"Keine Schuldigen"

Keine Fahrlässigkeit bei Gletscherbruch in den Dolomiten

Mittwoch, 06. Juli 2022 | 13:22 Uhr
Update

Nach der Gletscher-Lawine in den Dolomiten mit sieben Todesopfern und fünf Vermissten schließt der zuständige Oberstaatsanwalt von Trient, Sandro Raimondi, Fahrlässigkeit als Ursache für die Tragödie aus. Der Gletscherbruch sei ein “unvorhersehbares Ereignis gewesen”, so Raimondi im Interview mit Rai 3 am Dienstagabend. Dies gehe klar aus den ersten Untersuchungen hervor. Der Zugang zur Bergspitze bleibt gesperrt und wird von der Polizei bewacht.

Der Staatsanwalt reagierte mit seinen Aussagen indirekt auf die Vorwürfe einiger Angehöriger der Todesopfer. Da die Lawinengefahr am Sonntag groß gewesen sei, hätte nach Ansicht der Angehörigen der Zugang zum Berg wegen der hohen Temperaturen verboten werden sollen. Bei dem Unglück wurden auch acht Personen verletzt.

In der Marmolata-Hütte auf dem Gletscher wurden inzwischen Überwachungsgeräte installiert, mit denen die kleinsten Veränderungen der Gletscherfront – sowohl der abgebrochenen als auch der intakten – erfasst werden können, erklärte der Experte Marco Gaddo. Die von den Instrumenten erfassten Daten werden zur Analyse und Verarbeitung an ein Kontrollzentrum übermittelt.

“Der Gletscherbruch war ein außergewöhnliches, sogar ein einzigartiges Ereignis, was von vielen Experten bestätigt wird. Auf dem Gletscher gab es auch Bergführer und damit Leute, die den Berg bestens kannten”, sagte der Trentiner Landeshauptmann Maurizio Fugatti.

Die Region denkt aktuell daran Alarmsysteme für Bergsteiger einzuführen. “Rote Fahnen auf den einsturzgefährdeten Gletschern könnten Alpinisten helfen, bewusstere Entscheidungen zu treffen”, sagte Fugatti in einem Interview mit der Tageszeitung “La Repubblica” (Mittwochausgabe). Zu dem Thema soll nun auf Expertenberichte gewartet werden. Die Sicherheit habe jedoch Vorrang, meinte der Trentiner Landeshauptmann.

Nach der tödlichen Gletscher-Lawine läuft die Suche nach Vermissten. Ihre Zahl hat sich inzwischen auf fünf verringert, nachdem einige als abgängig gemeldete Personen kontaktiert werden konnten. Die fünf verbleibenden Vermissten sind alle Italiener. Zwei der sieben Toten müssen noch identifiziert werden. Sobald die Lage es erlaube, soll dann auch wieder die Suche mit Rettungseinheiten weitergeführt werden. Dies werde aber voraussichtlich nicht vor Donnerstag möglich sein, derzeit sind laut Fugatti jedoch Drohnen zu diesem Zweck im Einsatz.

Von den Toten wurden bisher vier Italiener identifiziert, darunter ein 52-jähriger Bergführer. Er soll eine der beiden später verschütteten Seilschaften geführt haben. Zu den Opfern zählt ein 48-jähriger Manager aus Venetien. Seine 51-jährige Frau überlebte dem Unglück mit vielen Frakturen und liegt im Krankenhaus. Bei den anderen Todesopfern dürfte es sich um Ausländer handeln, ihre Identität ist jedoch noch nicht bekannt.

Die Wahrscheinlichkeit, die Vermissten noch lebend retten zu können, ist laut Rettungseinheiten äußerst gering. “Wir haben die moralische Pflicht, den Angehörigen die Leichen der Todesopfer zurückzugeben”, betonte Luca Zaia, Präsident der Region Venetien, zu der Teile des Marmolata-Massivs gehören. Der Zugang zur Bergspitze bleibt gesperrt und wird von der Polizei bewacht.

Am Samstag ist in der Trentiner Ortschaft Canazei ein Trauertag für die Opfer vorgesehen. Der Erzbischof von Trient, Lauro Tisi, wird mit dem Pfarrer von Canazei Mario Bravin, Mitglied der Alpinrettung, eine Trauerzeremonie zu Ehren der Opfer zelebrieren.

Suche geht weiter

Immer noch werden an der Marmolata fünf Menschen vermisst. Es soll sich ausschließlich um italienische Staatsbürger handeln. Heute wird mit speziellen Drohnen aus der Luft gesucht. Die Suche mit Hunden direkt in den herabgebrochenen Eis- und Geröllmassen wird Medienberichten zufolge voraussichtlich am Donnerstag weitergeführt. Es bleibt aber weiterhin ein gefährliches Unterfangen.

