Jogger im Trentino mit Prankenhieben verletzt

“Im Notfall wird der Bär getötet”

Freitag, 12. Juni 2015 | 12:00 Uhr

Trient – Das dominierende Thema bei der vergangenen Landtagssitzung im Trentino war der Bär. Nach dem Angriff auf den Wladimir Molinari in den Wäldern oberhalb von Candine entfachte sich eine hitzige Diskussion über das weitere Vorgehen. Molinari war nach dem Angriff ins Krankenhaus gebracht worden.

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Sowohl die Opposition als auch die Mehrheit waren sich darin einig, dass etwas unternommen werden müsse.

Landeshauptmann Ugo Rossi erinnerte an die geltenden Regeln, die derzeit in Kraft sind. Demnach sei das Einfangen von gefährlichen Tieren vorgesehen. Sollte sich der Bär wehren und die Amtspersonen gefährden, ist auch ein Abschuss nicht ausgeschlossen.

Die Entscheidung darüber wird allerdings im Umweltministerium in Rom gefällt, berichtet das Tagblatt Dolomiten. Die Verantwortlichen im Trentino und in Südtirol haben nur Vorschlagsrecht. 50 Bären sollen sich derzeit laut Schätzungen in der Region aufhalten. Damit wurde bereits jetzt die Anzahl an Tieren erreicht, die beim Start des Bärenprojektes „Life Ursus“ für 2030 vorgesehen war.

Bärensichtungen gab es heuer auch in Südtirol, und zwar in Ulten, im unteren Vinschgau, in Tisens und am Deutschnonsberg.

BISHER: "Handeln, bevor auch in Südtirol etwas passiert"

Die BürgerUnion fordert in einem Beschlussantrag im Landtag eine Lösung in der Bärenproblematik, bevor auch in Südtirol Menschen zu Schaden kommen.

Wie der Landtagsabgeordnete der BürgerUnion, Andreas Pöder, unterstreicht, sei das Bärenproblem für betroffene Bergbauern und Almbewirtschafter bereits seit Jahren vorhanden. "Nach den jüngsten Vorfällen im Trentino, bei denen Menschen von Bären verletzt wurden, muss das Bärenansiedlungsprogramm beendet und die Bären in geeignete Großgehege überführt werden", so Pöder.
 
"Die Ökoromantiker werden jetzt zwar wieder Aufschreien und die netten Bären verteidigen, sie müssen aber nicht täglich mit den Gefahren, die von den Tieren ausgeht, leben. Bär, Mensch und Viehwirtschaft passen in unserem relativ dicht besiedelten Lebensraum nicht zusammen. Eine Bärenentnahme muss nicht zwangsläufig die Tötung der Tiere nach sich ziehen. In Deutschland beispielsweise hat man die Bären aus den besiedelten Gebieten entnommen und in riesige umzäunte Gebieten ausgesetzt", unterstreicht der Abgeordnete.
 
Seit Jahren hätten Bergbauern und Almbewirtschafter das Problem mit gerissen Schafen und Ziegen. Bevor jetzt auch in Südtirol Menschen von Bären angegriffen werden müsse gehandelt werden, so die BürgerUnion.

BISHER (11.06.2015): Brutale Bärenattacke im Trentino – VIDEO

Im Trentino ist es am Mittwoch laut Medienberichten erneut zu einer Bärenattacke gekommen. Der 45-jährige Vladimir Molinari aus Cadine joggte gegen 17.00 Uhr zusammen mit seinem Hund in der Örtlichkeit Pozzo degli Spini, als er im bewaldeten Gebiet oberhalb seines Dorfes von einem Bären

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Dabei soll er mehrere Prankenhiebe auf den Arm und den Brustkorb abbekommen haben. Andere Quellen berichten davon, dass der Mann auch einen Biss im Gesicht erlitten und zwei Zähne verloren hat.

Der Kampf mit dem Wildtier soll mehrere Minuten gedauert haben. Der robuste und durchtrainierte Ultratrail-Läufer soll sich mit allen Mitteln gewehrt haben. Schließlich gelang ihm die Flucht vor dem Tier. Molinari soll schwere aber nicht lebensgefährliche Verletzungen erlitten haben.

Ein Radfahrer, der nach zehn Minuten Flucht des Weges kam, begleitete den 45-Jährigen ins Tal – beide hatten kein Handy dabei.

Damit ihm Molinari bei Bewusstsein blieb, sprach der Radfahrer unentwegt mit ihm. Dabei erzählte er, dass der Bär plötzlich an seiner Seite aufgetaucht sei und er keine Chance gehabt habe. Mit Tritten und Schlägen habe er sich gewehrt, aber seine Versuche beeindruckten das Tier nicht.

Im Tal angekommen wurde er von den alarmierten Sanitätern erstversorgt und dann ins Krankenhaus nach Trient eingeliefert. Am Abend wurde der Mann einem operativen Eingriff am Arm unterzogen, um seine Muskelsehne zu retten.

Der Hund des 45-Jährigen wurde später verletzt in Cadine gefunden.

Forstbeamte machten sich noch gestern zum Ort des Geschehens auf, um nach Spuren des Kampfes zu suchen. Mit Hunden soll der Bär jetzt verfolgt werden.

Landeshauptmann Ugo Rossi hat bereits mit Umweltminister Gian Luca Galetti telefoniert. Heute soll es eine Videokonferenz geben.

Von: ©lu/mk