Russische Agentin mischt italienischen Wahlkampf auf – VIDEO

Herzensbrecherin „Maria Adela“ spioniert NATO-Freunde aus

Montag, 29. August 2022 | 08:15 Uhr

Neapel/Moskau – Das Bekanntwerden der Mission einer russischen Spionin – „Maria Adela“ – überschattet den italienischen Wahlkampf.

Die Untersuchung, die das Ergebnis der Zusammenarbeit mehrerer Medien war, konnte zwar „nicht rekonstruieren, welche Informationen die Spionin erlangt hatte und ob sie in der Lage gewesen war, Computerviren in die Telefone und Computer ihrer Freunde einzuschleusen“, brachte aber die Gewissheit, dass es der schönen russischen Spionin gelungen war, „mit Schlüsselfiguren der NATO und der US-Marine in Kontakt zu treten“. Aus Sicht der recherchierenden Journalisten war „keine russische Agentin jemals imstande gewesen, so tief in den inneren Kreis der Führungskräfte des Atlantischen Bündnisses einzudringen“.

Kurz zusammengefasst ist das das Ergebnis einer zehnmonatigen Arbeit, die von der römischen Tageszeitung “La Repubblica” zusammen mit der investigativen Website “Bellingcat”, der deutschen Wochenzeitung “Der Spiegel” und “The Insider” durchgeführt wurde, um die geheime Mission der Spionin des russischen militärischen Geheimdienstes GRU, Olga Kolobova, alias „Maria Adela Kuhfeldt Rivera“ zu rekonstruieren. Die schöne “Maria Adela” ist den Investigativjournalisten zufolge die „Protagonistin der sensationellsten, jemals von Russland in Italien durchgeführten Geheimdienstoperation“.

Facebook/Instagram/Adela Serein

Die „Geschichte“ von „Maria Adela Kuhfeldt Rivera“ begann am 8. August 2005. An diesem Tag erhielt das Meldeamt des Bezirks Independencia in Lima in Peru einen Antrag auf Eintragung eines neuen peruanischen Bürgers in die nationale Bürgerdatenbank des Landes. Laut der vorgelegten Geburtsurkunde war „Maria Adela“ am 1. September 1978 als Tochter einer peruanischen Mutter und eines deutschen Vaters in Callao bei Lima geboren worden. Um Zweifel der peruanischen Behörden zu zerstreuen, reichte der Anwalt einen entsprechenden Taufschein nach. Dieser Urkunde zufolge war „Maria Adela“ zwei Wochen nach ihrer Geburt in der Pfarrei Cristo Liberador in Callao getauft worden. Zu dumm, dass die Kirche erst neun Jahre nach ihrer Geburt gebaut worden war. Da laut den zuständigen Behörden beide Urkunden gefälscht waren, lehnten sie die Eintragung von „Maria Adela Kuhfeldt Rivera“ als peruanische Staatsbürgerin ab.

Der russische militärische Geheimdienst GRU ließ sich von diesem Fehlstart aber nicht ermutigen und hielt an der peruanischen Legende seiner Agentin fest. „Maria Adela“ erhielt 2006 ihren ersten russischen Pass mit genau demselben Namen und Geburtsdatum. Laut der für sie erstellten Tarnidentität arbeitete sie als „führende Spezialistin“ an der Moskauer Staatsuniversität. Bemerkenswert ist, dass der russische Inlandspass, der für „Maria Adela“ ausgestellt wurde, zu einer ganzen Reihe von Pässen gehörte, die der GRU auch für andere russische Agenten benutzte. Die Pässe unterschieden sich untereinander nur in den letzten drei Zahlen. Zu diesen gehörten auch die Pässe russischer Geheimdienstoffiziere, die in den Giftanschlägen auf den bulgarischen Waffenhersteller Emilian Gebrev und auf Sergej Skripal verwickelt waren. Es ist dieser Pass, der die Verbindung zwischen „Maria Adela“ und dem russischen militärischen Geheimdienst GRU verdeutlicht.

