Alfano hält vom Verbot wenig

Burkini scheidet auch in Italien die Geister

Donnerstag, 18. August 2016 | 08:23 Uhr

Rom – Auch Italiens Innenminister Angelino Alfano sieht ein Burkini-Verbot nach dem Vorbild von Cannes skeptisch. Er habe nicht den Eindruck, dass das französische Modell besser funktioniere, erklärte Alfano in einem Interview gegenüber dem „Corriere della Sera“.

Zur Möglichkeit eines Burka- oder Schleier-Verbots meinte Alfano, dass das Innenministerium die Sicherheit gewährleisten und eine angemessene Härte bei seinen Maßnahmen wählen müsse. Diese Maßnahmen dürften aber nicht zu Provokationen ausarten, die möglicherweise zu Attentaten führen könnten.

Die Verfassung garantiere die Religionsfreiheit. Zudem gebe es in Italien eine halbe Million Muslime, „die ich sicherlich nicht als Terroristen oder Unterstützer von Terroristen betrachten kann“, betonte der Innenminister.

Dass er die Gefahren in Zusammenhang mit der Bedrohung von religiösen Fanatikern und Extremisten ernst nehme, zeige sich daran, dass bereits neun Imame ausgewiesen wurden. „Es gibt einen Unterschied zwischen beten und Hass und Gewalt predigen“, betonte Alfano laut Medienberichten.

Französischer Premier lehnt nationales Burkini-Verbot ab

Im Streit um Ganzkörper-Schwimmanzüge für Musliminnen lehnt der französische Premierminister Manuel Valls ein nationales Verbot ab. Der Sozialist äußerte in der Regionalzeitung “La Provence” vom Mittwoch aber Verständnis für die Bürgermeister von Cannes und anderen Kommunen, die Burkinis an ihren Stränden verboten hatten. In Cannes droht Burkini-Trägerinnen ein Bußgeld von 38 Euro.

Burkinis seien keine neue Mode, sagte der Regierungschef. “Es ist die Übersetzung eines politischen Vorhabens, einer Gegen-Gesellschaft, insbesondere gestützt auf der Unterwerfung der Frau.” Ein nationales Verbot sei aber nicht nötig. Valls erinnerte an die 2004 eingeführte Null-Toleranz-Linie für auffällige religiöse Symbole an französischen Schulen und das seit fünf Jahren geltende Burka-Verbot. Er kündigte eine neue Initiative an, damit das Gesetz gegen die Ganzkörper-Schleier in der Praxis auch angewendet wird.

Der Burkini bedeckt den ganzen Körper und wird von muslimischen Frauen getragen, die beim Baden einer strengen Auslegung des Islam entsprechen wollen. Ein erstes Verbot hatte der Bürgermeister von Cannes Ende Juli per Dekret erlassen. Strandbekleidung, die eine religiöse Zugehörigkeit offen zur Schau stelle, könne in Zeiten der terroristischen Bedrohung die öffentliche Ordnung gefährden, argumentierten die Stadtverantwortlichen. Der konservative Bürgermeister David Lisnard hält den Burkini – eine Wortschöpfung aus Burka und Bikini – gar für eine “Uniform, die das Symbol des islamistischen Extremismus ist”. Eine Geldbuße in Höhe von 38 Euro droht Frauen, die im Burkini an den Strand gehen.

Menschenrechtsverbände und muslimische Gruppen protestierten zwar scharf gegen das Dekret, ein Verwaltungsgericht erklärte es aber für rechtmäßig. Am Dienstag kündigte auch der Bürgermeister des angesagten nordfranzösischen Badeortes Touquet an, Burkinis verbieten zu wollen. Die Verbote könnten allerdings bald Frankreichs Oberstes Verwaltungsgericht beschäftigen.

