Bei Buffon flossen nach dem Quali-Aus die Tränen

Ein Abschied inmitten von Tränen – Buffon sagt “Addio”

Dienstag, 14. November 2017 | 14:05 Uhr

Wenn einer wie Gianluigi Buffon “Addio” sagt, ist das zwangsläufig ein bittersüßer Moment. Doch am Montagabend endete in Mailand eine Jahrzehnte dauernde Nationalmannschafts-Karriere im Schmerz. Und mit dem legendären Fußball-Tormann weinte ganz Italien, das erstmals seit der Endrunde 1958 in Schweden im kommenden Jahr nur WM-Zuschauer ist.

Immer wieder rieb er sich die Augen, als könnte er nicht glauben, was wenige Minuten zuvor passiert war. Seine Stimme war brüchig, er mied den Blick in die Kamera und in die Augen des Reporters. “Wir sind gescheitert”, sagte ein untröstlicher Buffon, der erst am 23. Oktober von der FIFA als Welttorhüter des Jahres ausgezeichnet worden war. Drei Wochen später erlebte er mit dem torlosen Remis gegen Schweden und dem Verpassen der WM-Qualifikation den schlimmsten Moment seiner Teamkarriere.

Unmittelbar nach dem Scheitern gab Buffon seinen Rücktritt aus der “Squadra” bekannt, in der er vor fast genau 20 Jahren – am 29. Oktober 1997 – als 19-Jähriger sein Debüt gegeben hatte. “Gigi” hütete unter insgesamt acht Teamchefs das Tor der “Azzurri”. Ex-Coach Cesare Prandelli bezeichnete den Routinier als “Kapitän und Vorbild”, Buffon strahle Ruhe aus und wisse die Mannschaft zu motivieren. 2006 markierte der Weltmeistertitel durch den Finalsieg gegen Frankreich im Elfmeterschießen von Berlin den Höhepunkt seiner Karriere.

In mehr als über 1.000 Pflichtspielen erlebte der 1,92 Meter große Schlussmann sämtliche Höhen und Tiefen des Sports. Buffon holte Titel und stellte Rekorde auf, durch ungeschickte Wort- und Trikotnummernwahl wurde er aber auch in die Nähe rechtsextremer Sympathisanten gerückt. Ein anderer Skandal drehte sich um ein gekauftes Maturazeugnis. Buffon machte eine Depression durch und verlor als Unternehmer Millionen.

Seinen Reifeprozess während der zwei Jahrzehnte langen Profi-Karriere konnte die Öffentlichkeit live mitverfolgen, sah ihn als große Ikone in der Werbung und zollte ihm Anerkennung, als er 2006 nach dem Zwangsabstieg von Juventus Turin wegen des Manipulationsskandals als stolzer Teamtorhüter in der Serie B Bälle hielt. “Gigi ist der geborene Champion, und das beschränkt sich nicht auf die sportlichen Qualitäten, sondern zeigt sich auch bei seinem Auftreten außerhalb des Platzes”, lobte ihn Teamchef Antonio Conte im Vorjahr im Vorfeld der EM in Frankreich.

Zuletzt fand Buffon, der am 28. Jänner 40 Jahre alt wird, immer wieder ein Wenn-Szenario, um das Karriereende noch ein wenig hinauszuzögern. Die verpasste Qualifikation für seine sechste WM, mit der er alleiniger Rekordmann geworden wäre, brachte nun den Abschied aus dem Nationalteam, den er eigentlich erst nach der WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli 2018) verkünden wollte.

Das K.o. im Play-off gegen die Schweden, die sich im Hinspiel 1:0 durchgesetzt hatten, war bereits die zweite schmerzhafte Niederlage für Buffon in diesem Jahr: Am 3. Juni hatte er mit Juventus Turin in Cardiff durch eine 1:4-Finalniederlage gegen Titelverteidiger Real Madrid den Champions-League-Triumph verpasst. Der Gewinn des wichtigsten Club-Bewerbs war der Tormann-Ikone bisher nicht vergönnt.

Seinen Stolz, seinen Ehrgeiz, aber auch seinen Anstand lebte Buffon den jungen Profis nicht nur im Club, sondern auch im Team vor – etwa als er am Montag mit lautem Klatschen pfeifende Fans während der schwedischen Nationalhymne ermahnte. “Ich hoffe, dass ich wenigstens als Vorbild etwas hinterlassen werde”, sagte Buffon danach. Real Madrids Erfolgstrainer Zinedine Zidane bezeichnete “Super-Gigi” zuletzt als “geborene Führungspersönlichkeit”.

Vor den Play-off-Partien gegen Schweden war es seine Erfahrung, die ihn weder zu maßloser Euphorie noch zu naivem Optimismus bewegte. “Je öfter du gewinnst, desto öfter machst du Fehler, desto mehr lernst du, desto reifer wirst du”, gab Buffon nüchtern zu Protokoll. Auch deshalb war er bis Montag unumstrittener Anführer der Squadra, die nun ohne ihn auskommen muss.

In seinem schmerzerfüllten Gesicht bei der Verkündung des Teamrücktritts dürften sich viele Italiener wiedergefunden haben. “Tuttosport” schrieb treffend: “Die Tränen des Capitano – die letzten in azurblau – sind die aller italienischen Fans.”