Ihren Freunden erzählte „Maria Adela Kuhfeldt Rivera“ hingegen, dass ihre angeblich peruanische Mutter 1980 zu den Olympischen Spielen nach Moskau gereist war und sie nach der überhasteten Rückkehr ihrer Mutter in ihre Heimat von einer befreundeten russischen Familie adoptiert worden war.

Gesichert ist, dass „Maria Adela“ mit dem russischen Pass nach Italien einreist und in den Jahren 2009 und 2010 mit einer Aufenthaltsgenehmigung als Studentin in der Tasche zwischen Frankreich, Italien und Malta hin- und herreist. Sie gab an, in Rom eine Schule für Mode zu besuchen und – ebenfalls in der Ewigen Stadt – Gemmologie zu studieren. Im Jahr 2011 meldete sie in Paris unter dem Namen „Serein“ ihre eigene Schmuckmarke an. Diese „Firma“ nahm sie im Jahr 2013 nach Italien mit. Mit diesem Unternehmen erreichte der GRU sein Ziel, „Maria Adela“ glaubhaft als erfolgreiche Geschäftsfrau, Schmuckdesignerin und mondäne Gastgeberin von gesellschaftlichen Anlässen aufzubauen.

Nach einer kurzen Ehe – ihr Ehemann starb im Alter von nur 30 Jahren in Moskau – zog es die russische Agentin endgültig nach Italien. Im Jahr 2015 zog sie in eine schöne Wohnung mit Meerblick im exklusiven Viertel Posillipo in Neapel ein. Kurz darauf eröffnete sie im Palazzo Calabritto im Herzen von Neapel einen Showroom und eine Luxusboutique für die angeblich von ihr geschaffene Schmuck- und Edelsteinmarke. Dies diente ihr dazu, bei den besseren Kreisen von Neapel auf sich aufmerksam zu machen. Dank ihres Charmes, ihrer Extrovertiertheit und ihrer gewinnenden Ausstrahlung gelang es „Maria Adela“, Zugang zur Oberschicht der schillernden süditalienischen Metropole zu erhalten. Ihre Intelligenz – die russische Agentin sprach fließend sechs Sprachen – und ihr großes Allgemeinwissen halfen ihr dabei.

Facebook/PL MANAGEMENT di Fabio Ummarino/Marco Baldassarre

Ihrem Ziel sehr nah war die russische Agentin, als sie Sekretärin des „Lions Club Napoli Monte Nuovo“ wurde. Für den GRU ganz besonders interessant war, dass die Mitglieder dieses exklusiven Clubs fast ausschließlich hohe NATO-Offiziere, Angestellte der NATO und Marineoffiziere der in Neapel stationierten sechsten US-Flotte sind. Sie nahm an praktisch allen gesellschaftlichen Anlässen und Bällen des Clubs teil, wobei es ihr gelang, mit vielen höheren Offizieren, die auch Zugang zu nachrichtendienstlich sensiblen Daten hatten, Kontakte zu knüpfen. Im Laufe der nächsten Monate und Jahre ging die schöne Spionin mit vielen, zumeist aus ihrer Sicht beruflich interessanten Männern Liebschaften ein. Zu jenen Personen, die „Maria Adela“ sehr nahestanden, gehörte auch ein Datensystemadministrator in der NATO-Kommandozentrale in Neapel. Nicht klar hingegen ist, ob sie jemals im NATO-Stützpunkt selbst war. Allerdings glaubten nicht alle ihrer Legende und wunderten sich über ihr in keinem Verhältnis zu ihrem Einkommen stehenden „chaotischen Privatleben“. Diese Personen hielten zu ihr Abstand. Niemand hätte sich allerdings je gedacht, dass sie in Wahrheit eine russische Agentin war.

Insgesamt ist auch ungewiss, ob und welche sensiblen Informationen und Daten sie erhalten konnte und ob sie eventuell imstande war, Computersysteme des Atlantischen Bündnisses mit Viren zu verseuchen.