Danach folgte der Ort Sisco auf Korsika. Am Samstag gingen dort junge Korsen und Mitglieder von drei Familien nordafrikanischer Abstammung mit Fäusten, Flaschen und Steinen aufeinander los. Es gab fünf Verletzte, drei Autos gingen in Flammen auf, die Polizei musste mit einem Großaufgebot anrücken. Augenzeugen berichteten, Auslöser der Prügelei seien Touristen gewesen, die Frauen in Burkinis fotografiert hätten.

Der Bürgermeister von Sisco, Ange-Pierre Vivoni, kündigte kurze Zeit später für die Strände seiner Gemeinde ein Burkini-Verbot an. “Das ist nicht gegen die muslimische Religion gerichtet, sondern soll verhindern, dass sich Fundamentalismus verbreitet”, sagte der Sozialist. “Ich bin absolut kein Rassist: Ich will die Bevölkerung schützen, und zwar auch die muslimische, denn sie sind die ersten Opfer extremistischer Provokationen.” Mit Blick auf den Vorfall auf Korsika rief Premier Valls zur Ruhe auf. Eine Ermittlung soll den genauen Verlauf der Ereignisse klären.

Frankreich, wo mehr Muslime leben als in jedem anderen europäischen Land, tut sich schon lange schwer mit muslimischer Bekleidung. Viele befürchten die Bildung von Parallelgesellschaften und sehen die Würde muslimischer Frauen verletzt. Bereits 2004 verbot das laizistische Land das Tragen gut sichtbarer religiöser Symbole an staatlichen Schulen. Vor etwas über fünf Jahren trat dann ein umstrittenes Burka-Verbot in Kraft, seitdem darf der Ganzkörperschleier in der Öffentlichkeit nicht mehr getragen werden.

Anders als die Burka verhüllt der Burkini aber nicht den ganzen Körper, das Gesicht beispielsweise bleibt frei. Auch ist der Ganzkörperbadeanzug an Frankreichs Stränden doch ein eher seltenes Phänomen, und nichts sagt, dass er nur von religiösen Eiferern getragen wird. Doch nachdem Frankreich in diesem Sommer von zwei neuen islamistischen Anschlägen erschüttert wurde, ist die Stimmung besonders angespannt.

Und während sich manch ein Zeitungskommentator wundert, eigentlich solle doch jeder so bekleidet baden dürfen, wie er wolle, sehen viele Kommentatoren die Burkinis als “Provokation”, als “Symbol des islamistischen Fundamentalismus”. “Es ist die Badeversion der Vollverschleierung”, schreibt die Regionalzeitung “Le Journal de la Haute-Marne”, und die “Dernieres Nouvelles d’Alsace” schreiben, mit Religionsfreiheit habe das Tragen des Burkini nichts zu tun.

Von: APA/ag.

Kommentare

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47 Kommentare auf "Burkini scheidet auch in Italien die Geister"


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Chuppachups
Grünschnabel
1 Monat 11 Tage

Ma dei. Losst se holt oder… Wia konn man a Kopftuah, Burkini etc. sofort mit Unterdrückung gleichsetzten??
Und nowos, es Kopftiachl ba Frauen hot a in Südtirol Tradition.. Die olten Weibelen hom, sell olle kop und teils a no, genauso wia dr traditionsbewusste Bauer an blauen Schurz unhot… Des isch Tradition und Überzeugung, net Unterdrückung.

Chuppachups
Grünschnabel
1 Monat 9 Tage

@maria zwei ober die muslimischen Frauen werden ollm gezwungen? I woass net wia viele muslimische Frauen du kennsch, de wos i kenn, tian des freiwillig. Für sie isch des a Ausdrucksweise… Und iberhaup an olle de des befürworten, weil dr Burkini jo anscheinend “aufgezwungen” isch. Wos tiatn es iaz? Es gleiche, es zwing Frauen, sich zu zoagen und nemmp ihmene es Recht selbst zu entscheiden wos sie unziachen. 

