Bei dem Brückeneinsturz kamen 43 Menschen ums Leben

Italien lehnt Plan für Wiederaufbau von Brücke in Genua ab

Dienstag, 28. August 2018 | 15:35 Uhr

Die italienische Regierung hat einen Plan des Autobahnbetreibers Autostrade per l’Italia für den Wiederaufbau der in Genua eingestürzten Brücke abgelehnt. Der Staat werde selber für die Errichtung der Brücke sorgen, die von Autostrade per l’Italia betrieben wurde, sagte Verkehrsminister Danilo Toninelli in einem Radiointerview am Dienstag.

“Was würden wir den Familien der Opfer und den Bürgern für ein Signal geben, wenn die Brücke von der selben Gesellschaft wiederaufgebaut wird, die für ihren Einsturz verantwortlich ist?”, fragte Toninelli, Spitzenpolitiker der seit Juni in Rom regierenden Fünf Sterne-Bewegung. Das staatlich kontrollierte Schiffsbauunternehmen Fincantieri und die staatliche Bank Cassa Depositi e Prestiti (CDP) könnten laut Medienberichten mit dem Bau einer neuen Brücke beauftragt werden. Autostrade werde aber die Kosten übernehmen müssen, sagte Toninelli. Beim Einsturz am 14. August sind 43 Menschen ums Leben gekommen.

Als Folge der Katastrophe in Genua will die italienische Regierung alle Autobahn-Lizenzen prüfen. Im September werde er die Vertreter aller Autobahnbetreiber treffen, hatte Toninelli in einer Ansprache vor dem Parlament am Montag in Rom angekündigt. Die Regierung werde von den Firmen ein detailliertes Programm ihrer Instandhaltungsarbeiten einfordern. Der Minister bemängelte, dass die Investitionen der Autobahnbetreiber in das Infrastruktursystem seit dem Jahr 2000 von zwei Milliarden Euro auf 950 Millionen Euro zurückgegangen seien, während die Autobahngebühren in Italien weiter gestiegen seien.

Der Minister hatte der Autobahngesellschaft Autostrade per l’Italia zuletzt mit dem Entzug der Lizenz und hohen Strafzahlungen gedroht. Der Autobahnbetreiber gehört der börsennotierten Infrastrukturholding Atlantia im Besitz der Unternehmerfamilie Benetton. Die Atlantia-Aktie meldete am Dienstag einen Rückgang von fast einem Prozent an der Mailänder Börse.

Der italienische Stararchitekt Renzo Piano schenkte seiner Heimatstadt Genua einen Plan für eine neue Brücke als Ersatz für jene, die am 14. August eingestürzt ist. Das Projekt wurde am Dienstag dem Präsidenten der Region Ligurien, Giovanni Toti, in Genua vorgestellt. “Seit dem Einsturz der Brücke denke ich an nichts anderes”, sagte Piano laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. Toti berichtete, dass Piano bereit sei, der Stadt kostenlos ein Projekt für den Wiederaufbau zu liefern. “Wir haben die Hilfe gern angenommen”, sagte der Präsident Liguriens.

Von: apa