Staatschef Mattarella legte einen Kranz nieder

Gedenken an Corona-Opfer bei Zeremonie in Bergamo

Montag, 29. Juni 2020 | 06:36 Uhr

Italien hat der Tausenden Todesopfer des Coronavirus in der Provinz Bergamo gedacht. Das Land habe durch die Pandemie “unauslöschliche Narben” bekommen, sagte Staatschef Sergio Mattarella am Sonntagabend bei einer Zeremonie in der gleichnamigen Provinzhauptstadt. Es sei das ganze Land, das in Bergamo “gelitten hat, das verletzt worden ist, das geweint hat”.

Bergamo und andere nördliche Provinzen waren die am schlimmsten von dem Virus heimgesuchten Regionen Italiens. Mehr als 6.000 Menschen starben allein in der Provinz Bergamo an den Folgen der Infektion. Die dramatischen Bilder von Dutzenden sich aufreihenden Särgen am Friedhof oder von Militärkonvois zum Transport von Corona-Toten gingen um die Welt. In der schlimmsten Phase der Krise fanden in Bergamo Bestattungen unter Ausschluss der Familien statt.

Auch an der Gedenkzeremonie am Sonntag am Friedhof Monumentale durften die Hinterbliebenen nicht teilnehmen. Ihre Zahl ist zu groß, als dass die Abstandsregeln zum Schutz vor dem Virus hätten eingehalten werden können. Nach einer Schweigeminute legte Mattarella einen Kranz ab. “Die Epidemie hat unsere Leben verändert”, sagte der Staatschef. Alle Bürger hätten Bilder im Kopf, die sie nicht mehr vergessen könnten.

Die Krise habe Schwachstellen im italienischen “System” offen gelegt, über die es ernsthaft nachzudenken gelte, sagte Mattarella auch. Doch müssten zugleich die positiven Erfahrungen in Erinnerung behalten werden, so der enorme Einsatz des Gesundheitspersonals und der Sicherheitskräfte.

Insgesamt starben in Italien mehr als 34.000 Menschen an den Folgen der Coronavirus-Infektion. Die Ausbreitung des Erregers ließ in den vergangenen Wochen stark nach, weshalb die Restriktionen des öffentlichen Lebens inzwischen weitgehend gelockert wurden.

Von: APA/ag.

Kommentare

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6 Kommentare auf "Gedenken an Corona-Opfer bei Zeremonie in Bergamo"


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Savonarola
3 Tage 10 h

was werden sich die Hinterbliebenen gedenkt haben, als gespielt und gesungen wurde: siam pronti alla morte, l’Italia chiamò. Und die üblichen Floskeln: lo Stato c’è, lo Stato non lascia indietro tutti, usw. usw. Was nutzen die pompösen Veranstaltungen, die corazzieri in alta uniforme, die Kränze, die tricolori, wenn die staatlichen Behörden überfordert waren und versagt haben?

Blackadder
Blackadder
Tratscher
3 Tage 6 h

Dieser Staat hat sich gegenwart und Zukunft ueber Jahrzehnten verweigert. Anbei das Resultat. Traurig aber wahr.

Tschars
Tschars
Grünschnabel
3 Tage 5 h

Die Krise habe Schwachstellen im italienischen “System” offen gelegt, über die es ernsthaft nachzudenken gelte.

Ob da nur nachdenken reicht?

Privatmeinung
Privatmeinung
Grünschnabel
3 Tage 3 h

Diverse Politiker große Gedenkzeremonien veranstalten, und vorher Krankenhäuser schließen und die Gelder für die Sanität kürzen. Entweder sie haben kein Gewissen, oder sie wollen es beruhigen.

Ars Vivendi
Ars Vivendi
Grünschnabel
3 Tage 52 Min

Diejenigen, die solche Veranstaltungen dazu nutzen, um den Menschen Sand in die Augen zu streuen, vergessen, dass ihr eigenes schlecht funktionierendes Gedächtnis nicht auch auf alle Bürger und Bürgerinnen des Landes zutrifft.

Andreas1234567
Andreas1234567
Superredner
2 Tage 20 h

Hallo nach Südtirol,

was für eine alberne Pfauenparade und wofür die Masken jetzt gut gewesen sind wird italienisches Staatsgeheimnis bleiben.

Der Südtiroler Sonderweg war absolut notwendig spätestens angesichts dieser Vorführung dürfte es auch dem letztem realistischem Kritiker dämmern.

Auf Wiedersehen in Südtirol

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