Pell ist vorerst gegen Kaution auf freiem Fuß

Ehemaliger Papst-Vertrauer Pell wegen Missbrauchs verurteilt

Dienstag, 26. Februar 2019 | 17:38 Uhr

Als bisher ranghöchster katholischer Geistlicher ist der bisherige Finanzchef des Vatikans, George Pell, wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt worden. Der Australier wurde von einem Gericht in Melbourne in erster Instanz für schuldig befunden, sich in den 1990er-Jahren an zwei 13-jährigen Buben vergangen zu haben. Damals war er dort Erzbischof.

Für Papst Franziskus ist die Verurteilung Pells kurz nach dem großen Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan eine weitere Hiobsbotschaft. Der Vatikan will mit möglichen Konsequenzen in dieser Sache allerdings warten und verwies auf ein anstehendes Berufungsverfahren.

Zunächst muss das genaue Strafmaß für Pell festgelegt werden. Vermutlich geschieht dies Mitte März. Pell drohen insgesamt bis zu 50 Jahre Haft. Über seine Anwälte wies er am Dienstag abermals alle Vorwürfe zurück. Die Entscheidung gegen den Kurienkardinal erging bereits im Dezember, wurde bisher aber unter Verschluss gehalten. Wegen einer Anordnung des Gerichts durfte darüber nicht berichtet werden. Am Dienstag hob die Justiz diese Nachrichtensperre auf.

Als Finanzchef war der Australier praktisch die Nummer drei des Vatikans. Pell gehörte auch zu den engsten Beratern des Papstes. Wegen der Vorwürfe hatte er sich im Sommer 2017 beurlauben lassen. Seither lebt er wieder in seiner Heimat Australien, im Vatikan war er nicht mehr. Seine fünfjährige Amtszeit als Präfekt des Wirtschaftssekretariats – so der offizielle Titel – ist seit diesem Sonntag eigentlich regulär vorbei. Allerdings hat der Vatikan bisher nicht offiziell gemacht, dass Pell das Amt nicht mehr innehat. Einen Nachfolger für das wichtige Amt hat der Papst noch nicht ernannt. Unklar ist, ob Pell Kardinal und Priester bleiben darf.

Allerdings erklärte Papstsprecher Alessandro Gisotti am Dienstag, dass der Vatikan auf das Berufungsverfahren warten werde. Pell habe “das Recht, sich bis in die letzte Instanz zu verteidigen”. Gisotti sprach dennoch von einer “schmerzhaften Nachricht”. Bereits verhängte Maßnahmen würden weiterhin gelten, sagte Gisotti. Pell dürfe – “bis die Fakten definitiv geklärt sind” – weder sein Priesteramt öffentlich ausüben noch Kontakt mit Minderjährigen haben.

Für Franziskus hängt seine Glaubwürdigkeit auch vom Umgang mit dem Fall Pell ab, zumal der Pontifex beim großen Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan erst am Sonntag eine harte Hand gegen Täter und Vertuscher angekündigt hatte.

Das Urteil gegen Pell stammt bereits vom 11. Dezember. Alle zwölf Geschworenen waren sich einig. Gegen Kaution ist Pell jedoch auf freiem Fuß. An diesem Mittwoch muss er zu einem weiteren Termin vor Gericht. Dabei könnte seine Inhaftierung beschlossen werden. Die Verteidigung hat bereits Berufung eingelegt. Pells Anwalt Paul Galbally erklärte: “Kardinal Pell hat immer seine Unschuld beteuert. Das macht er auch weiterhin.”

Gegen Pell gibt es bereits seit Jahren verschiedene Missbrauchsvorwürfe. Die Fälle, wegen denen er nun verurteilt wurde, reichen bis in die Jahre 1996/97 zurück. Demnach zwang er einen 13-jährigen Buben nach einem Sonntagsgottesdienst zum Oral-Sex und belästigte einen anderen ebenfalls. Einige Monate später soll er einen der Buben erneut bedrängt haben. Eines der Opfer, ein inzwischen Mitte 30 Jahre alter Mann, sagte vor Gericht als Belastungszeuge aus. Das andere Opfer ist tot.

