"Es fehlt an einer Gesamtvision"

EU macht Druck auf Rom wegen Hochgeschwindigkeitsstrecke TAV

Freitag, 15. Februar 2019 | 14:20 Uhr

Die EU-Kommission drängt auf den Bau der umstrittenen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Lyon und Turin (TAV). “Die Bahntrasse ist ein wichtiges Projekt für Italien, Frankreich und die EU. Es handelt sich um ein transeuropäisches Projekt, das Regionen vereint und die EU-Kohäsion im Sinne von mehr Solidarität steigert”, betonte ein Sprecher von Verkehrskommissarin Violeta Bulc.

Die Verkehrskommissarin traf die Vertreter der italienischen Regierung, die die Ergebnisse eines Kosten-Nutzen-Gutachtens des italienischen Verkehrsministeriums vorstellten. Laut dem von unabhängigen Experten verfassten Gutachten, das am Dienstag auf der Webseite des italienischen Verkehrsministeriums veröffentlicht wurde, seien die Kosten des Infrastrukturprojekts für die öffentlichen Kassen weit höher als die Vorteile für die italienische Wirtschaft, berichteten italienische Medien. Im Verhältnis zwischen den Kosten der Bahntrasse und deren Nutzen klaffe eine Lücke von sieben Milliarden Euro, hieß es.

Die Bahntrasse sorgt seit Monaten für Spannungen in der Regierungskoalition in Rom. Während die rechte Lega auf dem Projekt beharrt, hält es die populistische Fünf-Sterne-Bewegung für zu kostspielig und angesichts der heutigen Verkehrsströme für nutzlos. Das alpine Susa-Tal, durch das die Trasse verlaufen soll, sei schon jetzt vom Transitverkehr arg geplagt, argumentiert die Fünf Sterne-Bewegung.

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani bezeichnete den Inhalt des Gutachtens als “Betrug”. “Darin berücksichtigt man nicht, dass die Bahntrasse zwischen Turin und Lyon Teil eines größeren EU-Korridors zur Entwicklung grenzüberschreitender Transporte ist, der das Wachstum von ganz Europa fördern wird. Man betrachtet die Trasse als wäre sie eine lokale Bahnlinie. Es fehlt an einer Gesamtvision”, so Tajani.

Von: apa