Unklar ist, wie es mit der EU-Marinemission "Sophia" weitergeht.

Hunderte Flüchtlinge auf dem Weg nach Spanien gerettet

Sonntag, 22. Juli 2018 | 19:26 Uhr

Die spanische Seenotrettung hat am Sonntag im westlichen Mittelmeer erneut 400 Flüchtlinge gerettet. Damit sei die Zahl der seit Freitag in Sicherheit gebrachten Migranten auf mehr als 1.100 gestiegen, berichtete das spanische Fernsehen am Sonntag unter Berufung auf Behördenangaben. Die Schiffe der italienischen Küstenwache blieben in den Häfen.

Die Flüchtlinge sind demnach auf mehr als 50 Booten im Alboran-Meer und in der Straße von Gibraltar unterwegs gewesen. Sie stammen den Angaben zufolge aus Maghreb-Staaten und afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Die Retter brachten die Menschen in verschiedene Häfen im südspanischen Andalusien, unter anderem nach Tarifa und Malaga.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitgeteilt, dass nach ihrer Einschätzung Spanien das neue Hauptziel illegaler Migranten sei. Die Zahl der Flüchtlinge auf der westlichen Mittelmeer-Route haben sich bis Mitte Juli 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdreifacht und übertreffen nun die Ankünfte in Italien und Griechenland.

Auch die libysche und die maltesische Küstenwache haben am Wochenende erneut Dutzende Migranten in Seenot aus dem Mittelmeer gerettet. Die Schiffe der italienischen Küstenwache blieben dagegen in den Häfen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen des Transportministeriums in Rom erfuhr. Unklar blieb am Sonntag, wie es mit der EU-Marinemission “Sophia” weitergeht.

In einer nächtlichen Rettungsaktion brachte der maltesische Küstenschutz 19 Migranten rund 50 Seemeilen südlich von Malta in Sicherheit. Das aus Libyen kommende Boot sei gekentert, kurz nachdem die Migranten mit Schwimmwesten versorgt worden seien, teilten die maltesischen Streitkräfte am Sonntag mit. Zwei zunächst vermisste Insassen seien entdeckt und ebenfalls gerettet worden.

Aus Kreisen in Rom war am Sonntag von weiteren 120 Migranten die Rede, die an Bord eines Schlauchboots 35 Meilen von der libyschen Küste entfernt von der Küstenwache des Landes gerettet worden sein sollen. Bereits am Samstag seien 59 Menschen in der maltesischen Such- und Rettungszone – ebenfalls von den Libyern – gerettet worden. Sie sollten nach Malta gebracht werden.

Die Seenotrettung durch private Helfer und EU-Schiffe in den internationalen Gewässern nahe der libyschen Küste ist dagegen weitgehend zum Erliegen gekommen. Die neue populistische Regierung in Rom hatte mehrfach Schiffe mit geretteten Bootsflüchtlingen blockiert und Hilfsorganisationen die Einfahrt in Häfen verwehrt.

Medienberichten zufolge wollen sowohl die Helfer von Proactiva Open Arms als auch von SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen demnächst in die Rettungszone zurückkehren. Das Rettungsschiff “Aquarius” liegt derzeit in Marseille, von wo es Ende des Monats aufbrechen soll, wie die Nachrichtenagentur ANSA einen freiwilligen Helfer von SOS Méditerranée zitierte.

Am Sonntag rief Papst Franziskus die internationale Gemeinschaft in einem eindringlichen Appell dazu auf, weitere Flüchtlingstragödien im Mittelmeer zu verhindern. Er wandte sich an die Institutionen, Sicherheit und Respekt für die Menschenrechte und die Würde aller Personen zu garantieren. Franziskus erklärte, er sei den Toten und ihren Familien im Gebet nahe.

Vertreter der EU-Staaten einigten sich am Freitag in Brüssel darauf, möglichst innerhalb der kommenden fünf Wochen eine neue Strategie zum Umgang mit Migranten zu vereinbaren. Zuvor hatte der italienische “Sophia”-Einsatzführer Enrico Credendino angeordnet, dass sich alle an der Operation beteiligten Schiffe bis Montag aus dem Einsatzgebiet zurückziehen und in Häfen einlaufen sollen. Von der Einsatzzentrale in Rom war am Sonntag nicht zu erfahren, ob die Mission bis zum Ergebnis der Überprüfung wieder aufgenommen wird – und falls ja, wann.

Von: APA/dpa