Ursprünglich hätte sich der Kardinal wegen anderer Vorwürfe, die bis in die 1970er-Jahre zurückreichen, einem weiteren Verfahren stellen sollen. Damit wurde bisher auch die Nachrichtensperre begründet. Die Justiz wollte damit verhindern, dass das zweite Verfahren beeinträchtigt wird. Die Staatsanwaltschaft verzichtete nun jedoch darauf, weitere Vorwürfe vor Gericht zu bringen. Damit war der Weg für die Aufhebung der Nachrichtensperre frei.

Nun muss sich auch Australiens oberster katholischer Bischof, Mark Coleridge, wegen einer nicht näher bekannten Anschuldigung im Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen kirchlichen Ermittlungen stellen. Coleridges frühere Erzdiözese habe die Untersuchungen angestrengt, nachdem sich eine Frau über Coleridge beschwert habe, berichtete der australische Sender ABC am Dienstag.

Die Frau hatte den damaligen Erzbischof von Canberra und Goulburn nach eigenen Angaben im Jahr 2006 getroffen, um Vorwürfe sexuellen Missbrauchs an Kindern zu besprechen. Eine von ihr geäußerte Beschwerde habe Coleridge abgewiesen, sagte sie. Worum es in der Beschwerde ging und gegen wen sich die Vorwürfe richteten, ist bisher offen.

Ein Sprecher der Erzdiözese erklärte der Deutschen Presse-Agentur, eine Untersuchung sei eingeleitet worden, nachdem die Kirche vor ein paar Monaten von den Behauptungen Kenntnis erhalten habe. Coleridge habe bei den Ermittlungen kooperiert und die Anschuldigungen “stark widerlegt”. Die Frau habe sich dann entschieden, die Vorwürfe an die Medien heranzutragen.

Coleridge ist seit 2012 Erzbischof von Brisbane und Präsident der nationalen Bischofskonferenz Australiens. Beim Anti-Missbrauchsgipfel der katholischen Kirche im Vatikan hatte er jüngst von einer “kopernikanischen Revolution” gesprochen, die angesichts der Missbrauchsskandale nötig sei, um als Kirche aus der Krise zu finden.

Die katholische Kirche steht wegen Missbrauchsvorwürfen in zahlreichen Ländern unter Druck. Zum Abschluss eines Anti-Missbrauchsgipfels im Vatikan hatte Papst Franziskus am Sonntag versprochen, dass solche Fälle nicht länger vertuscht würden. In der Kritik kam der Pontifex allerdings, weil der Abschluss des Treffens mit den Spitzen der katholischen Kirche recht vage blieb.

Von: APA/ag

Kommentare

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27 Kommentare auf "Ehemaliger Papst-Vertrauer Pell wegen Missbrauchs verurteilt"


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Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
27 Tage 25 Min

Es stellt sich mir wieder mal die Frage: was machen diese Herren, wenn sie mal vor ihrem himmlischen Schöpfer stehen? Es geht hier ja nicht um die kleinen, alltäglichen Sünden, sondern um wirklich schlimme Straftaten, wo sie nicht einmal Reue und Einsicht zeigen.

Tabernakel
26 Tage 22 h

Was machst Du wenn Du vor Deinem Schöpfer stehst?

fritzol
fritzol
Superredner
26 Tage 22 h

waltraud@
glaubst du immer noch wirklich das es einen schöpfer gibt. wenn schon dann hätte er
längst eingreifen müssen und solche christlichen würdenträger zu sich holen um die unschuldigen zu schützen. die kirche ist auch nur eine sekte wo die ganz oben sich im wohlstand sonnen der kleine hat hier die hölle und dann das paradies. will zu lebzeiten paradies und dann die hölle bitte lieber herrgott 😀😀😀😀

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
26 Tage 21 h

@Tabernakel
Soweit bin ich (hoffentlich) noch nicht.

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
26 Tage 20 h

@fritzol
Als Boten Gottes auf Erden müssen sie doch glauben. Sonst…
Beruf, oder Berufung verfehlt.

kleinerMann
kleinerMann
Superredner
26 Tage 20 h

Wer ist mein Schöpfer ? Ich bin alleine gekommen und werde auch alleine gehen . . Tabi – es ist wie mit dem Weihnachtsmann . . . es gibt keinen Schöpfer !

fritzol
fritzol
Superredner
26 Tage 20 h

@Tabernakel
was du tust weiß ich jetzt schon.gscheide sein und olm recht hobn Tabi

fritzol
fritzol
Superredner
26 Tage 20 h

@Waltraud
also überzeugt das es gott gibt !oder ?

Tabernakel
26 Tage 20 h

Geht manchmal schnell.

