Brüder Italiens prangern"österreichische Arroganz" an

Doppelpass – Kurz: “Kein Grund zur Aufregung in Italien”

Dienstag, 18. September 2018 | 07:10 Uhr

Nachdem Italiens Außenminister Enzo Moavero Milanesi aus Protest wegen Österreichs Plänen in Sachen Doppelpass für Südtiroler ein bilateralen Treffen in Wien mit Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) abgesagt hat, bemüht sich Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zu kalmieren. “Es besteht kein Grund zur Aufregung für Italien”, sagte der Kanzler am Dienstag im Gespräch mit Journalisten in Rom.

“Es besteht der starke Wunsch vieler Südtiroler nach einem Doppelpass. Dieser Punkt ist im Regierungsprogramm festgesetzt. Wir haben stets klar gesagt, dass wir in Abstimmung mit Rom vorgehen werden. Es besteht kein Grund zur Aufregung für Italien”, meinte Kurz.

Es gebe noch keinerlei Gesetzentwurf in Sachen Doppelstaatsbürgerschaft. Sobald dieser vorliege, werde man einen Diskussionsprozess mit Rom starten. Es sei jedoch noch nicht soweit.

Italiens Rechtsparteien attackieren Kurz

– Wenige Stunden vor dem Treffen von Bundeskanzler Sebastian Kurz (FPÖ) und Italiens Premier Giuseppe Conte am Dienstag in Rom wächst die Kritik der rechten Parteien gegen die ÖVP-FPÖ-Bundesregierung wegen der Pläne zur Einführung eines Doppelpasses für Südtiroler.

Die rechtskonservative Forza Italia begrüßte die Entscheidung von Italiens Außenminister Enzo Moavero Milanesi, nicht zu einem bilateralen Treffen mit Amtskollegin Karin Kneissl (FPÖ) zu kommen. Angesichts der “kühnen Initiative” Österreichs sei ein solcher Protest angebracht, erklärte der Forza-Italia-Senator Maurizio Gasparri. “Österreichs Pläne müssen entschieden abgelehnt worden”, schrieb Gasparri in einer Presseaussendung.

Die postfaschistische Partei Brüder Italiens (Fratelli d’Italia/FdI) kritisierte die “wiederholten Einmischungen” von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in den Südtiroler Landtagswahlkampf. Mit seinem Besuch in Bozen am Freitag habe Kurz versucht, die Südtiroler Volkspartei (SVP) zu unterstützen und somit die Wahlkampagne zu beeinflussen. Diese Einmischung sei “unerträglich” und nähre längst begrabene Spannungen zwischen der deutschsprachigen und der italienischen Gemeinschaft in Südtirol, so der Fraktionschef der FdI in der italienischen Abgeordnetenkammer, Francesco Lollobrigida.

“Wir hoffen, dass Premier Conte sich an Außenminister Moavero Milanesi ein Beispiel nimmt und den Interessen Italiens Geltung verschafft. Es soll ein für alle Mal klar sein, dass Südtirol italienisch ist. Noch kein ausländischer Regierungschef ist bisher in den Wahlkampf gezogen, um eine Partei zu unterstützen”, so Lollobrigida, der von “unerträglicher österreichischer Arroganz” sprach. “Italiens Grenzen sind heilig”, sagte der rechte Politiker.

Rom kritisiert anachronistischen Revanchismus

Auch das italienische Außenministerium verschärft den Druck gegen Österreichs Pläne zur Einführung eines Doppelpasses für Südtiroler. Als “anachronistischen Revanchismus” werden die  Pläne der Bundesregierung in Wien bezeichnet.

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, in dessen Folge Südtirol zu Italien kam, würden Österreichs Pläne, “den Charakter eines anachronistischen Revanchismus” bekommen, hieß es in einer am Montagabend veröffentlichten Presseaussendung des italienischen Außenministeriums.

Eine “einseitige Initiative” Österreichs in Sachen Doppelpass wäre laut der Presseaussendung “unangebracht” vor allem angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen in Südtirol. Die Pläne der Regierung in Wien seien “schwer begreifbar”, vor allem wenn man bedenke, dass Österreicher und Italiener die gemeinsame EU-Staatsbürgerschaft teilen. “Es ist wirklich seltsam, dass eine Initiative dieser Art in einem Land – Österreich – diskutiert wird, das den EU-Ratsvorsitz innehat”, hieß es in dem Schreiben.

