Wählerstromanalysen offenbaren überraschende Ergebnisse

„Frauen wählten eine Frau“

Mittwoch, 28. September 2022 | 07:05 Uhr

Rom – Zwei Tage nach den Wahlen, die dem Mitte-Rechts-Bündnis satte Mehrheiten in beiden Parlamentskammern und der Chefin von Fratelli d’Italia, Giorgia Meloni, ein persönliches Spitzenergebnis bescherten, fragen sich viele, woher der Erfolg von Fratelli d’Italia – eine Partei, die vor vier Jahren kaum mehr als vier Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte – kommt. Angesehene Experten, die die Wählerströme analysierten, liefern auf diese Frage erste Antworten.

APA/APA/AFP/ANDREAS SOLARO

Diesen Experten zufolge steht fest, dass Giorgia Meloni besonders unter den Frauen punkten konnte. Es scheint paradox, dass nach einem Wahlkampf, in dem diskutiert wurde, ob ein Sieg der Mitte-Rechts-Koalition von Giorgia Meloni das Recht auf Abtreibung infrage stellen würde, es besonders die Stimmen der Frauen waren, die Giorgia Melonis Fratelli d’Italia belohnten. Laut einer vom Umfrageinstitut Swg erstellten Wählerstromanalyse trugen mit 27 Prozent die Frauen überproportional zum Erfolg von Giorgia Meloni bei. „Frauen wählten eine Frau“, fasst einer der Experten mit einem Satz das Ergebnis seiner Stimmenauswertung zusammen. Das ist auch deshalb überraschend, weil gerade Rechtsparteien sonst eher Männer ansprechen.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Mit 21 Prozent der Frauenstimmen wurde auch die Demokratische Partei PD verglichen mit dem Anteil der männlichen Stimmen vermehrt von Frauen gewählt. Leider setzte sich aber auch bei dieser Wahl der sich seit Jahren verfestigende Trend, dass Frauen seltener zur Wahl gehen, fort. Mit einem Anteil von 41 Prozent ist der Anteil der Nichtwähler unter den Frauen wesentlich höher als bei den Männern.

Die Analysen des Wahlergebnisses offenbaren aber auch weitere überraschende Ergebnisse. Wie das Datenanalyseinstitut YouTrend hervorhebt, erzielte die Fünf-Sterne-Bewegung, die ihren Wahlkampf mit der Verteidigung des Bürgergeldes führte, in Städten mit einer Arbeitslosenquote zwischen zehn und 15 Prozent ein überproportional hohes Ergebnis. In Wahlkreisen, die im Verhältnis zum Landesdurchschnitt einen höheren Anteil von Hochschulabsolventen aufweisen, wurden hingegen der PD und das Zentrumsbündnis Azione-Iv bevorzugt. In Gemeinden mit einem hohen Ausländeranteil wiederum konnten die Fratelli d’Italia stark punkten.

ANSA/CLAUDIO PERI

Zudem bestätigten die heurigen Parlamentswahlen die Vermutung der Experten, dass sich der Anteil der Wahlmuffel weiter erhöht. Es waren insbesondere die Frauen, die Süditaliener und Personen mit mittlerem und unterem Bildungsabschluss sowie Erwerbslose, die den Wahlurnen fernblieben. Zusammengefasst kann gesagt werden, dass Arbeiter und Angestellte verglichen zur gesamten Erwerbsbevölkerung einen höheren Anteil der Nichtwähler stellen. Jene, die sich dennoch zum Wahllokal begaben, schenkten überproportional der Fünfsternebewegung ihr Vertrauen.

Facebook/YouTrend

Auch die Jungwähler konnten für die Wahl kaum begeistert werden. Die Wähler unter 34 Jahren straften die traditionellen Parteien ab, was den Datenanalysten zufolge zeige, wie ausgeschlossen sie sich von den Programmen der etablierten Parteien fühlen. Immer laut dem Bericht von YouTrend wählten jene, denen das Klima, die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und die Zukunft Sorgen bereitet, verstärkt das Bündnis aus Linken und Grünen. Aber auch das Zentrumsbündnis Azione-Iv konnte unter den Wählern unter 44 Jahren Erfolge verbuchen.

