Zweiter Tag des G20-Gipfels

G20-Staaten verpassen Weltklimakonferenz einen Dämpfer

Sonntag, 31. Oktober 2021 | 18:50 Uhr

Zu Beginn der Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow haben die Hoffnungen auf wirksame Schritte gegen die gefährliche Erderhitzung einen herben Dämpfer erhalten. Die führenden Wirtschaftsmächte konnten sich am Sonntag bei ihrem G20-Gipfel im italienischen Rom nicht auf ehrgeizige gemeinsame Klimaziele einigen. Die Abschlusserklärung enthält weder für die wichtige Kohlendioxidneutralität noch für den Ausstieg aus der Kohleverstromung ein konkretes Zieldatum.

Die scheidende deutsche Kanzlerin Angela Merkel wertete die Beschlüsse nach ihrem vermutlich letzten G20-Gipfel trotzdem als “gutes Signal” für Glasgow. Klimaschützer zeigten sich dagegen enttäuscht von der Haltung der G20-Staaten, die 80 Prozent der klimaschädlichen Treibhausgase produzieren. UNO-Generalsekretär António Guterres, der am Sonntag vom G20- zum Klimagipfel weiterreiste, twitterte: “Ich verlasse Rom mit unerfüllten Hoffnungen – aber wenigsten sind sie nicht beerdigt.”

In den kommenden zwei Wochen ringen in Glasgow rund 200 Staaten darum, wie die Erderwärmung auf ein noch erträgliches Maß eingedämmt werden kann. Die bisherigen Pläne der Staaten reichen zur Abwendung der drohenden Klimakatastrophe bei weitem nicht aus.

Die Erde hat sich im Vergleich zum vorindustriellen Niveau schon jetzt um etwa 1,1 Grad erwärmt. In Paris hatte sich die Staatengemeinschaft vor sechs Jahren darauf geeinigt, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad, zu begrenzen. Die G20 bekräftigt in der Gipfelerklärung nur, dass sie weiter den Zielen des Pariser Abkommens verpflichtet sei. Experten halten dafür aber eine deutliche Nachbesserung der Aktionspläne der einzelnen Länder für erforderlich.

Ende des Jahres soll zumindest die internationale öffentliche Finanzierung neuer Kohlekraftwerke enden. Die Staaten betonen zudem das Ziel, den Entwicklungsländern noch bis 2025 jährlich 100 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen. Allerdings wehrten sich etliche Staaten gegen konkrete Zieldaten etwa für die Klimaneutralität. Die in einem früheren Entwurf enthaltene Zahl 2050 wurde auf Druck etwa von China und anderen Teilnehmern wieder gestrichen. Deutschland will bereits 2045 klimaneutral sein, das heißt in der Gesamtbilanz kein Treibhausgas mehr ausstoßen. China hat bisher dagegen ein Zieldatum 2060.

Merkel wertete es als Erfolg, dass sich die “Gruppe der 20” überhaupt erstmals seit 2016 wieder gemeinsam zum Pariser Abkommen bekannt hätten. Danach war US-Präsident Donald Trump ausgestiegen. Sein Nachfolger Joe Biden, der in Rom erstmals an einem regulären G20-Gipfel teilnahm, machte diesen Schritt als eine seiner ersten Amtshandlungen wieder rückgängig.

Zweites großes Thema in Rom war die Pandemiebekämpfung. Die G20 stellte sich klar hinter das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), bis Jahresende 40 Prozent der Bevölkerung in allen Ländern zu impfen und bis Mitte 2022 eine Impfrate von 70 Prozent zu erreichen. Die Staatengruppe will dafür die Versorgung mit Impfstoffen ausweiten und Liefer- und Finanzierungshindernisse beseitigen, wie es in der Gipfelerklärung heißt. Auch die internationale Covax-Plattform zur Verteilung von Impfstoffen, die bisher ihre Ziele nicht erreichen konnte, soll wirksamer arbeiten können.

Die G20-Staaten wollen auch lokale Herstellungskapazitäten unterstützen, indem Drehscheiben für Technologietransfer in verschiedenen Regionen gefördert werden. Genannt werden neu gegründete regionale Zentren in Südafrika, Brasilien und Argentinien. Auf die von G20-Staaten wie Südafrika, Indien und China geforderte Aussetzung von Patenten geht das Dokument nicht ein. Während in reichen Ländern heute schon rund 70 Prozent geimpft sind, liegt die Quote in armen Ländern teils nur bei drei Prozent.

Deutschland und die anderen führenden Wirtschaftsmächte forderten in Rom auch eine schnelle Umsetzung der Reform der internationalen Unternehmensbesteuerung. Man rufe dazu auf, zügig die notwendigen Vorschriften und Instrumente zu entwickeln, heißt in der Abschlusserklärung. Es gelte sicherzustellen, dass die Reform 2023 in Kraft treten könne. Ihr Ziel ist es vor allem, die Verlagerung von Unternehmensgewinnen in Steueroasen zu verhindern. Große, international tätige Firmen sollen deswegen spätestens 2023 unabhängig von ihrem Sitz mindestens 15 Prozent Steuern zahlen.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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21 Kommentare auf "G20-Staaten verpassen Weltklimakonferenz einen Dämpfer"


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giovanocci
giovanocci
Tratscher
29 Tage 8 h

Der erste und beste Schritt wäre solche sinnlosen Gipfel, die Unsummen kosten online abzuhalten…

willkommen im 2021

So ist das
28 Tage 14 h

Das stimmt, bei den ständig schlechten Ergebnissen reicht auch eine Videokonferenz.

