Kinder durften das Schiff verlassen

EU lädt für Freitag zu Krisentreffen zu Flüchtlingsschiffen

Donnerstag, 23. August 2018 | 14:41 Uhr

Die EU-Kommission hat Spitzenbeamte (“Sherpas”) von zwölf EU-Staaten zu einem Krisentreffen am morgigen Freitag im Streit um das Flüchtlingsschiff der italienischen Küstenwache “Diciotti” eingeladen. Auch die österreichische EU-Ratspräsidentschaft wird an dem Treffen in Brüssel teilnehmen.

Eine Sprecherin der EU-Kommission erklärte am Donnerstag in Brüssel, das Treffen sei in einem breiteren Kontext zu sehen. Ziel sei es, gemeinsame europäische Lösungen für die Migration zu finden. Die Bemühungen um eine Lösung für die “Diciotti” würden indes fortgesetzt. Italien hat sich in der Angelegenheit an die EU-Kommission gewandt und andere EU-Staaten aufgefordert, ebenfalls Flüchtlinge aufzunehmen. Für die Kommission sei eine rasche Lösung vor allem aus humanitären Gründen erforderlich, damit die mehr als 170 Personen von Bord gehen könnten, betonte ein Sprecher der EU-Kommission.

Bei dem Treffen am Freitag gehe es um die Aufteilung von Verantwortung im Lichte bisheriger EU-Beschlüsse und bisheriger Rettungsaktionen. Da es sich um ein informelles Treffen handle, wolle die EU-Kommission auch keine möglichen Ergebnisse ankündigen.

Insgesamt 29 Kinder haben am Mittwochabend das Schiff der italienischen Küstenwache “Diciotti” verlassen. Die übrigen der insgesamt 177 geretteten Bootsflüchtlinge müssen laut Medienberichten weiter an Bord des Schiffes, das seit Tagen im Hafen von Catania auf eine Lande-Erlaubnis wartet, ausharren. Zwischen Italien und Malta geht indes der Streit um die Aufnahme von im Mittelmeer geretteten Flüchtlingen weiter.

In einem Radiointerview erklärte der italienische Innenminister Matteo Salvini, dass er Australiens harte Einwanderungspolitik als Vorbild sehe: “Mein Ziel ist das australische ‘No Way’-Modell. Kein im Meer geretteter Migrant darf australischen Boden betreten, das soll auch für Italien gelten.” Australien lässt grundsätzlich keine Flüchtlinge ins Land. Stattdessen werden sogar anerkannte Asylwerber in Lagern auf Manus und in Nauru untergebracht. Menschenrechtsorganisationen kritisieren immer wieder die verheerenden Zustände in den Internierungslagern.

Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat wiederholt gefordert, dass sich die EU Australien in der Einwanderungspolitik zum Vorbild nehmen solle.

Von: apa