Leitzins bleibt auf Rekordtief

EZB-Chef Draghi: Geldschleusen notfalls weiter öffnen – VIDEO

Freitag, 04. September 2015 | 07:55 Uhr

Eine sich abzeichnende Konjunkturabkühlung vor allem in China und stark gefallene Energiepreise bereiten den Spitzenvertetern der Europäischen Zentralbank (EZB) nach eigener Aussage zunehmend Sorgen. Präsident Mario Draghi kündigte am Donnerstag nach der Ratssitzung in Frankfurt am Main deshalb an, den Umfang des bereits über eine Billion Euro schweren Programms zum Ankauf von Staatsanleihen notfalls zu erhöhen. Es gebe für die EZB keine speziellen Grenzen, die Geldpolitik zu beschleunigen, sagte Draghi.O-Ton: "Wir könnten sogar negative Inflationszahlen sehen in den kommenden Monaten. Ist das Deflation? Der EZB-Rat sieht das eher als Übergangseffekte, vor allem wegen der Wirkungen sinkender Ölpreise. Aber, wie ich schon zuvor sagte, wir werden alle eingehenden Informationen genau beobachten. Und der EZB-Rat möchte unterstreichen, nach der Diskussion, die wir heute hatten, dass die EZB willens und bereit und auch fähig ist, zu handeln."Wegen der gestiegenen Risiken senkte die EZB ihre Prognosen für Inflation und Wachstum überraschend deutlich. Den Leitzins für die Versorgung des Bankensystems mit frischem Geld beließen die Notenbanker auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent.Die Aussagen von Draghi gaben dem Aktienmarkt kräftig Auftrieb, wie auch Börsenexperte Oliver Roth feststellt:O-Ton: Also wir hängen natürlich am Tropf der EZB, sowohl, was die Finanzmärkte angeht, als auch, was die Konjunktur angeht. Wir haben natürlich hier ein Abhängigkeitsverhältnis, und das Doping, was die Märkte hier letztlich antreibt, das wird voraussichtlich den Märkten letztendlich noch eine ganz Weile zur Verfügung gestellt. Und das schafft Abhängigkeiten einerseits, und natürlich auch negative Effekte, denn wir wissen: Doping hilft natürlich kurzfristig zur Leistungssteigerung, aber langfristig tut es eben sehr weh."Der Leitindex Dax weitete unterdessen seine Gewinne aus und stieg schließlich um fast 3 Prozent auf mehr als 10.300 Zähler. Der Euro wiederum verlor gegenüber dem Dollar zwischenzeitlich mehr als einen US-Cent.ORT – FRANKFURT AM MAIN

Von: Reuters