Von: APA/dpa

Kommentare

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28 Kommentare auf "Ein Abschied inmitten von Tränen – Buffon sagt “Addio”"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Sun
Sun
Tratscher
9 Tage 10 h

Der italienische Fussball, lahmt gleich wie die Wirtschaftsleistung. Reformstau macht sich jetzt auch bei den Tifosi bemerkbar.
Ich empfehle einmal kräftig auf die Trändendrüse drücken und ein Jahr lang Staatstrauer. Als Schmerzensgeld gibts eine Lohnerhöhung
vom Staat ,im Notfall mit einer neuen Steuerreform.

Enrique
Enrique
Grünschnabel
9 Tage 9 h

wieso vogleichsch du fuißboll mit do wirtschoft? i glab du hosch thema vofalt. ungenügend.

Sun
Sun
Tratscher
9 Tage 8 h

@Enrique in Trauerstimmung kann man keine Zusammenhänge
erkennen. Das geht vorüber.

Tabernakel
9 Tage 6 h

Warum versuchst Du hier Dein nationalistisches Süppchen zu lochen?

urban
urban
Tratscher
9 Tage 5 h

die deutschfanaten blärn is gonze johr.
irgend an grund finden sie immer über die italienische politik zu meckern und eiern und geign, das liegt in den genen bestimmter personen.

Sun
Sun
Tratscher
9 Tage 4 h

@Tabernakel weil ich wusste, dass dann dein Taber n(w)ackelt.

Enrique
Enrique
Grünschnabel
8 Tage 23 h

@Sun
du wersch wol a sella schitze mit an tiofa glegn gölfe sein

bern
bern
Tratscher
8 Tage 14 h

Wer will noch bei dem Haufen sein?
Der FC Südtirol sollte seine italienischen Spieler zur Verfügung stellen und in Zukunft mit deutschen in der österreichischen Liga spielen.

kratzer
kratzer
Neuling
9 Tage 10 h

gigi du bisch uandr vi di gonz groassn

geronimo
geronimo
Superredner
9 Tage 8 h

Addio Buffon, du warst einer der Besten!

witschi
witschi
Universalgelehrter
9 Tage 9 h

ok, sympatischer und guater goalie, ober mit 39, dai dai, loss amol die jungen zui

Willi
Willi
Tratscher
9 Tage 6 h

sog mir welchen jungen, isch mit sekne 39 olm no um längen besser als die jungen

Gagarella
Gagarella
Universalgelehrter
9 Tage 7 h

Und die Etsch führt Hochwasser, vor lauter Geheule. Und was gibt es Heute bei IKEA zu Essen? Natürlich Pizza und Spaghetti.👍

typisch
typisch
Superredner
9 Tage 6 h

das sind emotionen die es im deutschen fußball nicht mehr gibt

Ewa
Ewa
Tratscher
9 Tage 6 h

Für mich war er einer der besten und charakterlich größten Weltfußballer der Welt.
Ein sympathischer, stets korrekter Sportler. Er wird fehlen.

mannisound
mannisound
Grünschnabel
8 Tage 6 h

versteah net, wer do af minus druckt??..!😥

tommile
tommile
Grünschnabel
9 Tage 8 h

Isch jo la a Spiel. Es isch jo niemand gstorbn

iuhui
iuhui
Superredner
9 Tage 7 h

jo jo, heute sind alle italiener frustriert, traurig, zornig, ohne worte… aber kein problem, morgen haben sie schon alles vergessen und jubeln wieder den 22 Milionäre die einen Ball nachlaufen zu, und die italienische Welt ist wieder heil!

Willi
Willi
Tratscher
9 Tage 6 h

dor oanzige den i no an titel gegönnt het, de verwöhnten riffl miesset man jo jeden oanzeln schmiern, ungfongen ban ventura und olle ibor ihm, beschämend wos de dinger gleistet hobn

Savonarola
Savonarola
Universalgelehrter
9 Tage 4 h

Gestern noch die hochgelobten modernen Ritter und Helden vollerKnete, teuren Autos und den #metoo-Girls, die man aus dem Fernsehen kennt, plärrn sie heute wie die Kinderlein im Kindergarten. Falsche Götzen dieser Zeit!

andr
andr
Tratscher
9 Tage 9 h

die zeit hat sie eingeholt

Savonarola
Savonarola
Universalgelehrter
9 Tage 8 h

man erinnere sich noch zu Parmas Zeiten an sein Trikot mit der Aufschrift “boia chi molla”. Aber das waren nur Jugendsünden und man soll nicht nachtragend sein. Nur bei uns verfolgen sie Leute für so was bis ins Grab hinein.

Surfer
Surfer
Tratscher
9 Tage 3 h

Ciao Gigi!!💪

Jodla
Jodla
Tratscher
9 Tage 4 h

Renzi macht wieder alles gut

oli.
oli.
Universalgelehrter
8 Tage 20 h

Ciao Giggi .

Für Ihn tut es mir sehr leid , es wäre seine 6. WM gewesen , schade 😓.
Jetzt ist es Zeit für einen Neuanfang , Trainer Neu und die gute U21 ins A Team einbauen , sonst sind wir 2022 auch daheim.

FORZA AZZURRI 🇮🇹⚽️💙

Ralph
Ralph
Tratscher
8 Tage 22 h

warum meldet sich santina nicht bei seinem lieblingsthema italia?

Gagarella
Gagarella
Universalgelehrter
8 Tage 7 h

@Ralph  Mit sooooo nassen Augen schreibt es sich schlecht.😭

andr
andr
Tratscher
8 Tage 8 h

hätte er früher einem jungen Spieler Platz gemacht hätte er mit lachendem Gesicht das Feld räumen können ich habe Respekt vor ihm aber das War wohl sein größter Fehler

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