Zwischen heute und Donnerstag sind in dem Gebiet starke Gewitter vorhergesagt. Die Einsatzkräfte hoffen, dass die Niederschläge Schutt und Staub, der sich auf dem Suchgebiet befindet, auswaschen. Dann wäre die Sicht für die Suchmannschaften besser.

Der italienische Verband der Bergführer fordert indes mehr Planung am Berg. Nach dem verheerenden Eissturz an der Marmolata sei es höchste Zeit, darüber nachzudenken, wie man Routen am Berg vorsichtig und koordiniert planen kann. Die Belastung für den Berg soll nicht zu erheblich werden.

Von: luk

Kommentare

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7 Kommentare auf "Keine Fahrlässigkeit bei Gletscherbruch in den Dolomiten"


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Faktenchecker
1 Monat 3 Tage

Einer meine Gäste hat darauf hingewiesen, dass in Deutschland bereits breit darüber berichtet wird.

https://www1.wdr.de/nachrichten/gletscher-lawine-dolomiten-klimawandel-100.html

Der Thementag ist keine Tourismuswerbung!

“Der Eisbruch am Marmolata hat den Blick auf das rapide
Gletscherschmelzen gelenkt. “Der Klimawandel hat die Alpen besonders
getroffen”, sagt Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher. Es könne in
Zukunft immer wieder zu Gletscherabbrüchen kommen.

https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-morgenecho-interview/audio-gletscherabbrueche-wahrscheinlichkeit-ist-gestiegen-100.html

falschauer
1 Monat 3 Tage

nicht nur in deutschland auch in ialien am tag zuvor auf RAI 3, das thema war die marmolada, ein gletscher im mont blanc massiv ist schon lange im gespräch und wird mit sonden überwacht

https://torino.corriere.it/cronaca/22_luglio_04/monte-bianco-rischio-crolli-ghiacciaio-planpincieux-evacuata-un-area-val-ferret-8fc550fa-fbc0-11ec-aecf-ae9a96890e21.shtml

das soll jedoch keine polemik hinsichtlich der eigenverantwortung sein, denn diese ist auf jeden fall wahrzunrhmen

1litermuelch
1litermuelch
Superredner
1 Monat 3 Tage

Wenns netamol a bergführer versteat, wos sunter kemmen isch, wem willschn donn beschuldigen 🤷🏻‍♂️
Stootsonwoltschoft richtig entschieden

falschauer
1 Monat 3 Tage
niemand sollte beschuldigt werden, einen gletscherabbruch in diesem ausmaß hat meines wissens in unseren breitengraden noch nie gegeben, wobei du ein sehr heikles thema ansprichst, es sind zwei bergführer gestorben und diese sollten über den zustand des gletschers bescheid wissen, um so mehr, dass am tag zuvor im italienischen fernseher ein bericht über den kranken zustand des marmolada gletschers ausgestrahlt worden ist….ich weiß nicht ob die verunglückten bergführer für sich unterwegs waren, oder ob sich eine gruppe ihnen anvertraut hat, dann hätten sie nämlich ein problem gehabt…sie mögen jedoch alle in frieden ruhen, sie haben für ìhre liebe zu den… Weiterlesen »
Reitiatz
Reitiatz
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

Richtige Entscheidung, Trotzdem Ollen Betroffenen Mein Aufrichtiges Beileid 🕯️

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

Salire a questa quota, verso le ore 14:00, di una giornata con +10,0°C, von il caldo di luglio…..
Come la vogliamo chiamare???

*previdenza?* 🤔😨😓🙄

Ohne Worte!

R.I.P.

Faktenchecker
1 Monat 2 Tage

Der Staatsanwalt ist voreilig.

“inige Angehörige von Opfern haben den italienischen Behörden unterdessen vorgeworfen, fahrlässig gehandelt zu haben, indem sie das Gletschergebiet nicht absperrten. Sie verwiesen auf Aussagen von Wanderern und Wanderführern, die in den vergangenen Wochen angesichts der hohen Temperaturen – zehn Grad auf der Spitze des Marmolata einen Tag vor dem Unglück – vor den Gefahren durch den Gletscher gewarnt hätten. Die Staatsanwaltschaft in Trient hat Untersuchungen zur Unglücksursache eingeleitet.”

https://www.rundschau-online.de/news/aus-aller-welt/unglueck-in-dolomiten-rettungskraefte-bergen-weitere-leichen—vorwuerfe-gegen-behoerden-39793124

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