Rückschlag für italienische Skigebiete

Italien stoppt geplante Öffnung der Skigebiete

Sonntag, 14. Februar 2021 | 21:01 Uhr

Einen Tag vor der geplanten Öffnung vieler Skiregionen in Italien hat die Regierung aus Sorge vor den neuen Coronavirus-Varianten den Start wieder gestoppt. Gesundheitsminister Roberto Speranza verlängerte am Sonntag das bestehende Wintersport-Verbot für Freizeitsportler bis zum 5. März. In ersten enttäuschten Reaktionen aus den Skigebieten hieß es, damit sei diese Saison vorbei. In Italien hatten die Skigebiete anders als in Österreich Ende 2020 gar nicht aufmachen dürfen.

Als Grund für die Kehrtwende nannte Speranza in seiner Anordnung erhöhte Risiken durch Virus-Mutanten, besonders die sogenannte britische Variante. Der Minister verwies auf eine in der vergangenen Woche vorgestellte Untersuchung seiner Experten, wonach geschätzt schon fast jede fünfte Corona-Infektion in Italien auf diese Erreger zurückzuführen sei.

Italienische Regionen und Berggebiete reagierten empört auf den Beschluss der Regierung. Der lombardische Präsident Attilio Fontana sprach von einem “unannehmbaren Schlag” für einen Wirtschaftssektor, der kurz vor dem Neustart stand. “Dieses System der Regierungsbeschlüsse, die Woche für Woche ergriffen werden, ist für die Betriebe und die Bürger verheerend”, protestierte Fontana. “Ich bin einfach sprachlos. Noch vor zehn Tagen hatte uns das wissenschaftliche Komitee versichert, dass man ab Montag wieder Ski fahren darf”, kritisierte der Präsident der Region Piemont Alberto Cirio.

Empört reagierten auch die Skibetreiber. “Wir haben riesige Summen ausgegeben, um uns an die Sicherheitsvorkehrungen anzupassen und jetzt können wir nicht starten”, sagte Beppe Bonseri, Specher der Skianlagen-Betreiber in der renommierten lombardischen Bergortschaft Santa Caterina Valfurva. Marco Bussone, Präsident des Verbandes Uncem von Berggemeinden, sagte am Abend der Nachrichtenagentur: “Die Saison ist für viele Betreiber vorbei.”

Der neuvereidigte Tourismusminister Massimo Garavaglia versprach Entschädigung für die Skianlagenbetreiber. “Dieser Stopp ist ein tödlicher Schlag für den Wintertourismus und für die vielen Skianlagen-Betreiber, die für den Neustart viel Geld ausgegeben haben. Die Oberflächlichkeit, mit der Beschlüsse gefasst werden, ist skandalös”, protestierte die Oppositionspolitikerin Giorgia Meloni, Chefin der Rechtskraft Fratelli d ́Italia (FdI/Brüder Italiens).

Kurz vor der Anweisung aus Rom waren die Warnungen der Virologen vor der Öffnung der Skigebiete wegen steigender Corona-Zahlen bekannt geworden. Die Experten des wissenschaftlichen Komitees CTS, das die Regierung berät, hätten dagegen votiert, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Auch der Berater des Gesundheitsministeriums, Walter Ricciardi, halte das Anfahren der Lifte für “nicht vereinbar” mit den Corona-Zahlen, die sich zuletzt verschlechtert hatten.

Bei Seilbahn-Betreibern und anderen Unternehmen in den betroffenen Alpen-Zonen liefen die Vorbereitungen für die Öffnung seit längerem. Rom hatte vor einiger Zeit festgelegt, dass der Skibetrieb in den sogenannten Gelben Zonen des Landes, wo das Corona-Risiko als mäßig gilt, ab dem 15. Februar wieder losgehen darf. Gelb sind unter anderem die Lombardei, das Aosta-Tal und Venetien.

Allerdings hatte die Regierung am Samstag gewechselt. Speranza blieb zwar im Amt als Minister. Aber der bisherige Premier Giuseppe Conte wurde durch den Ex-Zentralbankchef Mario Draghi abgelöst.

In sogenannten Roten und Orangen Zonen in Italien müssen die Lifte ohnehin weiter stillstehen. Dazu gehören Ligurien, das Trentino und Südtirol.

Die Behörden in dem 60-Millionen-Einwohner-Land zählten bisher mehr als 2,7 Millionen Corona-Infizierte. Sonntag kamen über 11.000 Fälle in 24 Stunden hinzu. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Inzidenz) lag zuletzt bei über 130 (1. Februar – 7. Februar).

Von: apa