Dieses Mahnmal erinnert an den brutalen Mord vor 25 Jahren

Italien gedenkt des 25. Todestages von Mafia-Jäger Falcone

Montag, 22. Mai 2017 | 10:09 Uhr

Italien gedenkt einer der dunkelsten Phasen seines Kampfes gegen die Mafia. Vor 25 Jahren, am 23. Mai 1992, wurde der sizilianische Mafia-Jäger Giovanni Falcone durch Killer der Cosa Nostra ermordet. Falcone, seine Frau Francesca Morvillo und drei seiner Leibwächter wurden bei einem Attentat auf der Autobahn bei Capaci nahe Palermo in die Luft gesprengt.

Zwei Monate später, am 19. Juli 1992, wurde auch Falcones engster Freund und Mitarbeiter, Paolo Borsellino, bei einem ähnlichen Anschlag ermordet. Noch nie zuvor hatte die Mafia eine derart aggressive Offensive gegen Staatsdiener gewagt.

In Erinnerung an Falcone, der in Italien zum Symbol des hartnäckigen Krieges gegen die Mafia geworden ist, finden am Dienstag in ganz Italien zahlreiche Gedenkfeiern statt. Zu seien Ehren werden in Palermo viele Spitzenpolitiker erwartet.

Falcone, der 53-jährig starb, hatte sich stets bemüht, die internationalen Verbindungen der Cosa Nostra aufzudecken. Eine entscheidende Rolle spielte er beim Aufbau des sogenannten Anti-Mafia-Pools, einer Gruppe von Staatsanwälten, die Mitte der 80er-Jahre sehr erfolgreich gegen das organisierte Verbrechen vorging.

Die Ermordung Falcones und seines Mitarbeiters Borsellino markierte in Italien einen Wendepunkt in der Haltung der Bevölkerung. Hunderttausende Menschen demonstrierten unmittelbar nach Falcones Tod auf den Straßen Palermos. Viele Sizilianer brachen ihr Schweigen und bekannten sich offen gegen die Mafia. Erpresste Geschäftsleute wehrten sich zunehmend, “Schutzgeld” zu zahlen. Nicht wenige von ihnen mussten dies mit ihrem Leben bezahlen.

Kurz nach Falcones Ermordung wurde eine neue Anti-Mafia-Gesetzgebung verabschiedet, die abtrünnigen Mafiosi beträchtliche Strafmilderungen garantierte. Dank der Kooperation von reuigen Kronzeugen konnten die italienischen Behörden in den Jahren nach dem Tod des Staatsanwalts wichtige Erfolge verbuchen. Entscheidend erwies sich im Jänner 1993 die Verhaftung von Toto Riina, Nummer eins der sizilianischen Mafia, der wegen Falcones Tod zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Lebenslänglich hinter Gittern sitzt auch Mafia-Boss Giovanni Brusca. Er hatte den Auslöser der Bombe gedrückt, der in Capaci den Mafia-Jäger tötete. 29 Mafia-Bosse wurden insgesamt wegen Beteiligung an der Ermordung Falcones zu lebenslanger Haft verurteilt.

Seither hat sich vieles in der Struktur der Cosa Nostra gewandelt. Sie setzt nicht mehr auf Aufsehen erregende Anschläge, um ihre Macht zu behaupten, sondern immer mehr auf die Ausbreitung ihres Wirtschaftsimperiums. Die Mafia, die überwiegend mit Drogen- und Waffenhandel Milliardenprofite macht, mischt jetzt auch in Branchen wie Bauwirtschaft, Müllentsorgung und Gastronomie mit. Zuletzt tauchten Hinweise auf anrüchige Millionen-Geschäfte mit der Flüchtlingsversorgung auf Sizilien auf.

Vor allem das Baugewerbe sei sehr anfällig für die Infiltration, meinen Experten. Gerade kleinere Unternehmer profitierten, wenn die Verbrecher sich einmischen und Mitbewerber vom Markt halten. Nur stärkere Kontrollen durch Lokalregierungen könnten dies verhindern.

An der Spitze steht seit Jahrzehnten Matteo Messina Denaro, der seit 22 Jahren vergebens gesucht wird. Ihm werden mindestens 50 Morde zur Last gelegt, der erste angeblich mit 18 Jahren begangen. Der Mafia-Boss liebt Luxusautos, Golduhren und Markenkleidung. Mit 14 Jahren soll er begonnen haben, mit Pistolen zu schießen. Messina Denaro hatte die Cosa Nostra nach der Festnahme des inzwischen verstorbenen Paten Bernardo Provenzano im Jahr 2006 übernommen.

Frauen spielen in den Spitzenstrukturen eine immer aktivere Rolle. Wenn ihre Väter, Ehemänner oder Söhne inhaftiert werden, rücken sie in die “Chefetagen” des Verbrechens auf. Die Clan-Chefinnen, die den Drogenmarkt beherrschen, Geld waschen und Killer anheuern, sind die neuen “Patinnen”. Sie agieren genauso kaltblütig wie ihre männlichen Familienmitglieder, behaupten die Ermittler.

Von: apa