APA/APA/ANSA/CLAUDIO PERI

Wirft man einen Blick auf die einzelnen Regionen, wird offenbar, dass die diesjährigen Parlamentswahlen auf politischer Ebene ein wahres Erdbeben verursachten. In all seinen Hochburgen in der Lombardei und in Nordostitalien wurde Salvinis Lega von den Fratelli d’Italia geschlagen. In einigen Gegenden verbuchte Melonis Partei sogar die dreifache Stimmenanzahl ihres „Juniorpartners“.

Für die Linke besonders schmerzlich ist hingegen die Erkenntnis, dass es keine „roten Regionen“ mehr gibt. Sowohl in der Toskana als auch in der Emilia-Romagna ließ das Mitte-Rechts-Bündnis die Linkskoalition hinter sich. Nur in der mittleren Emilia konnten sich einige „rote Wahlkreise“ halten. Der Süden hingegen – 70 Prozent der Bürgergeldbezieher leben in Süditalien – erlebte ein Erstarken des M5S. Die Bewegung wurde in vielen süditalienischen Regionen stimmenstärkste Einzelpartei. Allerdings wurden fast alle Wahlkreise vom von Giorgia Meloni geführten Mitte-Rechts-Bündnis erobert.

Facebook/YouTrend

Das größte Problem, dem alle Parteien sich werden stellen müssen, ist aber jenes, die Nichtwähler dazu zu bewegen, zu den Wahllokalen zurückzukehren. Am 25. September gingen weniger als 64 Prozent der wahlberechtigten Italiener zur Wahl.

 

Von: ka

Kommentare
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magari
magari
Superredner
2 Monate 11 Tage

Diese geringe Wahlbeteiligung ist zum schämen. In Südtirol war sie im Vergleich zu Italien noch geringer.

netsowichtig
netsowichtig
Grünschnabel
2 Monate 11 Tage

Stimmt. Aber man darf nicht vergessen, dass immer mehr Menschen am Wochenende arbeiten oder beruflich unterwegs sind. Wann führt endlich Italien die Briefwahl ein?
Ich hatte keine Chance, zu wählen… und nach den Statistiken sind ca. 15 % der Wahlberechtigten in der gleichen Situation!

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 11 Tage

@netsowichtig Wann führt Italien endlich die Online Wahl ein! So rum wird ein Schuh draus!

mickeymousin
mickeymousin
Tratscher
2 Monate 11 Tage

@netsowichtig
vollkommen richtig auch alte Menschen würden dann noch wählen da sie Hilfe brauchen und zu den Urnen schleppen totaler Unsinn

@
@
Universalgelehrter
2 Monate 11 Tage

@N. G.
Für Online Wahlen fehlt in Zeiten zunehmender Cyberkriminalität bei der Bevölkerung noch das Vertrauen.Die Bevölkerung müsste mit einem sicheren E-Ausweis ausgestattet werden (Spid?) Robert Kimmler, Professor für E-Governance sagt:” Das Problem beim Einsatz elektronischer Netzwerke für Online-Wahlen entsteht durch die zu großen Teilen geheim gehaltenen Informationen zwischen Stimmzettel und Wähler. Bei der Briefwahl können wir die Identität des Wählers eindeutig dem in einem separaten Umschlag befindlichen Stimmzettel zuordnen. Bei der Online-Wahl stellt sich folglich die Frage, wie die Geheimhaltung durch technische Maßnahmen gewährleistet werden kann.”

genau
genau
Kinig
2 Monate 10 Tage

@netsowichtig

Die Wahllokale waren von 07:00 – 23:00 Uhr geöffnet!

Wer arbeitet am Sonntag vom 07:00 bis 22:30 Uhr??

magari
magari
Superredner
2 Monate 10 Tage

@genau: frag ich mich auch. In Deutschland sind die Wahllokale nur bis 18 Uhr geöffnet. Die italienischen Öffnungszeiten bis 23 Uhr sind wirklich angenehmer.

info
info
Superredner
2 Monate 11 Tage

Frauen wählten eine Frau mit einem Frauen- und Familienbild aus dem Mittelalter.

