Geschichte eines Versagens und einer angekündigten Tragödie – VIDEO

“Er hatte versprochen, uns alle umzubringen”

Montag, 13. Juni 2022 | 08:05 Uhr

Vicenza – Mehrere Tage nach der schrecklichen Tragödie von Vicenza, bei der vor dem Selbstmord des Täters zwei Frauen ihr Leben verloren, werden Fragen nach einer möglichen Mitschuld des italienischen Justizsystems laut, das einem notorischen und vorbestraften Gewalttäter ermöglicht hatte, sich frei bewegen zu können. Daniele Mondello, der neue Freund von Lidija Miljkovic, die von ihrem Ex-Mann, Zlatan Vasiljevic, ermordet wurde, erhebt schwere Vorwürfe.

Vicenza, una strage annunciata

Vicenza, una strage annunciataZlatan Vasilevic, il femminicida di Vicenza, perseguitava da anni la ex moglie, Lidia Miljkovic, ma nessuno l'ha fermato. Ieri ha ucciso lei e anche Gabriela Serrano, la nuova compagna che tentava di lasciarlo. Poi si è sucidiato.Valeria Papitto per il Tg3 delle 12 del 9 giugno 2022

Posted by Tg3 on Thursday, June 9, 2022

„Ich würde mir wünschen, dass die Richter und Sozialarbeiter zu Lidijas Beerdigung kommen, sich ihren Sarg genau ansehen und den beiden Waisenkindern in die Augen schauen“, so Daniele Mondello. Der Bruder des Inhabers des Cateringunternehmens Food&co, Benedetto Mondello, bei dem Lidija Miljkovic seit acht Jahren beschäftigt war, spricht von einer „angekündigten Tragödie“. „Er hatte versprochen, uns alle umzubringen“, so Daniele Mondello.

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Als der zuständige Voruntersuchungsrichter von Vicenza im Jahr 2019 den Beschluss unterzeichnete, Zlatan Vasiljevic ins Gefängnis zu schicken, hatte er keinen Zweifel. In Anbetracht all der brutalen Übergriffe und Drohungen, die die Frau von ihrem Mann erhalten hatte – er hatte ihr sogar den Schädel eingeschlagen – fand der Richter unmissverständliche Worte.

„Die von Zlatan Vasiljevic gezeigte Haltung macht es zusammen mit seinem Alkoholmissbrauch und seiner Unfähigkeit oder seinem Unwillen, sich selbst in Anwesenheit seiner minderjährigen Kinder zu beherrschen, sehr wahrscheinlich, dass es zu neuen Gewalttaten kommen wird. Seit der Trennung gilt dies umso mehr“, so der richterliche Beschluss.

Wenige Monate später gelang es Zlatan Vasiljevic, dem ein Talent, sich zum eigenen Vorteil zu verstellen, nachgesagt wird, die Gefängnisstrafe zu einem Hausarrest abzumildern. Der bosnische Staatsbürger versprach, an einem persönlichen und sozialen Rehabilitierungsprogramm teilzunehmen. Das war aber nicht alles. Neben dem Annäherungsverbot, das gegen den Bosnier verhängt worden war, wurde auch das alleinige Sorgerecht für die beiden Kinder, das Lidija Miljkovic zunächst zugesprochen war, wieder aufgehoben.

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Seit sie wusste, dass ihr Ex-Mann nicht mehr im Gefängnis saß, fühlte sich die 42-Jährige nicht mehr sicher. Obwohl sie wieder bei ihren Eltern in Schio wohnte, hatte Lidija Miljkovic ständig Angst, das Haus zu verlassen. „Jedes Mal, wenn sie das Haus verließ, war sie angespannt“, erzählt Daniele Mondello. Diese Ängste waren nicht unbegründet. Zlatan Vasiljevic fuhr fort, sie und ihre Familie zu bedrohen und sie im Auge zu behalten. „Er hatte versprochen, uns alle umzubringen“, erklärt Daniele Mondello.

Daniele Mondello und Lidija Miljkovic planten eine gemeinsame Zukunft. Sie hatten eine große Wohnung gefunden, die dem Paar und den beiden Kindern viel Platz geboten hätte. Der Termin beim Notar war bereits gebucht. „Wir hatten uns für den Nachmittag mit dem Notar verabredet. Leider hat er sie fünf Stunden zuvor getötet. Wir haben in einer Zweizimmerwohnung gelebt und es geschafft, sie zu verkaufen und eine größere Wohnung zu erwerben. Die Wohnung in Altavilla Vicentina, in der diese Person gewohnt hat, war zur Versteigerung ausgeschrieben worden. Lidija hat immer gesagt, dass er etwas Schreckliches tun würde, wenn sie ihn endgültig rauswerfen würden. Sie hat leider recht behalten“, erzählt Daniele Mondello mit trauriger Stimme.

