Italienische Gewerkschaften reagierten kritisch

Dorotheum übernimmt Pfandleihegeschäft von UniCredit

Donnerstag, 30. November 2017 | 14:40 Uhr

Das Dorotheum übernimmt von der Bank-Austria-Mutter UniCredit deren Pfandleihegeschäft. Beim Mitte 2018 zu erwartenden Abschluss des Geschäfts sind 141 Mio. Euro fällig. Nach drei Jahren sei eine Nachzahlung von 10 Mio. Euro möglich, teilte die UniCredit am Donnerstag mit. In Italien reagieren Gewerkschaften kritisch auf den Beschluss, das Pfandhaus “Monte di Pieta” an das Dorotheum zu verkaufen.

Die italienische Großbank UniCredit erwartet daraus einen Gewinnbeitrag von 100 Mio. Euro und vier Basispunkte mehr Eigenkapital (CET 1). Das Dorotheum werde eine neue Finanzgesellschaft aufstellen, in die das Pfandleihegeschäft der UniCredit eingebracht werde, heißt es in der Aussendung der UniCredit zur Bekanntgabe der Unterzeichnung einer verbindlichen Vereinbarung mit dem Dorotheum. Das Ziel sei die Expansion nach ganz Italien unter Nutzung ihrer Erfahrung in Europa. Mit diesem Schritt werde das Dorotheum der größte Anbieter in Europa. Vonseiten des Dorotheums gibt es zum jetzigen Zeitpunkt keinen Kommentar.

Die italienischen Gewerkschaften reagieren kritisch auf den Beschluss. Das aus dem 17. Jahrhundert stammende Pfandhaus Monte di Pieta mit Sitz in Rom zählt italienweit 35 Filialen, die sich mit pfandgebundenen Krediten beschäftigen. 33.000 Mikrokredite werden durchschnittlich monatlich vergeben. Das Dorotheum übernimmt laut italienischen Gewerkschaftsangaben Kredite in Höhe von 200 Mio. Euro, die das italienische Pfandhaus bei Kunden aushaftend hat. Die Darlehenslaufzeiten reichen von drei Monaten bis zu einem Jahr.

Das Dorotheum übernimmt auch den prestigereichen Sitz des Monte di Pieta im Herzen Roms. Dabei handelt es sich um einen 2012 restaurierten Palazzo, in dem das Pfandhaus seit 1604 untergebracht ist. Dieses war 1937 von der Banca di Roma übernommen worden, die sich UniCredit 2007 einverleibt hat.

Die Gewerkschaften bemängelten, dass das Pfandhaus verkauft worden sei, ohne sie und die Arbeitnehmer zu informieren. Gerüchte über die UniCredit-Pläne zur Veräußerung des Pfandhauses kursierten bereits seit Monaten. Die Gewerkschaften erklärten sich über negative Auswirkungen auf die Arbeitsplätze besorgt.

Während der langen Phase der Wirtschaftskrise sei das Pfandhaus im Kampf gegen Wucher und illegale Finanzierungsformen besonders wichtig gewesen. Das Pfandhaus ermögliche einen transparenten und geregelten Kreditzugang für Personen, die wegen vorübergehender Schwierigkeiten liquide Mittel benötigen.

“Die antike Funktion des Pfandhauses hat sich in der Zeit nicht geändert. Seine Kunden sind heute nicht mehr Bürger am Rande der Gesellschaft, sondern Arbeitnehmer, Familien, Kleinunternehmer und Kaufleute, die Kredite brauchen”, hieß es.

UniCredit, die im Frühjahr eine Kapitalerhöhung von 13 Mrd. Euro zur Stärkung ihrer Kapitaldecke unter Dach und Fach gebracht hat, hat sich zuletzt von mehreren Assets getrennt, wie etwa Beteiligungen an der polnischen Pekao-Bank und der Online-Bank Fineco sowie dem Vermögensverwalter Pioneer.

Von: apa