UNO-Flüchtlings-Hochkommissar Filippo Grandi

Fast 100 Tote nach Flüchtlingsbootsuntergang im Mittelmeer

Montag, 04. April 2022 | 06:34 Uhr

Beim Untergang eines Flüchtlingsboots sind nach Angaben der UNO und der Organisation Ärzte ohne Grenzen dutzende Menschen im Mittelmeer ertrunken. “Mehr als 90 Menschen sind bei einer weiteren Tragödie im Mittelmeer gestorben”, erklärte der Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Filippo Grandi, am Sonntag auf Twitter. Laut der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hatte ein kommerzielles Tankschiff am Samstag vier Überlebende von einer Rettungsinsel gerettet.

Die Geretteten hätten berichtet, sie seien mindestens vier Tage lang mit einem Boot mit fast 100 Menschen an Bord unterwegs gewesen. Rund 96 Menschen seien ertrunken. Das überfüllte Boot war demnach von Libyen aus Richtung Europa aufgebrochen.

Die Überlebenden benötigten “dringend Schutz und Versorgung”, erklärte Ärzte ohne Grenzen. Sie dürften nicht nach Libyen zurückgebracht werden, forderte die Organisation. “Keiner der Überlebenden sollte an einen Ort zurückgeschickt werden, an dem ihm Inhaftierung, Missbrauch und Misshandlung drohen.”

Libyen ist ein wichtiges Transitland für Migranten und Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen. Werden die Menschen in das nordafrikanische Krisenland zurückgeschickt, werden sie in Internierungslagern untergebracht. Menschenrechtler üben immer wieder massive Kritik an den Bedingungen in den Zentren.

Grandi rief die EU zum Handeln auf: “Europa hat bewiesen, dass es in der Lage ist, vier Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine großzügig und effektiv aufzunehmen”, erklärte er. Nun müsse es dringend darüber nachdenken, wie es dies auf andere Flüchtlinge und Migranten in Not anwenden kann.

Von: APA/AFP

Kommentare

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8 Kommentare auf "Fast 100 Tote nach Flüchtlingsbootsuntergang im Mittelmeer"


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Wunder
Wunder
Grünschnabel
1 Monat 23 Tage

Dies scheinen Flüchtlinge 2. Klasse zu sein. Wo bleibt der Aufschrei? Die Solidarität?
Kein Mensch verlässt die Heimat ohne Grund!

Hustinettenbaer
1 Monat 22 Tage
@Wunder, ja. “In den vergangenen Wintermonaten sind Menschen aus Syrien und Afghanistan erfroren, an der Grenze zwischen Belarus und Polen. Ja, Polen, das EU-Land, das jetzt bereits eine Millionen Menschen aus der Ukraine aufgenommen hat, verletzt sonst an seiner Ostgrenze die Mindeststandards von Völker- und Europarecht. Schafft dieses Europa, das sich jetzt so menschlich zeigt, gleichzeitig zwei Klassen von Geflüchteten? „Es sind dieses Mal echte Flüchtlinge“ war in der Neuen Zürcher Zeitung zu lesen. Und ist das nicht genau die Gefahr, dass man Kinder und Frauen aus der Ukraine mit weißer Haut anders behandelt als junge Männer aus Syrien mit… Weiterlesen »
N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 22 Tage

Die aus Afrika sind drittklassig, dann kommen vuelleicht die Syrer, offiziell ja gar keine Flüchtlinge und Ukrainer sind willkommen.
Das ist Italien, Südtirol und Europa! Zum schämen!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 22 Tage

@Hustinettenbaer Bei der rechten Bevölkerung unseres Landes kannst du dir den Mund fusslig reden… Guck dir doch an wie sie heute bei der Wahl Orbans jubeln!

Wunder
Wunder
Grünschnabel
1 Monat 22 Tage

Danke Hustinettenbaer, danke N. G.
Manchmal denke ich, ich bin allein mit meinen Ansichten…

Hustinettenbaer
1 Monat 22 Tage

@Wunder, Du bist nicht allein.
Und ich schäme mich für unsere selektive, “rassistische” Wahrnehmung des Elends.

Entequatch
Entequatch
Tratscher
1 Monat 21 Tage

Die ongs geben im monat millionen aus um im mittelmeer herumzuschiffen. Wäre das vielw geld nicht besser einzusetzen, vor ort um krankenhäuser etc zu bauen?

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