So ist das
2 Monate 11 Tage

Traurig aber wahr.
Danach jammern, wenn Gesetze abgeändert werden.

Alter Hase
Alter Hase
Tratscher
2 Monate 10 Tage
Im Mittelalter, bzw. bis 1975 in Italien, war eine Frau de facto “Besitz” ihres Gatten. Da hätte eine Frau so gut wie nie eine Partei leiten können, geschweige denn Regierungsche werden. Meloni meint aber z.B. dass die Einkommen nach der Anzahl der zu Lasten lebenden Kindern besteuert werden sollen; oder dass Singles mehr Steuern zahlen sollen als jene die eine Familie haben. Das sagt sie in einem Land wo Familien 60 € im Monat pro Kind für Schülertransport ausgeben. (Wir in Südtirol sind “dank Autonomie” glücklicherweise davon ausgenommen). Was ist denn so falsch daran? Ich sehe kein Mittelalter, sondern eher… Weiterlesen »
TheRational
TheRational
Grünschnabel
2 Monate 10 Tage

Ecco. Ironisch.

wellen
wellen
Universalgelehrter
2 Monate 11 Tage

Meloni schreit gegen Abtreibung, Homosexuelle, LGVT, Migranten, für traditionelle Familie, siehe den schockierenden Auftritt bei der Vox in Spanien.
Offensichtlich haben den die italienischen Frauen nicht gesehen. Selber ist sie eine unverheiratete Mutter mit einem jüngeren Partner, der hauptsächlich die Tochter betreut. Ebenso det geschiedene Salvini mitnehreren Kindern von mehreren Frauen, der nie gearbeitet hat , vom bungabunga Berluscas ganz zu schweigen. Also diese Rechtsfaschisten predigen Wasser und trinken Wein.

mickeymousin
mickeymousin
Tratscher
2 Monate 11 Tage

schun verruckt wenn man bedenkt , dass ein Berlusconi noch darf und es auch wagt

sarkasmus
sarkasmus
Tratscher
2 Monate 11 Tage

Frauen an die macht

Goennenihrwichtigtuer
2 Monate 11 Tage

😂🤭🤭🤭🤭🤭🤭🙈

ieztuets
ieztuets
Superredner
2 Monate 11 Tage

S’uenzige wos ihr zugute kimmp… a Frau konn hoffentlich nit so mochtergreifend und skrupellos sein wie a Monn (z.B. der Russe!)

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 11 Tage

Den Bewerber musst du erst antreten! Und einmal , ist immer das erste Mal. Sie wird auch das erste Mal Ministerpräsidentin!
Frauen werden auch viel weniger oft zu Mörderinnen. Aber sie werden es.

Doolin
Doolin
Kinig
2 Monate 11 Tage

…jo bravo!…🍉 hat gesagt, Frauen gehören hinter den Herd und der Mann ist der chef im Haus…
😅

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
2 Monate 11 Tage

Vieleicht ist das besser🤷 wenn Sie das sagt und die Frauen wählen Sie dann hat das Volk gesprochen. Man nennt das Demokratie!

Alter Hase
Alter Hase
Tratscher
2 Monate 10 Tage

@Doolin
Hat sie das gesagt? Habe ich nicht gehört.
Jedenfalls, damit ich nicht missverstanden werde, sage ich es ganz klar: ich habe SVP gewählt.
Weil ich den Meinung bin, dass nur eine starke Südtiroler Vertretung im Parlament unsere Autonomie von römischen Eingriffen schützen kann. Ziel erreicht. Aber jetzt schaue ich euch auf die Finger.

kleinerMann
kleinerMann
Universalgelehrter
2 Monate 11 Tage

Endlich, die Frauen habe es somit bewiesen, sie möchten zurück in die 50iger 🙂 Männer kauft euch Ketten für den Herd 🙂

2022
2022
Grünschnabel
2 Monate 10 Tage

Red bitte für deine Frau und nit für alle denn i glab nit dass Frauen so bescheuert sein, sell bildet sich schun lei die Dame ein. Na des wert nu lustig…..