maria zwei
Tratscher
1 Monat 11 Tage

De oltn Weibelen hobn oba nit miassn

Missx
Grünschnabel
1 Monat 11 Tage

Soll amol a Frau in Quatar probiern im Bikini afn Strond zu gian. Kimsch et weit noa kem die Bulln und nemm di mit.
Odo probiert in Quatar als Monn alloan die Freitigs in a Einkaufszentrum zu gian – nemm di die Bulln mit. Probiert in arabischa Länder während Ramadan epas tagsüber auf offener Strasse zu essen oder trinken – nemm di die Bulln mit. Sie hobn Null Toleranz gegenüber andersgläubige. Warum terfn mir net a null Toleranz hobn?

maria zwei
Tratscher
1 Monat 11 Tage

Alfano der Angsthase…….es könnte als Provokation verstanden werden und Attentate geben. Wenn auch hier nicht klare Linien gezogen werden, sind wir der Islamisierung noch einen Schritt näher gekommen und Attentate wird es so und anders geben. Versuch dich in ihren Ländern so zu benehmen wie sie es bei uns in Europa tun………………..

herbstscheich
Grünschnabel
1 Monat 11 Tage

an alle Franzosen und die es  angeht.. zuerst jahrzehntelang Kolonialismus betreiben und sich jetzt über die Folgen wundern?????

santina
Tratscher
1 Monat 10 Tage

Manche sind halt GLEICHER!

maria zwei
Tratscher
1 Monat 10 Tage

Santina… Salzwasser tut der Haut gut nicht dem Gewand

Jogl
Tratscher
1 Monat 10 Tage

Wenn sie mit Burkini baden gehen dann kann ich ja auch mit meinem
Arbeitsgewand baden, dann erspare ich die Waschmaschine. 😂😁

brunner
Grünschnabel
1 Monat 11 Tage

Also…..ich haette gerne bei meinem naechsten Tunesienurlaub (was sicher nicht der Fall sein wird) ein katholisches Gotteshaus…zudem waere auch schoen wenn ich mit meinen Freunden eine Fronleichnamsprozession mitorganisieren koennte….die islamischen Staaten respektieren sicher meine religiösen Bedürfnisse und unterstuetzen sie auch finanziell……auch mehrere Christbäume waeren in der Weihnachtszeit in der Innenstadt von Marrakesh schoen wenn ich im Winter dorthin fahre…..

santina
Tratscher
1 Monat 11 Tage

Ich habe versucht Burkini-Trägerinnen in Südtirol zu finden.
GAR NICHT SO EINFACH!

maria zwei
Tratscher
1 Monat 10 Tage

Santina….Kommt noch in den Schwimmbädern…nur eine Frage der Zeit….. und der Politiker…….bis sie abgewählt werden…und dann?

Basti
Grünschnabel
1 Monat 11 Tage

Wos viele Leit (und a Juristen) net begreifen oder net begreifn welln: A Grundrecht endet dort wo es a onders Grundrecht einschränkt. Konkret: Is Grundrecht af Religionsfreiheit endet dort, wo sie zB gegn is Grundrecht af Gleichberechtigung (zB Monn und Frau) oder körperliche Unversehrtheit (zB “Erschlagt die Frevler, wo ihr sie findet”, Sure 9:5) geat, is Grundrecht af Asyl endet dort wo di Kapazitäten fun Stoot erreicht werdn und damit is soziale Grundrecht (Sozialhilfen) der aktuellen Bevölkerung gefährden.

Blue
Tratscher
1 Monat 10 Tage

perfekt kommentiert !!! danke . des tuat guat

Kurt
Grünschnabel
1 Monat 10 Tage

Von mir aus kann jeder tragen, was er möchte, und die einzelnen öffentlichen Badeanstalten entscheiden von Fall zu Fall, was zulässig ist, und was nicht. So lange die Badebekleidung aus synthetischem Material besteht, und somit als hygienisch unbedenklich gilt, spielt die Länge der Bekleidung keine Rolle.
Integration hin oder her, hier wäre ich mal toleranter.
Bei uns ist ähnliche Badekleidung gar nicht sp lange her, und heute wird darüber geschmunzelt.