Das plötzliche Ende ihrer Geheimdienstmission kam im Jahr 2018, als sie sich wie in Luft auflöste. Einen Tag nachdem „Bellingcat“ am 15. September die Namen und Passnummern der an dem Giftanschlag auf Sergej Skripal in London beteiligten GRU-Agenten veröffentlicht hatte, bekam „Maria Adela“ kalte Füße und nahm den erstbesten Flug nach Moskau. Der Grund war einfach. Da der von ihr benutzte Pass nur um wenige Zehnerstellen von den Pässen der an Giftanschlägen beteiligten GRU-Offiziere abwich, war es bis zu ihrer Enttarnung als russische Agentin vermutlich nur mehr eine Frage von Tagen.

Ihren verdutzten Freunden in Italien deutete sie zwei Monate später über Facebook an, dass sie an Krebs leide und sich einer Chemotherapie unterziehe.

In Wahrheit zog „Maria Adela“ in ein Luxusapartment in Moskau ein. Anscheinend sah der GRU ihre italienische Mission trotz ihrer überstürzten Abreise als Erfolg an. Zur gleichen Zeit taucht in Moskau auch wieder Olga Kolobova auf.

Ein frisches russisches Führerscheinpassfoto von Olga Kolobova, das die Investigativjournalisten von „Bellingcat“ von einem Whistleblower erhalten hatten, wurde mit den in den sozialen Netzwerken veröffentlichten Fotos von „Maria Adela“ verglichen. Durch das Microsoft Azure-Gesichtserkennungsprogramm konnte „Maria Adela“ zweifelsfrei als Olga Kolobova identifiziert werden. Weitere journalistische Ermittlungen ergaben, dass Olga Kolobova im Jahr 1982 als Tochter eines Obersts des militärischen Nachrichtendienstes der Russischen Föderation geboren worden war. Sie beging aber auch einen schweren Fehler. Für ihr auf Olga Kolobova lautendes WhatsApp Profil und für ihre Facebook-Seite „Adela Serein“ in Italien benutzte die russische Spionin dasselbe Foto.

Facebook/Instagram/Adela Serein

Aber immerhin war es ihr gelungen, rechtzeitig zu flüchten. Anstatt in einem italienischen Gefängnis zu sitzen, frönt sie in Moskau ihrem gewohnten Luxusleben.

„Maria Adela Kuhfeldt Rivera“ beschäftigt seit Tagen die italienischen Medien. Der nun aufgetauchte Fall der russischen Spionin gesellt sich zu der seit Wochen herrschenden Debatte, ob Kreml-Chef Wladimir Putin zum Fall der Regierung Draghi beigetragen hat und ob Russland Einfluss auf den italienischen Wahlkampf nimmt. Das Mitte-rechts-Bündnis wird von seinen Gegnern unter anderem nicht nur für den Sturz Draghis verantwortlich gemacht, sondern auch beschuldigt, die Sanktionen gegen Russland lockern zu wollen. Das in allen Umfragen vorne liegende Bündnis hingegen streitet jegliche Verantwortung ab und wehrt sich mit dem Hinweis, mit allen Sanktionen und Waffenlieferungen fortfahren zu wollen.

Von: ka

Kommentare

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20 Kommentare auf "Herzensbrecherin „Maria Adela“ spioniert NATO-Freunde aus"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Kinig
1 Monat 5 Tage

bei manchen männern ist offensichtlich das hirn zwischen den beinen, dass sie auf so etwas reinfallen

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 4 Tage

Das trifft auf 99,9% zu und ist weder neu noch wird es sich ändern!

Faktenchecker
1 Monat 4 Tage

NG bemühe Dich.