Dagobert
Dagobert
Kinig
29 Tage 4 h

Gor nichts werd sich ändern, außer, dass olls no tuirer werd!

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
29 Tage 2 h

Sorry, aber es sill teurer werden denn Vieles was den Klimawandel verursacht, geschieht weil alles billiger sein muss!
Denk mal drüber nach!
Bestes Beispiel, 35€ für nen Flug nach Mallorca. Das wollen die die Leute!

falschauer
28 Tage 13 h

@N. G.

völlig richtig und solange sich das und vieles andere nicht ändert, drehen wir uns im kreis und beißen uns in den eigenen schwanz

ps: das wird neben corona das nächste thema welches die gesellschaft spalten wird, denn viele leugnen den menschgemachten klimawandel

Zugspitze947
28 Tage 9 h

N.G. so ist es lieder ! Es dürfte keinen einfachen Flug unter 200 € geben ! 🙂

Hoferbua
Hoferbua
Grünschnabel
29 Tage 5 h

Alle mit privatjet gekommen um auch klima zu diskutieren. Alle keine maske obwohl man es ja trotzdem bekommen und weiter verbreiten kann. Wie ne fernsehserie

Fungizid
Fungizid
Tratscher
29 Tage 8 h

Wers glaubt wird seelig

Hupsstupspups
Hupsstupspups
Tratscher
29 Tage 18 Min

Die Jugendlichen müssen mit gutem Beispiel vorangehen!! Zb. Nicht mit dem Flugzeug fliegen bzw manchmal auf den Urlaub verzichten, gebrauchte Smartphones kaufen, gebrauchte Kleider kaufen bzw Omas Strickkleidung anziehen, manchmal mit dem Müllsack rumgehen und Müll einsammeln usw! Dann sind sie glaubwürdig!!!!

Hoferbua
Hoferbua
Grünschnabel
28 Tage 21 h

Ja da hast du recht. Und die großen firmen blasen ihren müll unkontrolliert weiter raus! Aber anfangen müssen die jugendlichen. Gleiche schmarrn, wie wenn ich sagen würde, hätte die ältere generation besser aufgepasst würden wir jetzt nicht in der sch…. Sitzen

Amadeus
Amadeus
Tratscher
29 Tage 2 h

Die Natur wartet nicht bis 2050 und noch weniger bis 2060. Ich würde jetzt gerne meinen Kommentar weiterführen, aber mir fällt außer “Olls zi spat” nicht einmal mehr bla bla bla ein. 

sophie
sophie
Universalgelehrter
29 Tage 47 Min

Habe immer gedacht dass Politiker intelligenter sind,
Was muss noch geschehen rund um den Erdball dass endlich gehandelt wird.
Hoffnung für die Erde gibr es nur wenn sofort gehandelt wird und nicht in 10-20 oder 30 Jahren

fritzol
fritzol
Superredner
29 Tage 26 Min

bla bla von den Politiker

2x nachgedacht
2x nachgedacht
Grünschnabel
28 Tage 23 h

wäre auch verdächtig gewesen…nach jahrzehntelangem bla bla bla…freut oder ärgert euch nicht zu früh…es kommt noch… zum ärgern oder freuen…

faif
faif
Superredner
28 Tage 12 h

….wenn es die natur nicht selber richtet, der mensch ist nicht einsichtig genug….zumindest jetzt noch nicht und zukünftig wohl auch nicht angesichts folgender entwicklungen:

https://www.energiezukunft.eu/wirtschaft/weltweit-sind-1380-neue-kohlekraftwerke-in-planung/

falschauer
28 Tage 9 h

das war vor vier jahren, dir überhitzung der erde ist ohnehin nicht mehr azfzuhalten

falschauer
28 Tage 9 h

das war vor vier jahren, die überhitzung der erde ist ohnehin nicht mehr aufzuhalten, das in rom war nichts anderes als schöne miene zum bösen spiel, unser planet hat bereits fieber und zeigt krankheitssymptome, die wirtschaftlichen interessen und die bedürftnisse, sowie ansprüche der menschen sind viel zu hoch, um einen radikalen umschwung zur rettung der erde einzuleiten, wir hören nicht und unsere nachkommen werden fühlen müssen was wir falsch gemacht haben

nemo3957
nemo3957
Tratscher
28 Tage 20 h

haetten die nicht ein on line meeting machen koennen? da haetten sie sicher weniger sprit gebraucht. 
aber ein kurzer urlaub in italien samt famile ist doch schoener.
und 3 g regeln brauchen sie auch nicht da diese regeln nur fuer normalsterbliche gelten

falschauer
28 Tage 13 h

das war ein amnüsantes wochenende der herrscher dieser welt auf unsere kosten in rom und herausgekommen ist dabei nichts

raunzer
raunzer
Superredner
28 Tage 13 h

Wer ernsthaft etwas anderes erwartet hat der sollte sich unverzüglich in eine medizinische Notaufnahme begeben.

Storch24
Storch24
Kinig
28 Tage 1 h

Weltklima Konferenz , Abholzung Brasilien . Und Bolsonaro lässt sich in Norditalien feiern wie ein Popstar. Wird sogar geehrt.wie passt das zusammen?

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