Energiekosten fast vervierfacht

Hohe Strom- und Gaspreise machen Schwimmbädern schwer zu schaffen

Donnerstag, 02. Juni 2022 | 07:58 Uhr

Rom – Die Schwimmbäder ganz Europas bekommen die Folgen des von der Europäischen Union verhängten Gas- und Ölembargos immer stärker zu spüren.

Schätzungen zufolge haben sich die Energiekosten, die die Betreiber der Schwimmbäder tragen müssen, im Schnitt mehr als verdreifacht. In Großbritannien, wo Schwimmen fast als Nationalsport gilt, ist nicht zuletzt aufgrund seines ungünstigeren Klimas stärker von diesem massiven Kostenanstieg betroffen, aber auch Italien, wo im Freien liegende Schwimmbäder zumindest im Sommer ohne Heizung auskommen, leiden die entsprechenden Verbände und Vereine immer stärker unter den steigenden Betriebskosten, die sie stemmen müssen. Eine baldige Erhöhung der Tarife für alle Nutzer scheint unabwendbar.

Facebook/Federazione Italiana Nuoto

Die Folgen des von der Europäischen Union verhängten Gas- und Ölembargos gegen Russland sind in Großbritannien bereits angekommen. Laut einer Studie der Financial Times sind rund 4.000 englische Schwimmbäder von der Schließung bedroht. In England, wo Schwimmen zu den beliebtesten Sportarten zählt, bereiten sich gut 86 Prozent der Betreiber darauf vor, Personal abzubauen, den Service für ihre Kunden zu reduzieren oder die Tarife zu erhöhen.

APA/APA/THEMENBILD/HARALD SCHNEIDER

Dank seines im Vergleich zu den britischen Inseln weit günstigeren Klimas sind Italiens Schwimmbäder weniger stark von den massiv gestiegenen Energiepreisen betroffen, aber auch die italienischen Schwimmbadbetreiber werden nicht müde, auf die sich abzeichnende Kostenfalle hinzuweisen.

Facebook/Federazione Italiana Nuoto

„Das Problem ist untragbar geworden. Wir gehen jetzt zwar auf die Sommersaison zu, aber ich weiß nicht, was wir im Herbst tun werden. Die Gaspreise sind von früheren 42 Cent pro Kubikmeter auf 1,2 und in manchen Städten sogar auf Spitzenwerte von 1,5 Euro geklettert. Ein kleines, zwölfmal 15 Meter großes Schwimmbad, das früher 4.000 Euro im Monat für die Heizung gekostet hat, schlägt sich heute allein für das Gas mit monatlichen Kosten von 12.000 bis 15.000 Euro zu Buche“, rechnet der Vizepräsident des italienischen Verbandes der Sportstättenbetreiber, Sigis, Cosimo D’Ambrosio, vor.

Facebook/Federazione Italiana Nuoto

Da neben den Kosten für die Aufrechterhaltung der Wassertemperatur auch jene für die Filtration des Wassers, für den Energieverbrauch der Duschen und Haartrockner, für die Beleuchtung und für die Raumheizung eingerechnet werden müssen, wird spätestens nach dem Sommer ein fast vierfacher Anstieg der Eintrittspreise befürchtet. „Auch weil in Italien neun Zehntel der Schwimmbäder in Konzession betrieben werden, sind von diesem Problem sowohl öffentliche als auch private Einrichtungen betroffen“, erklärt Cosimo D’Ambrosio.

„Wir in Rom, die noch über Reserven verfügen und als Konzessionäre eine große Anlage betreiben, erwägen, uns durch eine Investition in eine Fotovoltaikanlage selbst zu versorgen, aber nicht alle verfügen über diese Möglichkeit“, ringt der Vizepräsident des italienischen Verbandes der Sportstättenbetreiber um Lösungen. Die Emilia-Romagna hat als erste Region beschlossen, den Verbänden und Vereinen, die Schwimmbäder betreiben, finanziell unter die Arme zu greifen.

Facebook/Federazione Italiana Nuoto

Auch im italienischen Schwimmverband – „Federazione italiana nuoto“, Fin – herrscht helle Aufregung. „Wir sind uns bewusst, dass die Schwimmsportvereine, die ein Schwimmbad betreiben oder nutzen, aufgrund der stark erhöhten Betriebskosten am Ende ihrer finanziellen Kräfte sind“, bringt der Verbandspräsident der Fin, Paolo Barelli, die schwierige Lage vieler Mitgliedsvereine auf den Punkt.

