Sporthalle wurde zur Kapelle

Italien nahm Abschied von Erdbeben-Opfern

Samstag, 27. August 2016 | 15:45 Uhr

Mit einem nationalen Trauertag hat Italien am Samstag der bisher 290 Toten nach dem Erdbeben vom Mittwoch gedacht. Zu einem Staatsakt für die Opfer der Erdbebenkatastrophe in Italien strömten zahlreiche Trauernde und Überlebende der Katastrophe in die Sporthalle der mittelitalienischen Stadt Ascoli Piceno, die in eine behelfsmäßige Kapelle umgewandelt worden war.

In Andenken an die Opfer wurden landesweit die Flaggen auf Halbmast gesetzt. An der Trauerzeremonie für 35 der 49 Opfer in der mittelitalienischen Region Marken beteiligten sich auch Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella, der zuvor das Katastrophengebiet besucht hatte, sowie Premier Matteo Renzi, der den Verwandten der Opfer Trost spendete. Eine lange Reihe von Särgen wurde in der Sporthalle aufgestellt. Die Namen aller Opfer wurden zu Beginn der Trauerzeremonie verlesen.

“Wir erleben eine Zeit der Kriege. Auch ein Erdbeben ist ein Krieg, denn die Natur verzeiht uns nicht. Es ist weiser, im Einklang mit der Natur zu leben, als sie zu provozieren”, sagte der Bischof von Ascoli Piceno, Giovanni D ́Ercole, in seiner Predigt. Der Bischof zeigte sich überzeugt, dass die zerstörten Gemeinden zu neuem Leben erwachen werden. “Unsere Gegend besteht aus Menschen, die nicht den Mut verlieren. Zusammen werden wir unsere Häuser und Kirchen wieder aufbauen”, sagte D ́Ercole.

Auch der weiße Sarg der neunjährigen Giulia wurde in der Sporthalle von Ascoli Piceno aufgestellt. Sie hatte mit ihrem Körper ihre vierjährige Schwester Giorgia geschützt, die als eine der letzten Menschen lebend aus den Trümmern in Pescara del Tronto gerettet worden war. Der Bischof bezeichnete es als Wunder, dass Giorgia nach 16 Stunden lebend unter den Trümmern ihres Kinderzimmers geborgen werden konnte. “Das Leben hat mit Giorgia über den Tod gesiegt”, sagte D ́Ercole.

Papst Franziskus drückte seine tiefe Anteilnahme an der Trauer der Familienangehörigen aller Opfer des Erdbebens aus. “Der Papst betet für die Opfer des Erdbebens”, teilte der vatikanischen Staatssekretär, Kardinal Pietro Parolin, mit. In der Basilika des Heiligen Franz in Assisi ertönten zu Beginn der Trauerzeremonie in Ascoli Piceno die Glocken. Die Gemeinschaft der Franziskanermönche schloss sich den Gebeten für die Erdbebenopfer an.

Vor Beginn der Trauerzeremonie hatte Italiens Präsident Mattarella die besonders schwer getroffenen Ortschaft Amatrice besucht. Er sprach mit Einsatzkräften, die nach Verschütteten suchen, und dankte ihnen für ihre Arbeit. Mattarella versprach den vollen Einsatz der Institutionen für einen raschen Wiederaufbau und besuchte Verletzte in den Krankenhäusern der Gegend. Besonders wichtig sei, den Beginn des Schuljahres in den betroffenen Gemeinden zu sichern, betonte schließlich Italiens Premier Matteo Renzi.

Inzwischen wuchs die Zahl der Todesopfer des Erdbebens auf 290. 388 Personen wurden verletzt, 2.444 Obdachlose werden vom italienischen Zivilschutz versorgt. Aus den Trümmern des Hotels Roma in Amatrice wurden drei weitere Tote geborgen, darunter ein Ehepaar. Da es noch weitere Verschüttete gibt, dürfte die Zahl der Opfer noch weiter steigen.

Für den kommenden Dienstag ist eine “Begräbnisfeier ohne Leichen” für die Opfer der Ortschaften Amatrice und Accumoli vorgesehen. Dazu wird auch Italiens Regierungschef Renzi erwartet. Der Bürgermeister von Amatrice, Sergio Pirozzi, hatte zuvor geklagt, nach dem Beben stehe keine einzige Kirche mehr in Amatrice, “also findet die Zeremonie im Freien statt”.