Tabernakel
26 Tage 20 h

Wenn Du Dich nicht erinnerst wer Dich aus dem Froschtümpel geschöpft hat…

Mistermah
Mistermah
Kinig
26 Tage 19 h
was ist der schöpfer überhaupt? ein wesen, ein geist, bewusstsein, struktur, ein gesetz, nichts, alles …? ihr macht aussagen über etwas was euer verstand gar nicht begreifen kann. was war vor dem urknall, vor gott? vorher kommt alles? in dem gefägnis der 4 dimensionale raumzeit, ist dies schwer zu begreifen. erst mit der 5. 6. dimension bekommt man einen schimmer … die frage des sinns …. gibt es keinen, ist alles eh egal. der tod ist das ende, hat keine konsequenzen. dann frage ich mich warum 7 mrd überhaupt leben wollen, ändert ja nichts. dann kann man gleich tun und… Weiterlesen »
Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
26 Tage 19 h

@fritzol
Ja, davon bin ich überzeugt. Nur sein Bodenpersonal macht mir Probleme. Obwohl ich in der Schule nur gute Priester hatte.

silas1100101
silas1100101
Superredner
26 Tage 19 h

Was ist mit den ca 500 Abtreibungen in Südtirol?? Das ist schließlich Mord!! Darüber wird nie gesprochen!

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
26 Tage 12 h

@silas1100101
Abtreibung ist immer die schlechteste aller Möglichkeiten. Aber wo setzen wir an? Ich denke, keine Frau macht das einfach aus Jux und Tollerei.

Bella Bionda
Bella Bionda
Tratscher
26 Tage 10 h

@kleinerMann

das stimmt mich irgendwie traurig, was Sie da schreiben. Wieso sind Sie alleine gekommen und wissen jetzt schon, dass Sie alleine gehen werden? Sie müssen ja nicht an den Weihnachtsmann glauben, aber irgend etwas wird es doch hoffentlich in Ihrem Leben geben, an das Sie glauben. An die Liebe, an die Hoffnung, an das Leben. Haben Sie keine Werte im Leben vermittelt bekommen? Sitten, Bräuche, Rituale innerhalb Ihrer Familie? Und wenn Sie nur glauben, dass morgen die Sonne scheint 😊

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
26 Tage 1 h

@Bella Bionda
👍Grossartig rübergebracht.

efeu
efeu
Superredner
24 Tage 23 h

@Mistermah
wenn es einen Schöpfer geben würde dan kann er nicht zulassen dass soviel Elend auf dieser Welt geschied.

Interesse
Interesse
Neuling
26 Tage 23 h

gonz richtig so,jeder der an kind sowos untuat, soll dafür zur Rechenschaft gezogn werdn!

Tabernakel
26 Tage 22 h

Nicht nur bei Kindern.

andr
andr
Superredner
26 Tage 22 h

in der Kirche scheint Kindesmissbrauch Normalität zu sein diese zynische Art ist unerträglich ich habe gegessen

Mistermah
Mistermah
Kinig
26 Tage 19 h

nicht nur in der kirche

Paula
Paula
Grünschnabel
26 Tage 20 h

Unerträglich, dass diese “Christen” sich noch im Spiegel anschauen können. Und dennoch halten sie sich für unfehlbar. Für das was diesen Kindern angetan wurde und auch heute noch angetan wird ist keine Strafe zu gering. 

Mistermah
Mistermah
Kinig
26 Tage 19 h

das sind keine christen

werner66
werner66
Superredner
26 Tage 21 h

Jesus hat uns ja gewarnt: Hütet euch vor den Pharisähern und Schriftgelehrten!

Mutti
Mutti
Superredner
26 Tage 16 h

Wenni schun lei les, af Kaution frei,…. Selche selln hort bestraft werdn und nie mehr in Freiheit kemm

gunther
gunther
Grünschnabel
26 Tage 14 h

Kindes Missbrauch gibt es leider überall und wenn ihr eure billige Jeans Hose anschaust kannst zu hundert ,%sicher sein das kleine Kinder die nie erwachsen werden weil dann schon tot gemacht worden ist …..natürlich rechtfertigt das nicht das Verhalten von geistigen führen in jeder Religion

wellen
wellen
Superredner
25 Tage 14 h

Wieso werden die ” Würdenträger” nicht vor ein normales weltliches Gericht gestellt wie jeder andere Bürger auch?

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