Die vom Sportministerium zugesagten Beihilfen von zunächst 30 Millionen Euro, die an Vereine, die sich auf der Warteliste befinden und bestimmte Voraussetzungen erfüllen, ausgeschüttet werden, sowie eine Tranche von versprochenen weiteren 48 Millionen Euro, die einem großen Kreis von Vereinen zugutekommen wird, sollen den Schwimmsportvereinen etwas Luft verschaffen.

LPA/Giovanna Boninsegna

„Trotz der Vervierfachung der Kosten und der Energiekrise, für die keine Lösung in Sicht ist, blicken wir mit Optimismus in die Zukunft. Auch die Gemeindeverwaltungen zeigen sich unseren Problemen gegenüber offen und planen je nach ihren Bedürfnissen Maßnahmen zur Unterstützung unserer Mitgliedsvereine, die nicht nur Wettkampfsport betreiben, sondern in ihren Gemeinden auch eine wichtige und unverzichtbare soziale Funktion erfüllen“, freut sich Paolo Barelli, der im gleichen Atemzug der Staatssekretärin im Sportministerium, Valentina Vezzali, für ihr Engagement dankt.

APA/APA (Symbolbild/dpa)/Wolfram Kastl

Dass die Schwimmvereine wie viele andere Sportvereine auch in ihren Gemeinden eine wichtige und unverzichtbare soziale Funktion erfüllen, steht außer Zweifel. Angesichts der steigenden Kosten, die von der Allgemeinheit nur zum Teil übernommen werden können, besteht aber die Gefahr, dass sportlich betriebenes Schwimmen in wenigen Jahren zu einem Sport für Betuchte werden wird.

Von: ka

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

41 Kommentare auf "Hohe Strom- und Gaspreise machen Schwimmbädern schwer zu schaffen"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
sixtus
sixtus
Tratscher
23 Tage 11 h

Es ist wirklich wichtig den Schwimmbädern unter die Arme zu greifen, aber den Bürgern wäre es noch viel wichtiger.

N. G.
N. G.
Kinig
23 Tage 7 h

Mit welchem Geld?

Trina1
Trina1
Kinig
23 Tage 4 h

@N. G. Mit dem Reddito di Cittadinanza !

OrB
OrB
Universalgelehrter
23 Tage 3 h

@N. G.
Wären wir Arbeitnehmer Bauern oder Hoteliere dann hätte unsere Landesregierung schon längst Geld aufgetrieben.

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
23 Tage 1 h

@OrB…. ich hätte nicht gehört, dass den Arbeitnehmern jetzt das Gehalt gekürzt wurde, aber bei Bauern, Hotelier und Unternehmern steigen die Spesen auch gewaltig, können sie aber sehr schwer an die Endverbraucher weiterreichen, also bleibt zum Schluss weniger übrig. Bevor man so einen Kommentar schreibt, könnte man sich vorher mit ein paar betriebswirtschaftlichen Zahlen befassen. Steigen die Produktionskosten wegen dieser Situation z.B. bei der Milchproduktion um 50% und geht gleichzeitig der Milchpreis um 15% zurück, verdient der Bauer gleich viel?…..die Arbeitnehmer haben da einen garantierten Lohn, auch wenn es dem Betrieb schlecht geht…..

sixtus
sixtus
Tratscher
22 Tage 23 h

@Oracle Am bitteren Ende zahlt immer der Arbeitnehmer. Kommt sehr selten vor, dass ein Produzent die Kosten nicht weitergibt. Der AN kann keine Kosten weitergeben oder bekommt Beiträge wie Unternehmen und unsere armen Bauern.

OrB
OrB
Universalgelehrter
22 Tage 14 h

@Oracle
Den Bauern und Hotelieres wurde das “Gehalt” auch nicht gekürzt!
Arbeitnehmer und Familien haben mit Mehrausgaben von ca. 30% zu rechnen, aber Hilfe gibt es nicht!
Bauernhilfen, Kuhbonus, 50% Beitrag für Landwirtschaftliche Maschinen usw.
Hotels, keine GIS usw.