ANSA/TOMMASO QUAGGIO

Zlatan Vasiljevic hatte laut den letzten Erkenntnissen die Morde von langer Hand geplant und sich auf dem Balkan die dazu nötigen Waffen verschafft. Um in den Besitz ihres Autos zu gelangen, tötete er zuerst seine letzte Lebensgefährtin, die 36-jährige, ursprünglich aus Venezuela stammende Verkäuferin Gabriela Serrano, mit einem Kopfschuss. Mit der Leiche von Gabriela Serrano auf dem Rücksitz fuhr er ins Wohnviertel, wo seine Ex-Frau arbeitete. Lidija Miljkovic hatte nicht die geringste Chance, den sechs Kugeln zu entkommen. Sein mutmaßlicher Plan, ihre Eltern, ihren neuen Lebensgefährten und vielleicht sogar die beiden Kinder zu ermorden, scheiterte zum Glück. Als er die Ausweglosigkeit seiner Lage einsah, setzte er seinem Leben ein schreckliches Ende. Das Entschärfungsteam der Quästur stellte im Wagen später zwei Pistolen, eine größere Menge dazu passender Munition sowie mehrere Handgranaten sicher.

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„Obwohl er in den letzten Monaten drei Verkehrsunfälle verursacht hatte und ihm nach dem letzten Unfall wegen Trunkenheit der Führerschein entzogen worden war, haben sie immer gesagt, dass er sich beruhigt und einen Weg der Rehabilitation eingeschlagen habe. Lidija hingegen sind sogar Gerichtsspesen und Anwaltskosten in Höhe von 15.000 Euro aufgebürdet worden, die ihr inzwischen erwerbsloser Ex-Mann nie bezahlt hatte. Laut den Behörden hätte sie das Geld von ihm zurückfordern sollen. Wie sollen wir das nennen? Deutet das nicht darauf hin, dass eine Person schrittweise in den Tod getrieben wird? An Hinweisen, Beschwerden und Anzeigen hat es nie gefehlt. Niemand hat einen Finger gerührt, um ihn von ihr fernzuhalten“, erhebt Daniele Mondello schwere Vorwürfe gegen das Justizsystem.

Morti annunciate, la rabbia non basta

Morti annunciate, la rabbia non bastaZlatan Vasiljevic ha ucciso prima Gabriela Serrano, la donna con cui aveva avuto una relazione finita da poco, poi l'ex moglie Lidia Miljkovic. La rabbia del compagno di Lidia: "Tutti sapevano delle violenze, nessuno lo ha fermato".L'inviata Maria Teresa Palamà per il Tg3 delle 19 del 9 giugno 2022

Posted by Tg3 on Thursday, June 9, 2022

„Mal sehen, wer den Mut findet, diesen beiden Waisenkindern in die Augen zu schauen“, so seine traurigen Worte. Um den Fall zu untersuchen, entsandte das römische Justizministerium Inspektoren nach Vicenza.

Von: ka

Kommentare

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6 Kommentare auf "“Er hatte versprochen, uns alle umzubringen”"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Staenkerer
16 Tage 16 h

mein tiefstesitgefühl für den monn, für de kinder und pll de ondern trauernden!

der monn stellt der italienischen, gauner- und verbrecherfreundlichen justiz zurcht a ormutszeignis aus! do ghearn devht einige gutochter, anwälte, richter auf de anklagebank!

Dagobert
Dagobert
Kinig
16 Tage 8 h

Staenkerer
👍👍👏

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
16 Tage 14 h

Das ist leider alltag, zum Glueck passiert das nicht zu oft!!! 

Die Behoerden, was soll man dazu sagen?

ich wuerde gerne was sagen, aber dan wuerde ich wie ueblich gepserrt werden …. 

R.I.P.

Evi
Evi
Universalgelehrter
16 Tage 7 h

Aber doch oft genug 😢

Staenkerer
15 Tage 16 h

i wett des passiert öfter wie man ahnt! man derfrog jo lei de oberste spize des eisbergs, de de in vermeidnaren tragödien enden!

Wunder
Wunder
Tratscher
16 Tage 3 h

Unbegreiflich, einfach nur schrecklich…
Da die irdische Gerechtigkeit versagt hat, ist nun nur mehr auf die kosmische zu hoffen.
Mögen die Opfer ruhen in Frieden

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