltweiten Mais und sogar 80 Prozent des weltweiten Sonnenblumenöls. Man kann sagen, dass diese beiden Länder von Importen stark abhängige Staaten wie die Länder Nordafrikas und des Nahen Ostens direkt mit Weizen versorgen. Es handelt sich dabei vielfach um Staaten, die bereits heute am Rande einer Hungersnot stehen. Beunruhigend ist, dass nicht nur die Frachtschiffe in den Häfen blockiert sind, sondern dass durch die fortdauernden Kriegshandlungen auch die Aussaat und damit die neue Ernte gefährdet ist. Die Ukraine und Russland dürften für geraume Zeit als Exporteure ausfallen. Länder wie Ägypten, Tunesien, Jordanien und der Libanon importieren mehr als die Hälfte ihres Weizenbedarfs. Die Staaten horten zwar Vorräte – beispielsweise jene Ägyptens reichen für vier Monate – aber in wenigen Monaten werden diese Länder vor großen Problemen stehen“, so der Wirtschaftsanalyst beim WFP, Eugenio Dacrema, gegenüber der Mailänder Tageszeitung Il Giornale.

APA/APA (dpa)/Patrick Pleul

Es ist vielleicht kein Zufall, dass Putin am 31. März, als er die westlichen Sanktionen verurteilte, darauf hinwies, dass „auf die Nahrungsmittelkrise unweigerlich eine weitere Migrationswelle folgen wird, die unweigerlich vor allem die europäischen Länder betreffen wird“. Eine Drohung, der durch die Aufforderung an die russischen Produzenten, die Ausfuhren in die Welt zu reduzieren, mehr Nachdruck verliehen wird. In der Tat sind alle Weizenexporte aus der Schwarzmeerregion praktisch zum Erliegen gekommen.

APA/APA/dpa/Thomas Warnack

Um dieses Szenario, bei dem Weizen als politisches und militärisches Druckmittel eingesetzt wird, zu verhindern, sagten einige Länder wie Kanada, USA, Australien zu, ihre Lebensmittelproduktion zu erhöhen. Auch die EU, die Tausende von Hektar landwirtschaftlicher Flächen, die bisher brach lagen – davon rund 200.000 Hektar allein in Italien – für den Weizenanbau freigab, bleibt nicht untätig. Nicht zuletzt wegen des Exportstopps einiger Länder wie Ungarn und Argentinien, des Mangels an Düngemitteln sowie wegen der herrschenden Trockenheit ist es aber höchst fraglich, ob diese Anstrengungen den Ausfall der Ukraine und Russlands kompensieren können.

APA/APA (AFP)/SUMY SADURNI

Besonders Nordafrika stehen schwierige Monate bevor. Sollte es in diesen Ländern zu Engpässen oder gar Hungersnöten mit daraus folgender politischer Instabilität kommen, könnten sich viele Verzweifelte übers Mittelmeer nach Europa aufmachen. Sowohl für die Menschen in Nordafrika als auch für die Europäer könnte ein Schreckensszenario wahr werden.

Von: ka

Kommentare

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27 Kommentare auf "Dominoeffekt: Führt Ukrainekrieg zu neuen Migrationswellen aus Nordafrika?"


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gogogirl
gogogirl
Tratscher
1 Monat 12 Tage

Dann nehmen wir die auch auf sind gleich Flüchtlinge wia die Ukrainer

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 12 Tage

Du erkennst an deinen negativen Bewertungen wie Südtiroler ihre Prioritäten setzen! Ein hungernder Afrikaner ist nicht GLEICH einem hungernderm Ukrainer obwohl der selbe Typ Schuld daran hat, Putin!

Zefix
Zefix
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

herrlich de scheinheilige doppelmoral von enk😂

tom
tom
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

dann bitte nach Russland, dort sitzt der Verursacher der Misere

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 12 Tage

Ok, dann ne Frage… Warum schickst du dann die Ukrainer nicht auch nach Russland? Nur Interesse halber? Wäre doch auch Putin schuldig!?
SCHWACHSINN! UNMENSCHLICH!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 12 Tage

War zu erwarten und schon vor Wochen wurde davor gewarnt. Hunderttausende werden verhungern und Millionen flüchten.
Was dann, Europa?
MAUERN?
Salvini und die STF werden uns Südtiroler schon schützen!

GTH
GTH
Tratscher
1 Monat 12 Tage

logisch mauern, oder losch du haustir offen 🤪

PuggaNagga
1 Monat 12 Tage

@N.G.
Du kannst ja alle bei dir aufnehmen.
Du hast ein großes Herz, also leere deine Brieftasche und füttere arme Menschen durch.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 11 Tage

@PuggaNagga Schickst du die Ukrainer auch nach Hause?