Calimero
Calimero
Universalgelehrter
2 Monate 11 Tage

Weg mit der Frauenquote, wer etwas drauf hat wird auch so gewählt.

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 11 Tage

Was hat eine Meloni denn drauf? Offensichtliche oberflächliche populistische Sprüche für offensichtlich nicht schlauere Wähler wie dich!?

Goennenihrwichtigtuer
2 Monate 11 Tage

Manchen Menschen sollte man zu ihrem eigenen Schutz das Wahlrecht absprechen… 🤭😝

Paladin
Paladin
Superredner
2 Monate 11 Tage

Ist das jetzt wirklich so überraschend, das Frauen eine Frau wählen? Dazu noch bei einem historischen Ereignis (erste Frau als Ministerpräsidentin Italiens).  

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 11 Tage

Das war zumindest für mich sehr überraschend da uch Fraurn in vielen Dingen für intelligenter halte als Männer!

tucano2
tucano2
Tratscher
2 Monate 11 Tage

Bitte nicht verallgemeinern!

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 11 Tage

Warum nicht!? Wenn sich Frauen gerne ihre Rechte selbst beschneiden wollen, dann nur zu! Genau das Selbe haben die männlichen Rechts Wähler, zwar in der Minderheit doch auch gemacht! Sie wissen es nur noch nicht! GRINS
Alles hat seinen Preis!

duc998
duc998
Tratscher
2 Monate 10 Tage

@N.G. Vielleicht weil sich die Frauen in deiner Linken Regierung nicht mehr sicher fühlten 🤷🏻‍♂️

N. G.
N. G.
Kinig
2 Monate 10 Tage

@duc998 Der war jetzt so billig, dass ich es noch billiger finden würde dir zu antworten.

ieztuets
ieztuets
Superredner
2 Monate 11 Tage

Woll s’meiste Mandr do in den Forum?

inni
inni
Universalgelehrter
2 Monate 11 Tage

Macht macht attraktiv … nicht nur bei Männern 😜

Superredner
2 Monate 11 Tage

Genau deswegen habe ich immer schon gesagt, die Machostereotypen über Italien sind komplett falsch. In Italien sind es speziell die Söhne, die bis zur Ewigkeit bei der Mutter leben und bis zum Ableben die Mutter die wichtigste Frau in deren Leben bleibt. Man wählt eher diejenigen, die einem ein angenehmeres Leben versprechen als Mann. Die Frauen in Italien haben höchstens bewiesen, dass der Feminismus so überhaupt genommen hat, um eine Frau als Ministerin zu haben, wählt man auch ein unbenannte Casa Pound, wenn es sein muss.

StreetBob
StreetBob
Superredner
2 Monate 10 Tage

Isch jo interessant…. Frauen wählen Frauen….. waret gscheider FÄHIGE LEIT zu wählen…. Fa miar aus a olles Frauen, ober fähige; und nit ere, de in an Demokratie dem Faschismus huldigen….

TheRational
TheRational
Grünschnabel
2 Monate 10 Tage
“Frauen wählten eine Frau”; hetzig, wenn man bedenkt, welche Werte sie vertretet. Wenn mans in an greaseren Mossstob sig, war es eigentlich Zeit das mehr Leit mit an naturwissenschoftlichen Hintergrund in die Politik kemmen.I wünschat mir so Leit wos magari grod a Basiswissen in Physik, Chemie oder a Geschichte hoben, und es entsprechend einsetzen. In meine Augen mocht sell Sinn, wenn man die Herausforderungen der nächste Johr sig. Ob Ober van semm seimer weeeit weck.Und zu der Online Wohl glabi isch zu sogen das oanfoch besser isch wenn Leit zur Urne gian miasen. Sell hot oanfoch domit zu tian das… Weiterlesen »
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