Oettinger war über das falsche Zitat nicht glücklich

Falsch wiedergegebenes Zitat von Oettinger sorgte für Unmut

Dienstag, 29. Mai 2018 | 20:54 Uhr

Die falsche Wiedergabe einer Interviewäußerung des deutschen EU-Kommissars Günther Oettinger hat am Dienstag großen Wirbel in Brüssel und Rom ausgelöst. Führende Politiker in Italien forderten Oettingers Rücktritt, auch die EU-Spitze ging auf Distanz.

Stein des Anstoßes war allerdings die Twitter-Botschaft eines Fernseh-Journalisten, die Oettingers Aussagen zugespitzt wiedergab und den falschen Eindruck erweckte, der EU-Kommissar rate den Italienern, sich bei ihrer Wahlentscheidung dem Druck der Finanzmärkte zu beugen.

In dem Interview mit der Deutschen Welle hatte Oettinger auf die Unruhe an den Finanzmärkten mit Blick auf die politische Lage in Italien verwiesen. “Ich kann nur hoffen, dass dies im Wahlkampf eine Rolle spielt im Sinne eines Signals, Populisten von links und rechts nicht in die Regierungsverantwortung zu bringen”, sagte er.

Eine Twitter-Botschaft des Interviewers aus Brüssel, die später gelöscht und durch ein korrektes Zitat ersetzt wurde, gab Oettingers Äußerungen zunächst allerdings so wieder: ‘Die Märkte werden die Italiener lehren, das Richtige zu wählen.’ In der italienischen Politik, in der die Nerven nach der gescheiterten Regierungsbildung blank liegen, löste dies einen Sturm der Entrüstung aus.

Der Chef der rechtspopulistischen Lega-Partei, Matteo Salvini, forderte Oettingers Rücktritt “noch an diesem Nachmittag”. Auf Twitter schrieb er: “Brüssel kennt wirklich keine Scham.” Der “Deutsche Oettinger” drohe den Italienern mit den Finanzmärkten. “Ich habe keine Angst”, ergänzte Salvini. Der Chef der Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio, sagte: “Diese Leute behandeln Italien wie eine Sommer-Kolonie, wo sie herkommen und Ferien machen.”

Auch von den europafreundlichen Sozialdemokraten kam Kritik an Oettinger. “Niemand soll den Italienern sagen, wie sie wählen sollen – erst recht nicht die Finanzmärkte”, erklärte der PD-Generalsekretär Maurizio Martina.

Die EU-Kommission nahm die falsch wiedergegebenen Äußerungen Oettingers zum Anlass für eine Distanzierung. Kommissionssprecher Margaritis Schinas sprach von “unweisen Bemerkungen”. Es liege “allein an den Italienern, über die Zukunft ihres Landes zu entscheiden”.

EU-Ratspräsident Donald Tusk appellierte an “alle EU-Institutionen”, die Wähler zu respektieren. “Wir sind dazu da, ihnen zu dienen, nicht ihnen Lektionen zu erteilen.”

Der Journalist der Deutschen Welle entschuldigte sich unterdessen für seine Twitter-Botschaft. “Ich habe den Kommissar falsch zitiert”, schrieb er. Er habe versuchen wollen, Oettingers Äußerungen knapp zusammenzufassen. “Ich entschuldige mich für die Konfusion und den Fehler.”

Oettinger teilte diese Botschaft auf seinem Twitter-Konto. Zunächst hatte er allerdings auch die falsche Fassung des Journalisten weiterverbreitet.

Am Abend entschuldigte er sich. Er respektiere den Willen der linken, rechten oder gemäßigten Wähler in jedem Land, schrieb er in einer Erklärung. “Ich wollte nicht respektlos sein und ich entschuldige mich dafür.”

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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13 Kommentare auf "Falsch wiedergegebenes Zitat von Oettinger sorgte für Unmut"


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Tratscher
21 Tage 17 h

Verteilt zuerst selbst die „falsche Botschaft“ … ne is klar oder?! 😉 Alles in allem hat er es gesagt nur angeblich nicht so zugespitzt, sehe da allerdings keinen großen Unterschied, die Botschaft bleibt im Grunde die selbe!!

MickyMouse
MickyMouse
Universalgelehrter
21 Tage 7 h

Zuerst unüberlegte Frechheiten rauslassen und sich dann entschuldigen,das sind TOP Politikeridioten.😡

Jo73
Jo73
Tratscher
21 Tage 2 h

Den Öttinger hat man als Ministerpräsident in Baden-Württemberg abgewählt. Ich bin selbst Wähler in Baden-Württemberg und muss sagen, dass er das Land in seiner Zeit nicht weitergebracht hat. Er wird auch die EU nicht weiterbringen.
Schade, dass wir in der EU keine Top Politiker haben.

Nobodyisperfect
Nobodyisperfect
Grünschnabel
20 Tage 18 h

Bravo – Politiker mit denen man nichts anfangen kann kommen nach Rom oder Brüssel – war ja schin immer so.

Waltraud
Waltraud
Superredner
20 Tage 4 h

Jo73

Ach der Oetti….da war unser Cleverle, der Lothar Späth noch von anderem Schrot und Korn.

Savonarola
Savonarola
Universalgelehrter
21 Tage 8 h

ja ja, das arme Italien ist immer nur Opfer, bekommt immer nur auf die Haube.

AlfonsHatler
AlfonsHatler
Neuling
21 Tage 13 h

Sagt das selbe, verkürzt erkennt der Pöbel den Inhalt und wird wütend, rudert zurück. Wunderbarer EU-Politiker, der wird es nochmal weit bringen!

Paul
Paul
Superredner
21 Tage 3 h

EU – Parlament und Kommission sind nur noch ein Haufen Lobbyisten und werden von den EU Bürgern nur noch zu Recht verachtet …schlimmer als eine schlechte Telenovela

hans--
hans--
Grünschnabel
21 Tage 3 h

der soll endlich gehen schon bei der Einwanderung sollen alle die Italiener übernehmen laut Schengen ++das war schon der erste Fehler die Europa getan hat  die sind als erste betroffen  ++also damals schob über den Tisch gezogen

Supergscheider
Supergscheider
Grünschnabel
20 Tage 10 h

Er sagte nur die Wahrheit, doch die darf man doch nicht sagen.

Orschgeige
Orschgeige
Superredner
20 Tage 18 h

Ein langjähriger Politiker wie Öttinger sollte wissen, dass man die Wahrheit nur dann sagen darf, wenn sie niemanden interessiert.

Paul
Paul
Superredner
20 Tage 12 h

was vertritt Der ….? zu long Saus und Braus ..oder ?..nimmor guat getun… die EU seit nicht IHR. RAHOY , MACRON MERKEL ……ERDOGAN …..von denen wird sicher KEINER. ” frei ” wiedergewählt

Karl
Karl
Superredner
20 Tage 27 Min

Da man ja im Internet nachverfolgen kann wer was gesagt und getan hat sollte man endlich anfangen auch solche Sachen zu verfolgen und zu bestrafen. Dann würde sich so mancher Schlagzeilengeile Journalist besser überlegen was er in die Welt setzt. Den Italienern hat das aber noch niemand gesagt und die wollen das auch gar nicht hören den der falsch wiedergegebene Satz von Öttinger passt für Sie besser zum Feindbild eines Deutschen.

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