Ein Verdächtiger konnte festgenommen werden

Ermittlungen nach Massenpanik in italienischer Disco

Montag, 10. Dezember 2018 | 17:48 Uhr

Die italienische Polizei hat in Zusammenhang mit der Massenpanik in einer Diskothek nahe Ancona, bei der in der Nacht auf Samstag sechs Menschen starben, Ermittlungen gegen insgesamt acht Personen aufgenommen. Zu ihnen zählt auch ein Jugendlicher. Ermittelt wird unter anderem gegen drei Inhaber des Gebäudes, in dem die Diskothek untergebracht ist, und gegen die Betreiber der Lokals.

Der Verdacht lautet auf schwere Fahrlässigkeit, teilte die Oberstaatsanwältin von Ancona, Monica Garulli, bei einer Pressekonferenz in Ancona mit. Die Polizei rief Zeugen auf, sich zu melden und über die Ereignisse in der Unglücksnacht zu berichten.

Bei dem Unglück vor dem Auftritt des italienischen Rapstars Sfera Ebbasta starben fünf Jugendliche und eine Mutter. Dutzende Besucher wurden verletzt. Geprüft wird, ob zu viele Tickets verkauft wurden und ob das Lokal überfüllt war.

Zuvor hatte die italienische Polizei insgesamt drei Jugendliche festgenommen. Dabei handelt es sich um einen 15-Jährigen aus Ancona sowie um zwei weitere Burschen, berichteten italienische Medien. Ihnen wird Drogenbesitz vorgeworfen. Die Ermittler vermuten, dass die drei Verdächtigen einer Jugendbande angehörten, die Disco-Besucher bestahl. Sie könnten Reizgas in der Diskothek verwendet haben, um Chaos auszulösen und dadurch leichter an die Wertsachen der Lokalgäste zu kommen. Der Pfefferspray könnte die Panik in der Disco ausgelöst haben.

Nach der Massenpanik sind am Montag in Italien weitere Pfefferspray-Attacken gemeldet worden. In einer Schule in der lombardischen Stadt Pavia wurde Pfefferspray vor Beginn der Sportstunde gesprüht. 30 Schüler mussten ärztlich behandelt werden. Die Polizei ermittelt. Bildungsminister Marco Bussetti sagte, der Vorfall in der Schule von Pavia sei unannehmbar. “Es wird zu strengen Maßnahmen kommen”.

In der Nacht auf Sonntag sprühte ein 21-Jähriger Pfefferspray in einer Diskothek in Mariano Comense nahe Como. Er berichtete, er habe sich vor einem Angriff verteidigt, was die Polizei nicht bestätigen konnte.

Der italienische Innenminister Matteo Salvini hat unterdessen mit harten Strafen bei Missbrauch von Pfefferspray gedroht. In solchen Fällen sollte es zu Festnahmen kommen, auch wenn Reizgas von Minderjährigen verwendet werde, sagte Salvini laut Medienangaben vom Montag. “Pfefferspray hat viele Frauen vor Vergewaltigungen gerettet, doch Reizgas muss auf intelligente Weise verwendet werden”, betonte Salvini.

Von: apa