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
22 Tage 13 h

@sixtus… naja, Familiengeld, Pendlergeld, 80€ Renzibonus, Irpef-Abzüge sodass man auch “0” Irpef zahlt, usw. ist wohl nichts…

letzwetto
letzwetto
Tratscher
22 Tage 12 h

@Oracle wohnungen haben nicht, garten, hennen,schweine. bauern sind selbstversorgen aber lieber in die fabrik gehen und die milchkühe verkaufen

sixtus
sixtus
Tratscher
22 Tage 12 h

@Oracle Familiengeld ist einkommensabhängig (Mittelschicht fällt größtenteils durch, Bauern und Hoteliers nicht, da ihr Einkommen anders berechnet wird), Pendlergeld(?), wer bekommt das noch, wenige. Dieser Aufwand rechtfertigt die Kosten nicht. Irpef Abzüge, möchtest du etwa Einkommen von 7500 besteuern? Wie sieht es aber mit den Rückerstattungen der Inps Beiträge der Bauern aus? Gibt es wohl auch nur hier in Südtirol danke der Lobby

traktor
traktor
Kinig
23 Tage 13 h

suuuuper, das embargo wirkt ja suuuper

N. G.
N. G.
Kinig
23 Tage 11 h

Wieso? Gehst du viel Schwimmen?

primetime
primetime
Kinig
23 Tage 10 h

@traktor auch du bist auf diese Lüge reingefallen. Die Energiekosten sind weit vor Kriegsbeginn gestiegen…

N. G.
N. G.
Kinig
23 Tage 7 h

@primetime Soweit denken die meisten nicht… Ist viel zu lang her..und warum, schin mal gat nicht..!
Is ja wurscht, ihm ust es zu teurer, grins.

neidhassmissgunst
neidhassmissgunst
Superredner
22 Tage 10 h

Ich sage mal: einfach den richtigen Eintrittspreis verlangen.
Ein beheiztes Bad mit großer Fläche und nur wenigen Besuchern ist eigentlich auch ein Klimakiller in Sachen Wasser-und Energieverbrauch. Wenn dann auch noch billig Schwimmen möglich ist, dann stimmen die Bilanzen sicher nicht.
So mancher junger “Fridays-for-Future” Aktivist der jetzt Schwimmen geht kann sich was überlegen.

Galantis
Galantis
Superredner
23 Tage 12 h

..kein Schwimmbad braucht eine Wassertemperatur von 27-28 Grad!

Doolin
Doolin
Kinig
23 Tage 12 h

…geht im See plantschen…

N. G.
N. G.
Kinig
23 Tage 7 h

Toll, damit sie da alles zu müllen? So viel tu deiner Weitsicht!

Storch24
Storch24
Kinig
23 Tage 12 h

Schwimmbad muß nicht unbedingt sein, Strom zu Hause JA

luis p
luis p
Tratscher
23 Tage 10 h

Ich warte auch schon mit großen Sorgen auf die nächste Strom und Gasrechnung

OrB
OrB
Universalgelehrter
23 Tage 3 h

@luis p
Unsere ist schon gekommen, bei weniger verbrauch fast das Doppelte! 😡😡😡😡

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
23 Tage 1 h

@OrB…. leider ist das so und das wird sich nicht schnell bessern, solange der Wladimir so “spinnt”. Was kann jeder einzelne machen? Klimageräte abschalten, Led-Glühbirnen, Standby vermeiden, Spülmaschine und Waschmaschine abends laufen lassen…..früher oder später an eine Photovoltaikanlage mit Speicher denken……energiefresser-Geräte austauschen….ich habe meinen Kamin saniert und nehme im Winter nach vielen Jahren die Holzheizung wieder in Betrieb, weg vom Gas!

Tina1
Tina1
Superredner
22 Tage 12 h

So lange man Geld hat für das lange WE zu verreisen wirds wohl nicht so tragisch sein….🤔

timetosay
timetosay
Tratscher
23 Tage 9 h

Selbst schuld wenn man große dächer nicht als photovoltaikfläche nutzen will…

Herri
Herri
Grünschnabel
23 Tage 8 Min

genau so ist es..
die letzten 10 jahre verschlafen

tom
tom
Universalgelehrter
22 Tage 6 h

Oder Solarkollektoren fürs Warmwasser

Noggi
Noggi
Tratscher
23 Tage 9 h

Ja mir als privater machen die Energiekosten auch zu schaffen und kann nicht einfach den Eintritt erhöhen…

Calimero
Calimero
Universalgelehrter
23 Tage 9 h

Die Embargos waren wohl ein Schuss ins eigene Knie.