Dagegen
Neuling
1 Monat 11 Tage
Mal ein Beispiel für die ganzen Supergescheiten Leute hier…Wer von euch war schon mal in Ägypten im Urlaub und hat sich ihnen angepasst?? Bekleidung: Um die “Höflichkeit” zu wahren beginne ich mit den weiblichen Gäste. Denn leider sind sie es, die am meisten Umdenken sollten (müssen), wenn sie nach Ägypten kommen. Zu kurze Röcke, die eher einer „Halskrause ähneln“ sind ebenso fehl am Platze, wie (zu)enge Hosen (auch die sehr Coolen Hüfthosen zur Bauch- und Nabelschau), tiefe Dekolletes und alles Körperbetonte. SpagettiTopp`s, die viel nackte Haut zeigen (dazu gehören auch nackte Oberarme) und alles Durchsichtige sollte vemieden werden. Für die Herren… Weiterlesen »
One
Neuling
1 Monat 10 Tage

Schon darüber zu diskutieren finde ich ist ein Eigentor gegenüber dem Islam und seiner terroristischen Haltung. Es sollte verboten werden und fertig!!! Eine 10 jährige Gefängnisstrafe sollte man den Leuten verhängen, die es trotzdem nicht wahrnehmen wollen. Europa sollte strenger mit dem Islam und seinen Gläubigern umgehen. Es gibt Regeln bei uns die befolgt werden müssen. Wer das nicht versteht, dem sollten wir das Leben hier schwer machen.

Jogl
Tratscher
1 Monat 10 Tage

Südtirol soll von Burkini verschont bleiben, in Italien könnens machen was sie wollen.😅

Tante Mitzi
Neuling
1 Monat 10 Tage

Entweder die Ausländer passen sich unseren Gewohnheiten an, sonst können Sie ja gern wieder in Ihre Heimat zurückgehen

honigdachs
Grünschnabel
1 Monat 10 Tage

also I find des richtig , de solln sich unpassn odo hoamfohrn, hot niamand gsog sie solln zi ins kemm ! wenn a christ ba ihnen ente volongat a kirche auzistelln odo dasse in die schualen a kreiz auhängen, odo er sogat sie solln in ramadan oschoffn, noa moani brauchi et sogn wos de mitn sem tatn !! obo insra suppo gscheidn politika hobm jo koana eier indo hose !! und laipol kimpmo fir indo jugend ischs sowieso wurscht , und die ältere generation ischjo rechts wennse eppas sogn !

Mann
Neuling
1 Monat 8 Tage

Wir werden noch viele solche Diskussionen führen. Das ist erst der Anfang. Hätten wir dieses Volk nicht aufgenommen dann hätten wir in Zukunft einen Haufen weniger Probleme. In Südtirol gäbe es genügend Themen die das eigene Volk betreffen welche anzugehen wären.

pfitscha
Neuling
1 Monat 9 Tage

Ols verbieten seis Burkini oder Burka miar miasn insere Vorhönge a drhuam zin lüftn und trocknen auhängen und spaziern net dermit in dr Gegend manond.

Wirt
Neuling
1 Monat 8 Tage

der Unterschied ist wohl so,dass der christliche Glaube im Alltag nur durch ein Kreuzchen am Hals sichtbar ist. Unsere Nonnen Leben in einem Kloster und gehen nicht schwimmen mit Kutte. Hier liegt der Unterschied. Wäre das die Tracht ihres Glaubens und sie leben in einer religiösen Gemeinschaft zusammen wie die Nonnen,würde es keine Diskussion geben.

speckbrot
Grünschnabel
1 Monat 8 Tage

War in Kroatien. Weder Kopftuecher, noch orientalische oder afrikanische mohamedaner. Absolut nirgends. Grund hoechstwahrscheinlich: keine lebenslaengliche Rundumversorgung.

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