Federico erster Neugeborener seit 16 Jahren – VIDEO

Große Freude im Zehneinwohnerdorf

Dienstag, 28. Juni 2022 | 06:59 Uhr

Groppodalosio Inferiore – In Groppodalosio Inferiore, einem Bergdorf im Apennin im „Dreiregioneneck“ zwischen der Toskana, Ligurien und der Emilia-Romagna, ist die Freude groß. Die Bergfraktion der toskanischen Gemeinde Pontremoli, die nur zehn Einwohner zählt, kann nach einer langen Durststrecke von 16 Jahren, in denen im Dorf keine Kinder zur Welt gekommen sind, ihren elften Einwohner begrüßen.

Die Eltern von Federico, Anastasia Biancardi und Daniele Armanini, die im Dörfchen das Haus der Eltern umgebaut haben und an Urlauber Zimmer vermieten, glauben an eine Zukunft des kleinen Dorfes, das von vielen bereits abgeschrieben worden ist. Die unberührte Natur sowie die vielen historischen Bauwerke fernab der großen Touristenrouten sollen dazu beitragen, die Abwanderung aufzuhalten. Wird Groppodalosio überleben?

Facebook/Groppodalosio

Mit nur zehn Einwohnern schien Groppodalosio Inferiore das Schicksal vieler Bergdörfer des Apennins beschieden, nach und nach auszusterben und zu einer Gruppe unbewohnter und langsam verfallender Häuser zu werden. Nach einer langen Durststrecke von nicht weniger als 16 Jahren konnten die Einwohner des Bergdörfchens in der Lunigiana in der nordwestlichsten Ecke der Toskana aber den elften Bewohner begrüßen. Am vergangenen Freitag erblickte im Krankenhaus in La Spezia der kleine Federico das Licht der Welt. In wenigen Tagen wird er in das Haus seiner Eltern, Anastasia Biancardi und Daniele Armanini, in Groppodalosio einziehen.

Facebook/PontremoliToday

Anastasia Biancardi und Daniele Armanini stammen beide aus der Lunigiana. Das Studium und die Arbeit hatten sie zwar gezwungen, in die Ferne zu ziehen, aber sie waren immer wieder in ihre Heimatdörfer zurückgekehrt. Der 34-jährigen Mutter von Federico, die als Journalistin für verschiedene Lokalmedien arbeitet, gelang es vor zwei Jahren schließlich, als Pressesprecherin der Union der Gemeinden der Lunigiana eine Anstellung zu finden. Der 47-jährige Daniele Armanini hingegen, der als Metallarbeiter in einer Fabrik in der Nähe von Parma angestellt ist, kehrte bereits vor zehn Jahren in das Haus seiner Eltern zurück. Er ist in der Region auch für seine musikalische Tätigkeit bekannt. Er singt in der Heavy-Metal-Band Septem, die in den Provinzen Parma, Massa Carrara und La Spezia, aber auch in den sozialen Netzwerken sehr beliebt ist.

Facebook/Groppodalosio/Carlo Lorenzani

Das Paar, das seit zwei Jahren zusammen ist, glaubt an eine Zukunft des kleinen Bergdörfchens, das von vielen bereits abgeschrieben wurde. „Wir haben uns dazu entschieden, in unserem abgelegenen Dorf zu leben, weil es hier so schön ist. Die Bergdörfer sollten wieder besiedelt werden. Es ist zwar wahr, dass es an allen möglichen Einrichtungen fehlt und die Arbeit sehr hart ist, aber gerade deshalb haben wir uns dazu durchgerungen, uns an einem Ort etwas aufzubauen, an dem die Via Francigena vorbeiführt“, so das Paar, das sich mit der Vermietung von Zimmern, die sich in einem liebevoll restaurierten, alten Haus befinden, ein drittes finanzielles Standbein schuf.

Facebook/Sandro Santini

Anastasia Biancardis und Daniele Armaninis Hoffnungen ruhen auf der Via Francigena. Als Via Francigena werden im weitesten Sinne jene mittelalterlichen Fernstraßen bezeichnet, die fränkische und englische Pilger nutzten, um über das Gebiet des Frankenreichs Rom mit seiner Grabstätte der Apostel Petrus und Paulus zu erreichen. Das Wahrzeichen von Groppodalosio ist eine eindrucksvolle romanische Bogenbrücke aus gehauenen Steinen, die unterhalb des Dorfs ein tiefes Bachbett überspannt.

„Wir glauben an die Lunigiana. Ich habe in Mailand und Apulien gearbeitet, aber ich bin immer wieder in die Lunigiana zurückgekehrt. Es ist ein wunderbarer Ort, der großes touristisches Potenzial besitzt. Es gibt hier wunderschöne Dörfer, die reich an Geschichte sind und eingebettet in der Natur liegen. Wenn es mehr Dienstleistungen gäbe, könnten junge Leute hier investieren. Wir sind glücklich, denn jetzt beginnt unser Leben zu dritt. Wir haben den richtigen Biss, um uns allen Herausforderungen zu stellen und unsere Projekte zu verwirklichen“, so Anastasia Biancardi und Daniele Armanini, die mit Erfolg eine touristische Einrichtung betreiben.

Facebook/Lunigiana World

Wie das mittlerweile elf Einwohner zählende Groppodalosio Inferiore haben auch viele andere unentdeckte Orte die Chance, sich von einem von der Abwanderung bedrohten Dörfchen, in dem nur mehr alte Leute wohnen, zu einem Ort der Zukunft zu entwickeln. Dazu müsste man aber Paaren, die sich und ihren Kindern im Heimatort eine Existenz aufbauen wollen, stärker unter die Arme greifen.

Facebook/Lunigiana World

Von: ka

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