Italien will eigenen Impfstoff produzieren

Italien lockert Corona-Auflagen – Virologen besorgt

Samstag, 30. Januar 2021 | 09:05 Uhr

Italien lockert die Anti-Covid-Maßnahmen. Ab kommendem Montag werden elf der 20 italienischen Regionen von orange auf gelb herabgestuft. Dies bedeutet, dass Lokale tagsüber wieder öffnen können. Personen erhalten damit auch mehr Reisefreiheit. Das gilt auch für die Lombardei, die von der Epidemie am stärksten betroffene Region. Virologen warnen vor der Gefahr, dass die Infektionszahlen wieder zunehmen könnten. Das Virus sei noch nicht besiegt.

Ab kommender Woche wird keine der 20 italienischen Regionen mehr als rote Zone eingestuft, teilte das Gesundheitsministerium am Freitagabend mit. In keiner Region werden daher Teil-Lockdowns gelten. Lediglich Südtirol, Umbrien, Apulien, Sizilien und Sardinien wurden als orange eingestuft. Dort sollen die Menschen in der Regel ihre Orte nicht verlassen. Restaurants und Bars dürfen Gäste nicht am Tisch bedienen, erlaubt ist nur noch zeitweiser Außer-Haus-Verkauf.

Virologen warnten vor zu großem Optimismus, die Epidemie sei noch nicht zu Ende. “Zwar hat das Ampelsystem die Infektionen eingegrenzt, das Coronavirus ist noch nicht besiegt”, erklärte Massimo Galli, Direktor der Abteilung für Infektionskrankheiten des Mailänder Krankenhauses “Sacco”.

Italien macht sich inzwischen wegen Engpässen bei den Impfungen Sorgen. So muss das Land wegen Problemen bei der Lieferung von Vakzinen die Zahl seiner täglich durchgeführten Impfungen halbieren. Wegen der Kürzungen bei den Impfstoff-Lieferungen sei es unmöglich, eine Massenimpfung durchzuführen, klagte der für die Impfkampagne zuständige Regierungskommissar Domenico Arcuri. Italien habe 300.000 Impfdosen weniger erhalten als erwartet. Dabei sei Italien bis zum 15. Jänner das EU-Land gewesen, das die meisten Vakzine verabreicht hatte, 200.000 mehr als Deutschland.

Italien, das bereits 1,7 Millionen Personen geimpft hat, will sich angesichts der Lieferungsprobleme stärker um einen eigenen Impfstoff bemühen. Daher plant die Regierung, mit einer 30-prozentigen Beteiligung in den in Rom beheimateten Pharmakonzern ReiThera einzusteigen, der einen Anti-Covid-Impfstoff an Freiwilligen testet. Italien bemüht sich auch um Impfdosen des Pharmakonzerns Johnson&Johnson, die jedoch noch von der EU-Pharmabehörde EMA zugelassen werden müssen.

Von: apa