Wegen Österreichs Plänen in Sachen Doppelpass wird der italienische Außenminister Enzo Moavero Milanesi daher nicht zu einem bilateralen Treffen in Wien kommen, das Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) plane. Ein Klima des “gegenseitigen Vertrauens”, eine “unentbehrliche Bedingung für das Gelingen dieser Art von Treffen”, sei derzeit nämlich nicht vorhanden, hieß es.

Kurz wird am Dienstag ein Arbeitsgespräch mit dem italienischen Regierungschef Giuseppe Conte in Rom führen. Hauptthemen der Gespräche werden nach Angaben des Bundeskanzleramts die Vorbereitung des informellen Gipfels der EU-Staats- und Regierungschefs am 19. und 20. September in Salzburg sowie die EU-Afrika-Politik sein, wie schon zuvor bei den Besuchen von Kurz in Madrid, Berlin und Paris. Österreich hat rund um die Doppel-Pass-Pläne betont, im Einvernehmen mit Rom vorzugehen und keine einseitigen Schritte zu setzen.

Von: apa

Kommentare

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30 Kommentare auf "Doppelpass – Kurz: “Kein Grund zur Aufregung in Italien”"


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bern
bern
Superredner
1 Monat 2 Tage

Lasst die italienischen Brüder reden, Österreich braucht deren Zustimmung nicht. Italien hat den Doppelpass auch ohne das Einverständnis von Slowenien an die dortigen Italiener vergeben.
Den Italienern ist jedes Mittel recht um von den eigenen Problemen abzulenken und um die Südtiroler zu schädigen.

alla troia
alla troia
Tratscher
1 Monat 2 Tage

deren Ängste möchte ich nicht haben 😂

Ralph
Ralph
Superredner
1 Monat 2 Tage

wenn die ital rechtsparteien dagegen sind dann kann kurz nur richtig liegen

Seidentatz
Seidentatz
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage

@Bern, genau. Was sie für ihre Landsleute  beanspruchen wollen sie uns nicht zugestehen. Österreich soll genau so vorgehen wie die Italiener in Slowenien und passt. Aufpassen müssen wir nur ob die ganze Geschichte nicht nur ein SVP – Wahlmanöver ist. So nach dem üblichen Motto: Wir müssen zusammenhalten sonst gehen wir unter. Und nach den Wahlen sind wir wieder die Lackierten.

MayerSepp
MayerSepp
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage

Süd-Tirol wurde widerrechtlich und unter klarem Verstoß gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker vom Vaterlande abgetrennt. Daß es in Kürze dorthin zurückkehren wird, ist, wenn die Süd-Tiroler dies auch mehrheitlich selbst wollen, keine Frage des “ob”, sondern nur noch des “wann”.

gapra
gapra
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

@MayerSepp Liebe Grüße von der Krim….

ivo815
ivo815
Kinig
1 Monat 2 Tage

Das „Vaterland“ hat den größten Krieg der Menschheitsgeschichte angezettelt, geführt und verloren, lieber Sepp. Deshalb wurde aus Tirol ein Süd minus Tirol, wie du richtig schreibst

Aurelius
Aurelius
Superredner
1 Monat 2 Tage

MayerSepp

Du träumst ja von Weisswürsten

m69
m69
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

@ivo815 

Welches Vaterland? Österreich????

Ich glaube da muss jemand in Geschichte nachsitzen!  

m69
m69
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

@gapra 

die Krim ist ein schönes Fleckchen, das haben mir immer die Kollegen von früher gesagt!

Schön dass Sie dort waren gapra@!   😁😅

m69
m69
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

MayerSepp@

Hallo Sepp! 

Das Träumen kann und darf Ihnen niemand verbieten!!!!

Zurzeit sieht es aber mit der Heimkehrung aber schlecht aus!

Staenkerer
1 Monat 2 Tage

mit den ausgeposche worn ober boade seitn einverstondn, wenn i mi nit täusch???
de italiener hobns nit gstohln, sondern gschenkt gekrieg fürs mitmochn, warum hatn se oblehnen gsollt?

Surfer
Surfer
Superredner
1 Monat 2 Tage

Die Faschisten sollen mal schön still sein! Ich hoffe aber dass sich die Wähler nicht blenden lassen weil das ist nur Wahlkampf pur was hier von Seiten der SVP betrieben wird!

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Ja, es ist Vorwahlzeit, unsere Parteien betreiben Wahlkampf. Bloß nicht hinhören, sonst wird man nur enttäuscht.