So ist das
1 Monat 12 Tage

Die Frage wird man wohl mit JA beantworten müssen, denn eine Hungersnot gibt es sicher dank dem Kriegsverbrecher Putin.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 12 Tage

Das sehen Leute wie Hunter natürlich ganz anders!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 12 Tage

Für den Südtiroler wohl nicht, erkennst du hier deutlich. Nur warzm nicht, da will keiner mit der wirklichen Wahrheit raus!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 12 Tage

Die Doppelmoral von einigen Kommentatoren hier ist zum schämen!
Asozial, unmenschlich und heuchlerisch!
Nicht besser als das was Putin in der Ukraine veranstaltet! Oder gibt es einen Unterschied wenn man dir Menschen in Afrika verhungern lässt, im Meer ertrinken lässt, wissentlich zuschaut oder im Krieg erschießt. Da gibt es keinen!

The Hunter
The Hunter
Superredner
1 Monat 12 Tage

wiaviele hoschen du schun sugenummen?? Odor isch dein heiliges getue lei schein?? De wos am lautsten schreien tian am wianigsten

anonymous
anonymous
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

Dann müssen die Bauern so wie früher Gerste U Weizen anbauen, Kartoffeln hat auch bald kein Bauer mehr, Handeln

aschpele
aschpele
Tratscher
1 Monat 12 Tage

@ano
Kann man die öffentlichen Grünflächen schon reservieren?

Vonmiraus
Vonmiraus
Tratscher
1 Monat 12 Tage

@anonymous
Ach so, jetzt wären wieder die Bauern gefragt?! Aber das “giftuge” Zeug das sie produzieren, werdet ihr wohl nicht essen wollen?
Noch etwas, schreibt ihnen auch jemand vor, was sie zu tun und zu lassen haben?🤦‍♂️😡

Kingu
Kingu
Superredner
1 Monat 12 Tage

Bis wir nicht den Sozialstaat abschaffen, wird es sowieso immer weiter gehen. Man hört immer von dem demografischen Wandel, aber Sozialempfänger ändern halt nichts an der Rentensituation. Auch sind wir nicht dafür verantwortlich, dass diese Staaten sich nicht selbst ernähren könne, außer man hätte schon früher alle Hilfsgelder gestrichen.

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 11 Tage

@Kingu Zwei Punkte: Sozialstaat abschaffen und wir sind nicht verantwortlich, dass sich einige Staaten nicht sekbst ernähren können.
Diese beiden Ausagen beweisen, dass du absolut keine Ahnung hast. Ich würde es krasser ausdrücken, denn man muss die Dinge beim Namen nennen aber SN….
Sowas Dummes hab ich hier selten gelesen! Wie überhaupt bei dem Thema, die 5 Hanseln die in einer Gesellschaft wie der unsrigen nichts zu suchen hätten!

inni
inni
Universalgelehrter
1 Monat 12 Tage

“Führt Ukrainekrieg zu neuen Migrationswellen aus Nordafrika?”

… wahrscheinlicher ist eine Militärinvasion aus Russland!

Noggi
Noggi
Tratscher
1 Monat 11 Tage

Ich hab noch nie verstanden warum sich so ein fruchtbarer kontinent nicht selbs ernähren kann? Wüste ist ja nur die hälfte von Afrika….

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

Noggi@

das war nicht immer so, vor allem aber war das nie so schlimm!
Seit sich die Kolonien der kolonialmächte entledigt haben, hungern die Menschen, mehr als je zuvor!! ist halt so….

OrB
OrB
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

Wo sollen all diese Menschen in Europa Platz finden?

Noggi
Noggi
Tratscher
1 Monat 11 Tage

Bitte nicht!

berthu
berthu
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

Ja, wenn die größten Summen für Waffen ausgegeben werden, die nur zerstören und morden, was ist da für den Hunger übrig?
Der Hunger ist dabei nur “eine” billige Waffe.
Die USA, Europa und jetzt auch China beuten Afrikas Wasser, Land, Rohstoffe und die Menschen dort seit Jahrhunderten aus bis aufs Blut.

Entequatch
Entequatch
Tratscher
1 Monat 11 Tage

Afrika wird als Kornkammer der Welt bezeichnet, ein großer Teil liegt am Equator …. wieso wenden sich die afrikner nicht an die eigenen direkten nachbarn, das land ist fruchtbar. Jeder kann sein ganzes Gehalt spenden oder ein Unternehmen gründen um den Mensche eine anständige Arbeit zu geben. Aber nein, ist viel einfacher zu jammern ……

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