Der Fahrer kam mit dem Schrecken davon

Grün-blauer Lkw als Symbol des Brückeneinsturzes in Genua

Mittwoch, 15. August 2018 | 20:34 Uhr

Nach dem Einsturz der Autobahnbrücke in Genua mit Dutzenden Todesopfern ging dieses Bild um die Welt: Nur wenige Meter vor dem Abgrund steht ein grün-blauer Lastwagen und sieht seltsam unbeschadet aus. Der Fahrer des Lkw kann es selbst kaum fassen, dass er das Unglück vom Dienstag überlebte, wie er der Zeitung “Corriere della Sera” erzählte.

Zum Zeitpunkt des Einsturzes habe es ein Unwetter gegeben, sagte der 37-jährige Genuese. “Es regnete, es regnete sehr, und schnell fahren war nicht möglich. Als mich ein Auto überholte, habe ich verlangsamt, denn es war unmöglich bei diesem Regen zu bremsen, man sah nicht viel”, sagte der noch unter Schock stehende Fahrer.

Dann habe plötzlich alles gewackelt. “Das Auto vor mir ist verschwunden. Die Wolken schienen es verschluckt zu haben”, berichtete der Fahrer des grünen Lastwagens, dessen Name in dem Bericht nicht genannt wurde. Als er aufgeblickt habe, habe er den Brückenabschnitt vor ihm einstürzen sehen. “Als ich mich vor der Leere befand, habe ich instinktiv den Rückwärtsgang eingelegt, als wollte ich versuchen, dieser Hölle zu entkommen.” Wie viele Meter er zurücksetzte, konnte der Mann nicht sagen.

Der marokkanische Lastwagenfahrer Afifi Idriss befand sich dahinter. “Ich habe gesehen, wie der grüne Laster anhielt und rückwärts fuhr. Ich habe angehalten, den Lkw zugemacht, und dann bin ich weggelaufen”, sagte der 39-Jährige der Nachrichtenagentur AFP.

Der Fahrer des grün-blauen Lasters war für die lokale Supermarktkette Basko unterwegs. “Das ist ein Streckenabschnitt, den unsere Lieferwagen jeden Tag zurücklegen”, sagte der Geschäftsführer Giovanni D’Alessandro der Wirtschaftszeitung “Il Sole 24 Ore”. “Die Brücke ist stark befahren, man ist dort nicht mit hoher Geschwindigkeit unterwegs.”

Der Lastwagen sei nicht das einzige Fahrzeug, das die Menschen bei der Flucht von der Brücke dort stehen gelassen hätten, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Die Staatsanwaltschaft habe aus Ermittlungsgründen noch nicht angeordnet, sie abzuschleppen. Früher oder später werde das aber passieren. Weiter unten suchten Hunderte Helfer inmitten von Beton-und Eisentrümmern nach Überlebenden des Unglücks vom Dienstag, bei dem mehr als 30 Fahrzeuge in die Tiefe stürzten und mindestens 39 Menschen starben.

Von: APA/dpa