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
23 Tage 1 h

@Calimero…. Embargos waren wohl ein Schuss ins eigene Knie? Embargos sind niemals eine Einbahnstraße. Lassen wir einfach die Leute in der Ukraine sterben, damit wir billiger tanken können? Wenn wir aber ehrlich sind, verschwenden wir zuviel Energie, weil diese so billig war. Es gibt viel Einsparpotential, hier gilt es jetzt anzusetzen. Solarkollektoren und Photovoltaik auf jedem Dach wird in naher Zukunft standard werden müssen…. solange die Sonne scheint, sollten wir die auch und vor allem mehr nutzen!

Trina1
Trina1
Kinig
23 Tage 2 h

Ich habe bei demselben Verbrauch das doppelte bezahlt, mir reicht das ohne Schwimmbad. Soweit wird es noch kommen, dass wir im Winter im kalten sitzen!

Tina1
Tina1
Superredner
22 Tage 12 h

Trina1…scheint nicht alle zu betreffen. Parkplätze bei uns sind alle leer weil alle verreist. Die jammern im Winter dann am meisten.

Trina1
Trina1
Kinig
22 Tage 10 h

@Tina1 jo jo jeder Normalverdiener tuat sich bei de Preisse schwer! Des sein de de auf nichts verzichten und im Winter mit kurzen Laibelen in der Wohnung ummerrennen. Meine Heizung stell i den gonzn Winter auf 20 grad und hon eine Rechnung gekriag jo es doppelte mit den selben Verbrauch! Strom idem!

landlar
landlar
Grünschnabel
23 Tage 5 h

die politiker dieses landes haben die schuld.
suedtirol haette die moeglichkeit (autonomie) den gesamten strom selber fuer sich zu nutzen. aber dank svp die sich lieber mit skandalen zudecken und an denen zu arbeiten haben muessen wir die energie sauteuer bezahlen.
vor den wahlen gibt es wiedr einen bonus 100-150€ und dan waehlt herr und frau suedtiroler wieder und immer wieder das gleiche, fallen immer auf die gleichen versprechen rein hnd aergern sich im nachhinein. dumm dumm dumm. zu faul und zu aengstlich auf veraenderung.

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
23 Tage 8 h

Einige Kommentare hier zeigen klar die Prioritäten: Das Schwimmbad ist manchen wichtiger als den Druck auf Putin zu erhöhen, um den Krieg zu beenden. Hauptsache wir müssen auf nichts verzichten! Auch nicht auf das Schwimmbad. Frage mich, was die Menschen in der Ukraine dazu sagen würden….

sepp2
sepp2
Superredner
23 Tage 8 h

die Verluste darf dann eh der Steuerzahler ausgleichen

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
23 Tage 8 h

Die Sonne stellt keine Rechnung, die meisten Schwimmbäder werden zu einer Zeit benutzt, in der viel Sonne scheint. Eine Investition z.B. in Hybridkollektoren (Wärme und Strom) könnte eine gute Lösung sein, auch für die Gemeinden und für unsere Wirtschaft.

andr
andr
Universalgelehrter
23 Tage 4 h

Na ja im Winter freischwimmbäder beheizen hat mich immer schon gestört welch sinnlose energieverschwendung

diskret
diskret
Tratscher
23 Tage 9 h

Nicht hingehen ist das beste dieses clor wasser und alle pissen da rein grausig

hello_world
hello_world
Neuling
23 Tage 9 h

Unbeheiztes Hallenschwimmbad im Winter stelle ich mir super vor. So bei 10 Grad lässt es sich gut schwimmen. Die Aufwärmphase dauert halt etwas länger…

OH
OH
Tratscher
22 Tage 1 h

Nicht nur den Schwimmbädern, auch denen die schwimmen gehen ( oder wollen ) .

bern
bern
Universalgelehrter
21 Tage 10 h

Schwimmbäder sind VERZICHTBAR.
Wir müssen Energie sparen……oder wollt ihr lieber die Schulen nicht mehr heizen?
Das würde ich den Politikern sogar zutrauen.

wpDiscuz