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
1 Monat 4 Tage

@Falschauer: ja, ein einfaches Hormon ist wohl die wahre Schwachstelle der Nato 🙂

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 4 Tage

@Faktenchecker Wozu sollte ich, war Reeperbahn. Sagte ich dir! Da muss man sich nicht bemühen! Grins

sarkasmus
sarkasmus
Tratscher
1 Monat 4 Tage

Dacht ich mir doch, die frauenquote muss um 100% erhöht werden

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 4 Tage

@sarkasmus
…Spionage ging immer schon durchs Bett…

Hustinettenbaer
1 Monat 5 Tage
“Sie… ging zum jährlichen Nato-Ball. Mit den Militärs von Nato und US-Marine feierte sie ihren Geburtstag. Mit einem US-Soldaten fing sie eine Liebesbeziehung an. Er ist bis heute davon überzeugt, dass sie sich weniger für seinen Beruf und für sein Land als für ihn als Mann interessierte. Hegte denn niemand Verdacht ? Oberstleutnant Thorsten S., damals in führender Position im [Lions-]Klub, erinnert sich an eine Begebenheit. Als der Klub kurz vor dem finanziellen Aus gestanden habe, habe Adela den Jahresbeitrag für alle aus eigener Tasche bezahlt. “Das war schon seltsam”, sagt S.” (Aktueller Spiegel, S. 10/11) Soso, “seltsam”. Die Dame… Weiterlesen »
N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 4 Tage

Absolut jeder würde auf etwaige Versuche rein fallen denn jedes Opfer wird nach seinen jeweiligen Schwächen oder Preveränzen ausgesucht und damit ist es einfach … Das hat mit Dummheit nichts zu tun. Die , DIE, sind nicht dumm , die Opfern erliegen einfach den Angeboten!

Hustinettenbaer
1 Monat 4 Tage

@N.G.
Es ist schon ein Unterschied, ob ein Mütterchen auf den Enkeltrick reinfällt, oder ein Polizist.
Gegen Spionage sind Nato-Militärs und US-Marines gebrieft. Zusätzlich jährliche Sicherheitsüberprüfung. Da wird auch das private Umfeld auf Kuckuckseier abgeklopft.
Die Dame hatte von 2014 bis zu ihrem Abtauchen 2018 freie Bahn.
“2020 wurde ein französischer Oberstleutnant auf der Nato-Basis in Neapel als mutmaßlicher russischer Spion verhaftet.”

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 4 Tage

@Hustinettenbaer Menschen haben Schwächen. Jeder hat die und genau danach wird gesucht. Darum gabs immer wieder Welche die schwach wurden oder sogar zu Übetläufern wurden. Da kannst du briefen wie du möchtest.
Wie man an diesem Beispiel sehen kann, es klappt immer noch.

TKirk
TKirk
Tratscher
1 Monat 5 Tage

Wirklich Herzzerbrechend. 
Aber trotzdem sollten wir bei all dem nicht vergessen dass es in Australien 50Mio Kängurus gibt

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 4 Tage

Und die Masse an Insekten übersteigt die an Menschen bei weitem! Sogar die an Bakterien!

sarkasmus
sarkasmus
Tratscher
1 Monat 4 Tage

Bei uns gibt es nur viele trolle

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
1 Monat 5 Tage

“Nach einer kurzen Ehe – ihr Ehemann starb im Alter von nur 30 Jahren in Moskau….” woran könnte er gestorben sein, Pollonium, Novichok, vom Fenster gefallen? Dann würde die Passnummerserie auch in dieser Hinsicht passen!

StreetBob
StreetBob
Superredner
1 Monat 5 Tage

Nit schlecht…. Kannet man an Bond Film drahnen….

sarkasmus
sarkasmus
Tratscher
1 Monat 4 Tage

Weiss und blond geht gar nicht

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

Hm….
Woran ihr Ehemann wohl gestorben ist?

honga
honga
Tratscher
1 Monat 4 Tage

könnte mir vorstellen an regierungskritik. soll dort öfter vorkommen.

Calimero
Calimero
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

Eine süße Maus, welcher Mann würde da schon nein sagen.

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