Viele Gebäude waren nicht erdbebensicher gebaut

Italien will Bausünden nach Erdbeben aktiver bekämpfen

Freitag, 25. August 2017 | 11:30 Uhr

Nach dem Erdbeben der Stärke 4,0 auf der Insel Ischia, das zwei Menschenleben gefordert und zum Einsturz mehrerer Gebäude geführt hat, ist in Italien das Thema Bausünden wieder aktuell. Nach Angaben der Umweltorganisation Legambiente werden jährlich 17.000 Gebäude unter Missachtung von Bauvorschriften oder überhaupt illegal errichtet.

Besonders häufig geschieht das in attraktiven Lagen. In Orten am Meer entstehen immer wieder neue Villen, Ressorts, Campingplätze, Swimmingpools und Strandanlagen. Die Regierung in Rom will nun verstärkt gegen diese Bausünder vorgehen, die am Meer oder an Flüssen und Berghängen illegal den Boden zubetonieren.

Die Justiz habe seit 2012 zwar den Abriss von 46.700 Gebäuden angeordnet, erläuterte Legambiente. Dies erfolgte jedoch nur in zehn Prozent der Fälle. Allein auf der Insel Ischia sollten 600 Gebäude abgerissen werden.

1,2 Millionen Gebäude sind nicht in das Grundbuch eingetragen. 40 Prozent der illegal errichteten Häuser befinden sich in Kampanien, Apulien, Kalabrien und Sizilien. In diesen vier süditalienischen Regionen sind mafiöse Organisationen besonders präsent.

Seit 1985 wurden in Rom mehr als zwei Millionen Anträge für die Sanierung von Bausünden eingereicht, 27.859 davon wurden abgelehnt. 844.000 Anträge werden noch geprüft. “In vielen Teilen Italiens werden Bausünden toleriert, weil die Lokalbehörden sich Wählerstimmen sichern, wenn sie diese nicht aktiv bekämpfen. Bürgermeister, die gegen Bausünden vorgehen, geraten unter Druck, erklärte Legambiente-Präsidentin Rossella Muroni. Der sizilianische Staatsanwalt Ignazio Fonzo sprach sich dafür aus, Bürgermeistern die Kompetenz für den Abriss illegaler Bauten zu entziehen. Denn die Gemeindeoberhäupter seien auf lokaler Ebene oft zu stark verstrickt.

Von: apa