Die Staatsanwaltschaft in der italienischen Stadt Rieti ermittelt bereits, ob in der Erdbebenregion gegen Bauvorschriften verstoßen wurde. “Was da passiert ist, kann nicht nur als Unglück gesehen werden”, zitierte die italienische Tageszeitung “La Repubblica” am Samstag Staatsanwalt Giuseppe Saieva. Bei einigen der zerstörten Häuser sei “mit mehr Sand als Zement” gebaut worden. Vor allem der Einsturz einer erst vor kurzem renovierten Volksschule in Amatrice hatte für Aufsehen gesorgt. Bisher seien aber keine Verdächtigen identifiziert worden.

Auch zahlreiche Tiere sind bei dem schweren Erdbeben verletzt worden. Jetzt will sich die Tierklinik der Universität Camerino in der Region Marken um die Vierbeiner kümmern, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA am Samstag meldete.

Von: APA/ag.

Kommentare

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11 Kommentare auf "Italien nahm Abschied von Erdbeben-Opfern"


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witschi
Grünschnabel
1 Monat 20 h

scheiss auf die historischen gebäude. mich interessiert nur jeder gerettete mensch und tier

Mikeman
Tratscher
1 Monat 17 h

solche sinnlose   Daumen runter Sp……… sind immer fleißig dabei, bestimmt hoffnungslose Fälle 😀

Justice
Neuling
1 Monat 14 h

Habe heute einen sehr interessanten artikel im “il centro teramo” gelesen. Man schreibt darin dass die italiener immer alles dio, disgrazia und forza della natura zuschreiben. Die wahrheit sieht anders aus: vorschriften werden nicht eingehalten und fördergelder für erdbebensicheres bauen nicht ausgeschöpft. In japan sind beben dieser stärke alle paar jahre und die gebäude halten und es gibt keine oder wenig opfer. Diese zeilen schreibt ein italienischer reporter
und der muss es wissen. Lebt in dieser zone und wird jeden tag mit dieser realität konfrontiert.

Mikeman
Tratscher
1 Monat 18 h

historische und auch später nicht sachgemäß erbaute Hütten
sind bei Erdbeben fatale Mausefallen,das ganze Territorium ist voll davon ………

Wirt
Neuling
1 Monat 18 h

Habe mir auch gerade gedacht,bei den historischen Gebäuden wird sofort getrennt. Die sofortige Hilfe der Bewohner und deren Wohnungen muss oberste Priorität haben,danach kann mit dem Luxusobjekten wie Kirchen,Tore,Altstadt begonnen werden. Auch Bausünden müssen geandet werden. Es ist bekannt,dass die Vorgaben w/ Erdbeben nicht eingehalten wurden.

Schoko
Neuling
1 Monat 15 h

na ja, di historischen gebäude sein amol et is wichtigste… i hoff für ola Betroffenen dass sie so schnell wie möglich wido a Zuhause hobm…

leila
Grünschnabel
1 Monat 8 h

Ist ja auch zu verstehn dass sie in den Gebäuden leben…sie sind wahrscheinlich auch gzwungen..nicht jeder kann sich ein neues haus leisten…und niemand währe in einem solchen Haus diese schreckliche nacht geblieben,hätten sie gewusst was passiert…😦

orchidee16
Neuling
1 Monat 14 h

Jo die historischen Tempeln sein amol wirklich net sou wichtig.Von mir aus solln sie sie a frisch. nou niedrreissen.Die Leit solln mol a Hilf gkriegn.

orchidee16
Neuling
1 Monat 14 h

I hoff lei ,dass der VESUV net a nou aufwocht.Semm schun werds gonz schlimm werdn.

Staenkerer
Superredner
30 Tage 23 h

des erdbeben hot in sekunden viele leben zerstört u. viele leben für immer verändert des isch es schockiende, nit das historisches vernichtet wurde!

oli.
Tratscher
30 Tage 7 h

So viele Opfer nur im Erdbeben Gebiet , wenn es jetzt noch sau blöd läuft , kommt der Wetterumschwung von der Hitze .
Gewitter , stark Regen etc. bleiben die Leute nie verschont ?

Liegt auch etwas am Bauamt , war bei einen Campingplatz in der Emilia romagna , da waren die Abwasser Schächte höher wie die Str. , bei Regen waren die Str. immer unter Wasser auf dem Platz.
WO IST DA DIE KONTROLLE VON DER BEHÖRDE ?

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