Surfer
Surfer
Superredner
1 Monat 2 Tage

@Neumi und mit dem Doppelpass könnten die Südtiroler in Österreich wählen, wen wohl hat sich der Basti gedacht….😉

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
1 Monat 9 h

@Surfer Von den meisten Wahlen wären wir (zurecht) ausgeschlossen. Nur einige wenige würden zur Verfügung stehen.

Stolzz
Stolzz
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage

Sepp Kusstatscher hat kürzlich gesagt, er träume von einer europäischen Republik mit starken Regionen ohne Nationalstaaten und ohne Grenzen. Diesen Traum möchte ich mitträumen. In der Realität gibt es nämlich noch einen erschreckenden Nationalismus.
Vieler italienischer Politiker Einstellungen nach könnte erst gestern der Erste Weltkrieg geendet haben. 

Aurelius
Aurelius
Superredner
1 Monat 2 Tage

Stolzz

nicht nur Italiener,

Leonor
Leonor
Superredner
1 Monat 2 Tage

In Südtirol ist in den vielen Jahren zunehmend italienisiert worden. Früher war deutschsprachigen Bevölkerung mächtig, und heute? Da musst du schon glei überall umhören dass sie zunehmend italienisch gesprochen wird. Das ist traurig, obwohl viele der deutschen Muttersprache angehören.

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Wahlkampf ist doch immer wieder lustig.
Dass auch von Italiens Führung gesagt wird “wir werden sicher eine Lösung finden”, wird natürlich nicht erwähnt.

wellen
wellen
Superredner
1 Monat 2 Tage

Jetzt wird es interessant: die Südtiroler Rechten vertun es sich mit ihren italienische rechten fratelli. Und die Kneissl die vor Putin knickst, schaut blöd aus der Wäsche. äh Dirndl, weil ihr ital. Kollege Moavero sie sitzen lässt. Jetzt hat sogar Kompatscher ein Problem nicht nur die ewiggestrigen hier. Geschichte geht halt nie rückwärts. Ans Meer fahren und schön Pizza bestellen auf italienisch, dann ist gut und Schluss.

andr
andr
Superredner
1 Monat 2 Tage

Ins megnse gern die walschn😀😀😂😂

Gagarella
Gagarella
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Ich sage es immer, und immer wieder. Geht es um Süd-TIROL ist Italien Quer durch die Bank“ Sich einig ob Grün,Blau,Braun,Schwarz oder Rot, gemäsigte oder Faschisten, NationalistenMit denen wird es keine Einigung geben. Also muss unser Vaterland Österreich eine härtere Gangart einlegen,oder man lässt Italien Rechts liegen!

Eppendorf
Eppendorf
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Kurz bemüht sich zu “kalmieren”? Ist der Journalist ein Leiferer?

Karl
Karl
Superredner
1 Monat 2 Tage

Allein am Spuch dass Italiens Grenzen heilig seien sieht man wieviel IQ in diesen Spatzengehirnen Platz hat. :-)))))

Flaschenpost
Flaschenpost
Tratscher
1 Monat 2 Tage

wenn Neofaschisten bzw. Postfaschisten und sonstige Tolomei-Verehrer und diverse Rechte/Rechtsradikale, sowie Linke und Linksradikale gegen den Doppelpass sind ——> dann ist der Doppelpass genau richtig!!!!

Der Doppelpass ist für diese ehrenwerten Leute wie ein Stachel im Fleisch.
Die Italienisierung hat nicht den gewünschten totalen Erfolg gebracht, und nun auch noch der Doppelpass …
NEIN, NEIN, NEIN, das darf nicht sein!! Und da sind Postfaschisten und Grüne, Links- und Rechtsradikale einer Meinung!
NEIN, NEIN, NEIN!!!

PS: Zu blöd dass die FPÖ der Lega Nord (in Brüssel) nicht ganz egal sein dürfte …

A1a
A1a
Neuling
1 Monat 2 Tage

Was sollen diese Streitereien wegen dem Doppelpass? Die ihn beantragen, haben dann halt einen österreichischen und einen italienischen Pass. Die bleiben ja trotzdem in Südtirol und zahlen dort die Steuern für Italien. 
Den Doppelpass sollten alle bekommen, deren Vorfahren vor 1918 österreichische Staatsbürger waren. So viele werden ihn sowieso nicht beantragen.

Schnuggi
Schnuggi
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage

Jo de walschn Politiker sein holt ols lai Faschisten wos sich do übern Doppelposs so aufregen !!!

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 2 Tage

kurz Wird Sie schon noch kennen lernen.Das musste so manch Einer,Ders nicht glauben wollte.

mandorr
mandorr
Tratscher
1 Monat 2 Tage

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